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Eilenburg Rückkehr zur Meisterpflicht findet Zustimmung in Nordsachsen
Region Eilenburg Rückkehr zur Meisterpflicht findet Zustimmung in Nordsachsen
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10:51 16.04.2019
Tischlermeister Roman Treiber (48, rechts) aus Eilenburg bespricht mit Tischler Frank Otto einen Auftrag. In der Tischlerei Treiber sind fünf Mitarbeiter beschäftigt. Quelle: Nico Fliegner
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Nordsachsen

Die von der Bundesregierung geplante Rückkehr zur Meisterpflicht in traditionellen Handwerksberufen findet bei der Kreishandwerkerschaft Leipziger Land – Nordsachsen Zustimmung. „Die Qualität der abgelieferten Arbeit dürfte dadurch wieder deutlich besser werden“, sagt Tischlermeister Roman Treiber (48), der in Eilenburg seinen Betrieb führt und zugleich als Kreishandwerksmeister im Vorstand der Kreishandwerkerschaft arbeitet und Obermeister der Innung des Holzhandwerks in Nordsachsen ist. „Man darf natürlich nicht alle über einen Kamm scheren“, schränkt Treiber ein. So gebe es gewiss auch Selbstständige ohne Meisterbrief, die gute Arbeit leisteten. Aber „der Meisterbrief im Handwerk steht nun mal für Qualitätsarbeit“.

Tischlermeister Roman Treiber aus Eilenburg. Der 48-Jährige ist zugleich Kreishandwerksmeister und Obermeister der Innung des Holzhandwerks in Nordsachsen. Quelle: Nico Fliegner

Im Jahr 2004 war unter der damaligen rot-grünen Bundesregierung in 53 von 94 Handwerksberufen die Meisterpflicht weggefallen, etwa für Fliesenleger oder Goldschmiede. Die Politik wollte damit der Massenarbeitslosigkeit begegnen. Die jetzigen Koalitionsfraktionen wollen nunmehr den Meisterbrief stärken und streben eine Rückkehr zur Meisterpflicht in vielen Berufen an. Der Zentralverband des Handwerks dringt bereits seit langem darauf, weil es Marktverzerrungen gebe.

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Kunden im Umkreis von 50 Kilometern

Das sieht auch der Eilenburger Tischlermeister Roman Treiber so, dessen Unternehmen Kunden im Umkreis von 50 Kilometern hat und Möbel für Privat- und Gewerbekunden, Türen und Bauelemente fertigt. „Nehmen wir nur mal den Beruf Fliesenleger, das ist so ein klassisches Beispiel. Als die Meisterpflicht wegfiel, ist die Anzahl der Betriebe gestiegen. Meistens waren es aber Solo-Selbstständige, also Ein-Mann-Firmen“, weiß Treiber. Viele von denen machten nicht mehr als 17 500 Euro Umsatz im Jahr und wurden deshalb von der Umsatzsteuer befreit. So konnten sie Leistungen günstiger anbieten. Und so kam es zu den Marktverzerrungen. Für Treiber zeichnete sich das schon damals ab und die Betriebe meldeten Bedenken an. Gehört wurden sie nicht. Die Befreiung von der Meisterpflicht kam.

Schon neun Lehrlinge ausgebildet

Ein weiteres Problem brachte der Bereich Ausbildung mit sich. „Ausbilden darf nur, wer Meister ist“, erzählt Treiber, der fünf Mitarbeiter beschäftigt und bisher schon neun Lehrlinge ausgebildet hat. Demnach hätten die Meisterpflichtigen für qualifizierten Nachwuchs gesorgt, aber letztlich vielfach nichts davon gehabt, weil die jungen Leute danach in einen anderen Betrieb gewechselt sind. So hatte der Betrieb ohne Meister dann gut ausgebildete Leute aus einem Meisterbetrieb.

Auch die Verbraucher hatten Schwierigkeiten, wenn es um die Gewährleistungsansprüche ging. Die konnten die Betriebe oftmals nicht einhalten, weil sie schnell wieder vom Markt verschwunden waren. So hatte der Kunde das Nachsehen. Zwar kann auch ein Meisterbetrieb pleite gehen, doch im Handwerk ist es weit verbreitet, dass Betriebe, die der Meisterpflicht unterliegen, nachhaltiger wirtschaften. Die Tischlerei Treiber ist das beste Beispiel dafür. Das Unternehmen wurde bereits 1926 in Breslau von Tischlermeister Artur Treiber gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Familie die Stadt verlassen. Zunächst ging es in Lampersdorf bei Oschatz weiter, ab 1955 in Eilenburg. Tischlermeister Roman Artur Treiber übernahm 1980 die Tischlerei von seinem Vater in der zweiten Generation. 1998 erfolgte dann die Übergabe an die dritte Generation, den jetzigen Firmeninhaber Roman Treiber.

Gesetzentwurf angekündigt

Der blickt jetzt gespannt auf die weiteren Entwicklungen in der Politik, die bereits angekündigt hat, im Sommer einen Gesetzentwurf für die Rückkehr zur Meisterpflicht zu erarbeiten. Ziel ist es, dass das Gesetz dann zum 1. Januar 2020 in Kraft tritt. Bei der Rückführung von Gewerken in die Meisterpflicht sollen jedoch bestehende Betriebe in Gewerken, die nicht über einen Meisterbrief verfügen, einen dauerhaften Bestandsschutz haben.

Von Nico Fliegner