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Eilenburg Nach 170 Jahren: Eilenburger Spielzeugladen schließt
Region Eilenburg Nach 170 Jahren: Eilenburger Spielzeugladen schließt
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11:44 06.09.2019
Gudrun Blume (65), Inhaberin des Spielwarenladens Rosenberger in Eilenburg, schließt das seit 170 Jahren bestehende Traditionsgeschäft. Quelle: Nico Fliegner
Eilenburg

An der grauen Hausfassade über dem Geschäft in der Torgauer Straße in Eilenburg ist in großen Lettern „Rosenberger“ zu lesen. Der Name steht für eine lange Tradition: Vor 170 Jahren gründete jener Vorfahre der heutigen Inhaberin Gudrun Blume das Spielwarengeschäft, es ist eines der ältesten im Landkreis. Den Spielzeugladen mit der längsten Tradition hat Torgau. 170 Jahre sind eine lange Zeit. Doch diesen runden Geburtstag in irgendeiner Form zu würdigen – danach steht der 65-Jährigen nicht der Sinn. Im Gegenteil. Am 30. Oktober endet die Tradition der Rosenberger Spielwaren in Eilenburg. Das Geschäft schließt.

Plüschtiere aus DDR-Zeiten

Blick auf ein Regal im Spielwarenladen Rosenberger in Eilenburg. Nach 170 Jahren schließt das Traditionsgeschäft. Quelle: Nico Fliegner

Wenn man den geräumigen Laden betritt, bewegt man sich auf alten Holzdielen. Manchmal knarren die. Hohe, massive Regale und breite Tische aus dunklem Holz muten aus einer anderen Zeit an. Ebenso die Kasse, die das Unternehmen Krupp vermutlich in den 1930er-Jahren produzierte und die Liebhaber heute nur noch in Museen oder bei Ebay finden. Modern ist etwas anderes. Aber das Alte hat seinen Charme bei Rosenberger Spielwaren. Und alt ist wahrlich vieles in dem Geschäft – auch das Spielzeug. „Ich habe noch Plüschtiere aus DDR-Zeiten“, erzählt Gudrun Blume. Ins Auge fallen ebenso die vielen Plastikmodellbausätze. Autos, Laster, Segelboote, Motorräder kann man als Bausatz kaufen und im Maßstab 1:24 zusammenkleben. Etliche Puzzle gibt es. Andererseits aber auch neue Ware wie Mähdrescher, Bagger und Betonmischfahrzeuge für Vierjährige: Eben alles, was das Kinderherz von heute höher schlagen lässt.

„170 Jahre kein Jubiläum“

Gudrun Blume zuckt mit den Schultern: „170 Jahre sind kein Jubiläum“, sagt die Geschäftsinhaberin, die den Laden vor 30 Jahren von ihrem Vater übernommen hatte. „Und warum sollte ich das feiern, wenn hier sowieso im Oktober Schluss ist?“ Vielmehr hofft sie, dass sich bis dahin noch der eine oder andere Kunde zu ihr verirrt und die Spielwaren Abnehmer finden. Denn das ist in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden, so die Eilenburgerin, die seit den 1970er-Jahren im Handel arbeitet und den Beruf Verkäuferin bei der damaligen HO von der Pike auf gelernt hat. „Jeder Supermarkt hat doch heute Spielzeug“, ärgert sie sich.

Rentenalter erreicht

Blick auf das Spielwarengeschäft Rosenberger in Eilenburg. Es schließt nach 170 Jahren. Quelle: Nico Fliegner

Dass sie nunmehr die Reißleine zieht und das Familiengeschäft schließt, hängt in erster Linie damit zusammen, dass sie mit ihren 65 Jahren das Rentenalter erreicht hat. Unabhängig davon gebe es aber auch keinen Nachfolger in der Familie. Die Kinder hätten andere Pläne. Ohnehin ist es schwierig, einen Spielzeugladen zu führen mit Blick auf den boomenden Internethandel. Heute bestellt, morgen geliefert. So sparen sich Kunden den Weg ins lokale Geschäft, was auch Gudrun Blume zu spüren bekommt. Sie will nicht sagen, wie viele Leute über den Tag verteilt bei ihr reinschauen. Aber runtergerechnet auf die Zeit würde es ausreichen, den Laden nicht länger als eine halbe Stunde zu öffnen, sagt sie.

Was wird aus dem Geschäft?

Was die Geschichte der Rosenberger Spielwaren angeht, bleibt Gudrun Blume indes wortkarg. Sie habe sich damit „nie beschäftigt“, gibt sie an und wolle darüber auch nichts in der Zeitung lesen. Ab November wird der Laden, über dem sie wohnt, jedenfalls erstmal verwaist sein. Ein Nachnutzer, in welcher Form auch immer, sei nicht da. „Es gibt in Eilenburg so viele Geschäfte, die leer stehen“, zeigt sich Gudrun Blume unbekümmert wegen der neuen Situation und wird offensichtlich ohne das Familiengeschäft mit dem alten Holzfußboden, den Holzregalen und der Registrierkasse aus dem vorigen Jahrhundert ganz gut leben können.

Das schwierige Geschäft der Spielwarenläden

Spielwarenläden bestimmten noch bis vor wenigen Jahren das Bild nahezu jeder Kleinstadt in Deutschland. Doch immer mehr dieser Geschäfte mussten in den vergangenen Jahren schließen. Nach Informationen des Statistischen Bundesamtes hat allein zwischen 2010 und 2016 jeder siebte Spielzeugladen in der Bundesrepublik aufgegeben. Rund 40 Prozent aller Spielwaren werden heutzutage im Internet gekauft. Auf den Fachhandel vor Ort entfallen etwa 30 Prozent der Umsätze. Selbst große Spielzeugladenketten wie Toys R Us und Intertoys gerieten zuletzt unter Druck. Hinzu kommt, dass die Discounter und Drogeriemarktketten den klassischen Spielzeugläden zunehmend Konkurrenz machen. In Bad Düben gab es noch viele Jahre nach der Wende ein Spielzeuggeschäft direkt am Markt, das aber heute nicht mehr existiert. Der Schreibwarenladen Paul Streubel in der Kurstadt hat indes Spielwaren in seinem Portfolio. In Eilenburg ist Rosenberger Spielwaren seit 170 Jahren präsent, schließt aber nunmehr zum 30. Oktober. In Delitzsch gibt es mit Spielzeugtraum Heike Zänker und Feuerwerk-Spielwaren Troll noch zwei Läden dieser Art.

Von Nico Fliegner

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