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Eilenburg Jesewitz: Streit um Gestank vom Pferdehof schwelt weiter
Region Eilenburg Jesewitz: Streit um Gestank vom Pferdehof schwelt weiter
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12:50 10.09.2019
Lutz Jetting mit einem Pferd auf dem Gut in Pehritzsch, einem Vierseithof aus dem 17. Jahrhundert, in dem er eine Reitschule betreibt. Quelle: Nico Fliegner
Pehritzsch

Der Streit um Gestank und Dreck, der von dem alten Gutshof in Pehritzsch ausgeht, spaltet inzwischen das Dorf und den Gemeinderat. Während Einwohner die ambitionierten Pläne der Familie Jetting, die dort eine Reitschule betreibt und das heruntergekommene Anwesen aus dem 17. Jahrhundert aus dem Dornröschenschlaf holen will, begrüßen, fühlen sich Nachbarn nach wie vor in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. Dabei sollte Ortsvorsteherin Andrea Herold im Frühjahr zwischen der Reitschulbetreiber-Familie Jetting und dem in unmittelbarer Nachbarschaft lebenden Ehepaar Tessarzick schlichten, doch das klappte wohl nicht so, wie es im Vorfeld angedacht war. Nunmehr gibt es neue Entwicklungen, die abermals den Gemeinderat beschäftigten.

Bauantrag nicht genehmigt

Dieser musste erneut über einen Antrag auf Umbau und Umnutzung des Gutshofes zu einem Pferdehof entscheiden. Lutz Jetting von der Pächter-Familie des Anwesens erklärte, dass ein Anfang des Jahres bei der Baubehörde des Landkreises eingereichter Bauantrag nicht genehmigt worden sei. Für das Ehepaar Tessarzick offenbar ein Etappensieg, leidet es doch seit Jahren unter den Umständen vor Ort.

Darum geht es bei dem Streit

Im Frühjahr erklärte Hans Tessarzick das Problem so: Stehen die Pferde auf der Koppel zu seinem Grundstück, riecht es streng. Im Sommer sei es immer „besonders schlimm“, hinzu kämen Fliegen, sodass man nicht „mal gemütlich draußen sitzen oder grillen“ könne. „Der Gestank ist unerträglich. Wir sind hier vollkommen beeinträchtigt. Ich möchte mein Grundstück nutzen können wie jeder andere auch. Aber ich lebe wie ein Schwein hier“, beklagte er dazumal. Im vorigen Sommer hätten die Pferde ganz nah zu seinem Grundstück gestanden. Wenn sie dann urinieren, stinke es „erbärmlich“. Zu dem Gestank kam auch noch störender Lärm durch Klapper-Geräusche an Futterraufen. Tessarzicks sahen die Baupläne deshalb kritisch. Der Gemeinderat gab im Frühjahr dennoch grünes Licht, das Landratsamt lehnte die Pläne ab.

Weniger Pferd geplant

Familie Jetting hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eingelenkt und ließ die Pferde nicht mehr so nah an das Grundstück des Ehepaars Tessarzick heran. „Wir wollen niemandem schaden, sondern eine Lösung finden“, sagte Lutz Jetting im Frühjahr. Und an einer Lösung sei er auch weiter interessiert, gab er dieser Tage vor dem Jesewitzer Gemeinderat an. Das bedeutet, dass Familie Jetting ihre bisherigen Baupläne abspecken wird. Die ursprünglichen waren auf 50 Pferde, nunmehr sind sie auf 27 Pferde ausgelegt. Geplant seien eine Reithalle, die umschlossen sei, und eine Mistplatte. Werden die neuen Pläne genehmigt, sollen sie in den nächsten fünf Jahren realisiert werden. Jetting betonte außerdem, dass die Pferde schon jetzt nicht mehr bis an die Grundstücksgrenze zu den Tessarzicks gelassen würden. Und er gab an, die Fläche direkt am Grundstück der Nachbarn begrünen zu wollen. Ortsvorsteherin Andrea Herold wertete dies als „Kompromisslösung“.

Gemeinderat ist gespalten

Skepsis gibt es dennoch. Gemeinderat Stefan Bär (WV Pehritzsch) erklärte, dass „es riecht“ und die „Wohnqualität von Anwohnern“ nicht beeinträchtigt werden dürfe. Bär stimmte letztlich gegen die Pläne. Anders Holger Jost (WV Pehritzsch), der die veränderten Pläne mit weniger Pferden und größerem Abstand zu den Nachbarn als „wohlwollend“ bezeichnete und seine Zustimmung gab. Torsten Klinge (WV Liemehna) sagte, dass er seine Zustimmung nur unter der Maßgabe gebe, wenn es zu keinerlei Belästigung mehr für die Bewohner komme.

Letztlich zeigte die Abstimmung im Gemeinderat, wie schwierig die Entscheidung ist. Fünf Räte stimmten für den Bauantrag, drei dagegen und sieben enthielten sich der Stimme, womit der Antrag angenommen wurde. „Das Thema spaltet das Pehritzscher Dorf“, erklärte Gemeinderätin Steffi Bartmuß (WV Natur und Heimat). Jetzt ist wieder das Landratsamt am Drücker und entscheidet über den modifizierten Antrag der Reitschule.

Bürgermeister appelliert an Reitschule

Ob der Streit zwischen Jettings und Tessarzicks damit auf dem Weg zu einer Lösung und einem friedvollen Miteinander ist, bleibt abzuwarten. Bürgermeister Ralf Tauchnitz (WV) appellierte an den Gutshof-Pächter, er solle „Besserung geloben“ und „auf die Familie Tessarzick zugehen“. Und Hans Tessarzick erklärte, dass er die Jettings und ihre Reitschule nicht weghaben wolle, auch wenn sein Haus bereits an Wert verloren habe. Dem Ehepaar gehe es um Rücksichtnahme und gegenseitiges Verständnis.

Von Nico Fliegner

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