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Eilenburg Obsthof Wöllmen: Sorge um Apfel- und Pflaumenernte
Region Eilenburg Obsthof Wöllmen: Sorge um Apfel- und Pflaumenernte
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09:18 17.04.2019
Obstbauer Dieter Dottermusch mit blühenden Pflaumenbäumen.
Obstbauer Dieter Dottermusch mit blühenden Pflaumenbäumen. Quelle: Wolfgang Sens
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Eilenburg

„Eine derartig frühe Blüte habe ich noch nicht erlebt, seit ich im Obstanbau arbeite“, sagt Dieter Dottermusch vom Obsthof Wöllmen. Um den 27. April beginnt ihm zufolge zumeist die Apfelblüte. Sie wird in diesem Jahr ungewöhnlich früh dran sein – eine bis eineinhalb Wochen eher. „Die Pflaume beginnt normalerweise um den 17. oder 18. April und die ist schon durch, genau wie die Kirsche“, erklärt er mit einem Blick auf die hübschen weißen Blüten.

Obstbauer Dieter Dottermusch zeigt eine Apfelblüte. Quelle: Wolfgang Sens

Schlechtes Zeichen im Fruchtknoten

Eine frühe Blüte ist für den Obstbauern jedoch kein Grund zur Freude – im Gegenteil. Je früher die Blüte kommt, desto höher ist die Gefahr, dass folgende Fröste Schäden an den Knospen hinterlassen. Zur Veranschaulichung bricht Dieter Dottermusch eine Apfelblüte auf, um zum Fruchtknoten zu gelangen. Der ist schwarz, ein schlechtes Zeichen. Denn das bedeutet, dass daraus kein Apfel mehr erwachsen wird.

In einer Apfelknospe sind fünf Blüten, wovon die mittlere, die Königsblüte, als erste aufblüht. Falls die erste also Schaden nimmt, kann es immer noch sein, dass die nachfolgenden durchkommen.

Kälteeinbruch war schlimmer als gedacht

Einige Blüten bricht Dottermusch auf – ein paar sind leuchtend grün, andere bräunlich-schwarz verfärbt. „Die Kälte war doch schlimmer als gedacht“, seufzt er. In der letzten Woche kam die Donnerstagnacht bis auf zwei Grad Minus, das hat den Apfelbäumen nicht gefallen. Die frühe Blüte ereilt aber noch nicht alle der über 15 Sorten, die der Obsthof auf 18 Hektar Plantage bestellt. „Manche Sorten blühen früher, manche später. Das ist genetisch bedingt“, erklärt Dottermusch. Manche Sorten zeigen noch die Phase der grünen Knospe, an anderen Zweigen schimmert mit der roten Knospe schon zarte Farbe durch.

Der Obstbauer hat bei seinen Plantagen nicht wie andere auf Frostschutzmaßnahmen gesetzt, vor allem aus finanziellen Gründen. „Die Frostschutzberegnung braucht sehr viel Wasser und viele Installationen, das wird sehr teuer“, sagt er. Eine Maßnahme ergreift er jedoch: Den Rasen zwischen den Bäumen hält er immer möglichst kurz, damit sich der Boden schneller erwärmt.

Jetzt heißt es abwarten

Zurücklehnen können sich die Bauern jedoch noch nicht, auch wenn die Temperaturen im Aufschwung sein sollten. „Bis Anfang Mai ist noch nichts sicher, da müssen wir immer noch mit Frost rechnen.“ Wie groß der Schaden des Kälteeinbruchs ist, wird erst deutlich, sobald die Früchte kommen. Davor ist noch nichts abzusehen.

Außerdem haben die Obstbäume noch an den Auswirkungen des heißen Sommers 2018 zu knabbern, wie Dottermusch ausführt. „Die Trockenheit und das fehlende Wasser im letzten Jahr haben zu einer nicht ausreichenden Versorgung der Bäume geführt. Dadurch sind der Frostschutz und die Blütenfrostresistenz vermindert. Das ist wie bei einem kranken, ausgehungerten Menschen – der friert auch schneller als ein gut genährter Dicker“, erklärt er.

Die Pflaumenbäume auf 1,5 Hektar Land sehen mit ihren weißen Blüten zwar hübsch und gesund aus, das sagt aber noch nichts über die Früchte. „Der Pflaume wird die Kälte auch weh getan haben“, vermutet Dottermusch. „Aber in zwei Wochen wissen wir mehr.“

Von Katharina Stork