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Eilenburg Renner in Eilenburg: Kunst oder Krempel?
Region Eilenburg Renner in Eilenburg: Kunst oder Krempel?
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17:51 12.11.2018
Die Eilenburgerin Monika Neumann-Wächtler hat dieses Pastellbild eines Kindes zu Museumschef Andreas Flegel (M.) und Antiquitätenhändler Ingo Henjes (li.) gebracht. Quelle: Steffen Brost
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Eilenburg

Ist das eine wertvolle Vase oder nur ein unnützer Staubfänger? Auf solche und andere Fragen bekamen Interessenten am Sonntagnachmittag im Eilenburger Museum eine Antwort. Denn Museumsleiter Andreas Flegel lud das vierte Mal zu der Veranstaltung „Schätze schätzen“ ein. Gemeinsam mit Antiquitätenexperte Ingo Henjes aus Torgau nahm Flegel die scheinbar wertvollen Erbstücke und Flohmarktfunde in Augenschein.

„Die Veranstaltung kommt an. Schnell waren die 32 verfügbaren Plätze beim Schätze schätzen vergriffen. Obwohl wir in den vergangenen Jahren vielen sagen mussten, dass ihre Sachen keinen großen Wert haben, kamen dennoch ab und zu ein paar tolle Sachen zum Vorschein, die auch mich als Eilenburger Museumschef interessieren“, so Flegel.

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Experte kennt sich mit Antiquitäten aus

Mit Ingo Henjes hat sich Flegel einen speziellen Experten an die Seite geholt, der auf der Antiquitätenschiene zu Hause ist und sich mit Kunst oder Krempel auskennt. Damit er den Besuchern eine möglich genaue Auskunft geben konnte, hatte Henjes eine große Kiste mit Nachschlagewerken sowie einen Laptop dabei, um sofort im Netz nach Preisen und vergleichbaren Angeboten zu suchen. „Im Zweifelsfall suche ich im Internet nach gleichwertigen Stücken, um einen Wert zu ermitteln. Aber manchmal steht so etwas auch in den diversen Büchern, die ich immer mit dabei habe“, erzählte Henjes.

Delitzscher kommt mit Kofferfund

Auch der Delitzscher Detlef Schwuchow wollte wisse, was der Inhalt eines Kofferfundes aus einer Haushaltsauflösung wert ist. „Da waren verschiedene Militariasachen drin. Ein alter Militärpass von einem gewissen Gefreiten Wendt aus Mölbitz. Dazu ein paar Miniorden. Ich habe versucht, dazu die Geschichte zu recherchieren. Die muss sich wohl so um 1864 abgespielt haben, denn von da stammt der Ausweis“, erzählte Schwuchow. Nach genauer Begutachtung kamen Flegel und Henjes zum Ergebnis, dass dieser Fund wohl besser in einem Museum zwischen Eilenburg, Wurzen und Delitzsch aufgehoben wäre. „Das kann man nur als Konvolut veräußern. Ich schätze alles auf rund 250 Euro“, so Henjes.

Museumschef Andreas Flegel (li.) und Antiquitätenexperte Ingo Henjes schauen mit einer Lupe nach den Einstanzungen in einem Walzekruges, um Herkunft und Alter herauszufinden. Quelle: Steffen Brost

Gleich mit drei Exponaten kam die Eilenburgerin Sigrid Petersdorff vorbei. Sie hatte einen alten Walzenkrug, ein Obstbesteck und eine alte Taschenuhr mitgebracht. Die Experten machten sich auf die Suche nach ähnlichen Dingen im Netz. „Der Krug ist schon ziemlich angeschlagen. Er muss wegen des nautischen Motives aus dem Norden sein. Da aber der Preistrend für solche Dinge derzeit nach untern geht, schätze ich den Walzenkrug nur auf ein paar hundert Euro. Ebenso den Besteckkasten. Nur bei der Uhr könnten, wenn sie instand gesetzt würde, bis zu 1000 Euro möglich sein“, sagte Henjes.

Antiquitätenexperte Ingo Henjes und Eilenburgs Museumschef Andreas Flegel erklären Sigrid Petersdorff (v. r.) aus Eilenburg die Herkunft ihres sogenannten Walzenkruges. Quelle: Steffen Brost

Auf den großen Fund hoffte auch der Bad Dübener Raik Zenger. Er wollte den Wert eines Fraktales des verstorben Heidemalers Wolfgang Köppe wissen. Außerdem brachte er noch eine alte Hausbibel vom Kaffee Richter aus dem Jahre 1643 mit. „Die habe ich mal auf einem Trödelmarkt erstanden. Außen ist sie ziemlich hinüber, aber innen noch gut lesbar“, erklärte Zenger. Doch der Antiquitätenhändler musste die Euphorie des Bad Dübeners bremsen. „Wenn sie nahezu unbenutzt wäre und in einem optisch einwandfreien Zustand, kann man dafür auch mal 1000 Euro bekommen. Dieses Exemplar schätze ich aber auf maximal 300 Euro. Bei dem Fraktal gibt es noch keine großen Preisansätze. Man müsste einen Liebhaber dafür finden“, schätzte Henjes ein.

Raik Zenger aus Bad Düben (r.) wollte von Antiquitätenexperte Ingo Henjes und Eilenburgs Museumschef Andreas Flegel wissen, ob die alte Bibel von einem Flohmarkt wertvoll ist. Quelle: Steffen Brost

Von Steffen Brost