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Eilenburg Mut-Tour: Unterwegs für offenen Umgang mit Depressionen
Region Eilenburg Mut-Tour: Unterwegs für offenen Umgang mit Depressionen
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02:42 24.08.2019
Zwischenstopp der Mut-Tour auf dem Marktplatz in Eilenburg. Quelle: Hanna Gerwig
Eilenburg

„Komm, reiß dich mal zusammen“, „Geh mal raus, dann geht’s dir besser.“, „Nimm dir ne’ Auszeit, fahr’ in den Urlaub“. Melanie Roth kennt diese und andere gut gemeinten Ratschläge zur Genüge. Seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr hat die heutige Studentin mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen. Als Teenager ist sie wegen Magersucht in Behandlung. Nachdem sich ihr Gewicht stabilisiert hat und es ihr trotzdem nicht besser geht, entschließt sie sich selbstständig zu einer ambulanten Therapie. Dort findet sie heraus, dass sie unter Depressionen leidet.

Ansprechpartner für Betroffene und Angehörige

Immer mehr, auch prominente Menschen, sprechen in der Öffentlichkeit über ihre seelischen Erkrankungen und deren Folgen – zuletzt etwa der ehemalige Radprofi Renzo Wernicke aus Delitzsch. Die 20-jährige Melanie Roth tut dies nun im Rahmen der Mut-Tour 2019. Dabei radelt sie mit ihrem Team von Berlin über Leipzig nach Jena – und machte dabei nun auch in Eilenburg Station. Sieben Tage dauert die Etappe, danach übernimmt eine andere Gruppe. Vom 15. Juli bis zum 1. September sind so in insgesamt elf Etappen depressionserfahrene und -unerfahrene Menschen zu Fuß oder auf Tandems unterwegs. Ihr Ziel: Ein offener Umgang mit psychischen Krankheiten – auch, um Betroffenen und Angehörigen Hilfe zu vermitteln und Mut zu machen. Bundesweit durchquerten so seit 2012 bereits 241 Teilnehmer ganz Deutschland und legten dabei über 30 000 Kilometer zurück. Dieses Jahr kommen noch einmal 3600 Kilometer hinzu.

„Niemand muss sich schämen, Hilfe zu suchen“

„Für mich zum Beispiel war es ganz wichtig, eine Selbsthilfegruppe zu haben. Also Menschen, die einen verstehen“, sagt Gerd Krämer, der ebenfalls an der Tour teilnimmt. Er möchte zeigen, dass man auch mit Depressionen aktiv sein und ein gutes Leben führen kann. Selbst habe er das erst mal lernen müssen, nachdem er aus seinem Beruf als Heilerziehungspfleger ausscheiden musste. Er fühlte sich nicht mehr belastbar. „Wir wollen zeigen, dass sich niemand schämen muss, Hilfe zu holen“, sagt der 63-Jährige. Depressionen seien nicht nach außen hin sichtbar, sondern spielten sich im Inneren ab. Das mache es für Angehörige oft schwierig nachzuvollziehen, was in einem Menschen vorgehe. Oft werde die Krankheit deshalb unterschätzt.

Psychische Erkrankungen werden oft totgeschwiegen

„Phasen in denen man mal keine Lust hat, kennt jeder. Aber das ist etwas ganz anderes“, betont auch Melanie Roth. „In meiner Familie wurde das totgeschwiegen“, erzählt die junge Frau. „Von außen gesehen lief bei mir alles gut, ich hatte gute Noten.“ Statt ihre Erkrankung anzuerkennen, habe ihr Vater ihr irgendwann unterstellt, Drogen zu nehmen. Es tue ihr deshalb gut, auf der Mut-Tour offen über ihre Erfahrungen sprechen zu können. Das gleiche wünscht sie sich auch für andere Betroffene. „Man fühlt sich wie in einer Negativspirale. Aber es ist nicht in Stein gemeißelt, dass es auch so bleibt.“ Gerd Krämer stimmt ihr zu. In vielen Fällen sei eine Depression heilbar, in anderen könne man lernen, damit zu leben. Ihm selbst gehe es im Moment „einfach nur sehr gut“.

Anlaufstellen bei Verdacht auf Depressionen

Depressionen gehören in Deutschland zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Laut dem Bundesministerium für Gesundheit klagen viele Betroffene anfangs über Leistungsabfall, Appetitverlust und Schlafstörungen. Auch allgemeine Lustlosigkeit, Entscheidungsunfähigkeit und Gefühle wie Traurigkeit oder Gleichgültigkeit sowie diffuse Ängste können zu den Symptomen gehören. Wird eine Depression erkannt, ist sie in vielen Fällen aber gut behandelbar.

Erste Anlaufstelle für Betroffene kann der Hausarzt sein, der bei Bedarf an einen Facharzt weiterverweist. Weitere Ansprechpartner finden sich etwa über die bundesweite Telefonseelsorge (0800/ 111 0 111), das „Seelefon“ der Deutschen Depressionsliga (01805/ 950951) sowie das Info-Telefon Depression der Deutschen Depressionshilfe (0800/ 33 44 53 3). Zu den regionalen Anlaufstellen zählt beispielsweise der Sozialpsychiatrische Dienst in Eilenburg am Dr.-Külz-Ring 9.

Von Hanna Gerwig

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