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Eilenburg Schwimmhalle Eilenburg: Anfänge abseits der Planwirtschaft
Region Eilenburg Schwimmhalle Eilenburg: Anfänge abseits der Planwirtschaft
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08:09 09.12.2018
Bernd Menzel reichte damals die Entscheidungsvorlage zur Schwimmhalle beim Rat des Kreises ein. Quelle: Wolfgang Sens
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Eilenburg

Die Eilenburger Schwimmhalle wird am 13. Dezember 40 Jahre alt. Sie zählt mit jeweils über 86 000 Besuchern zu den beliebtesten Freizeiteinrichtungen in der Stadt. Aber wie begann 1978 alles, wer war am Aufbau beteiligt, wer wirkte und wirkt heute in der Schwimmhalle und was wird geboten? In einer kleinen Serie wollen wir Ihnen, liebe Leserin und Leser, die Menschen vorstellen, die was zu erzählen haben. Heute: Bernd Mensel (76), der den Antrag auf die Schwimmhalle damals beim Rat des Kreises vorlegte – und zuvor einiges zu regeln hatte.

Entscheidungsvorlage Schwimmhalle

„Ohne mich hätte es die Schwimmhalle nicht gegeben" sag Bernd Mensel, akkurat gekleidet und mit Aktenkoffer in der Hand, heute selbstbewusst. Vorbei an den öffentlichen Bilanzen hat Bernd Mensel die „Entscheidungsvorlage“ für die Schwimmhalle 1975 in den Rat des Kreises eingebracht. Die Vision einer Schwimmhalle in Eilenburg übernahm der Volkswirt allerdings von seinem Vorgänger.

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Die Eilenburger Schwimmhalle ging 1978 an den Start. Die Eröffnung wurde damals groß gefeiert. Hier historische Aufnahmen von damals.

Die Idee, die ambitionierte Eilenburger damals bereits vor Augen hatten: eine Schwimmhalle, baugleich wie jene in Grimma und Torgau ebenso in Eilenburg zu bauen. Einige unternehmerische Geister in Eilenburg waren von dem Projekt Schwimmhalle überzeugt, die DDR- Planwirtschaft sah derlei Volksvergnügen in der Provinz jedoch nicht vor: „So etwas gab es höchstens als SED-Prestigebau im Vorfeld von politischen Großereignissen", erzählt Mensel. „Ein Kreisbauprojekt dieser Größenordnung war nicht denkbar, Eilenburg hatte dafür viel zu wenige Einwohner".

Baugenehmigung nicht in Aussicht

Allen Beteiligten war klar, eine offizielle Baugenehmigung der SED-Regierung würde es für eine Schwimmhalle in Eilenburg nicht geben. Wenn überhaupt, musste sie an den offiziellen planwirtschaftlichen Bilanzen vorbei finanziert werden und das fand nicht bei allen Funktionären Anklang: „Der Vorsitzende des Rates des Kreises hatte schon angekündigt, ein derartiges Projekt nicht zu unterstützen“. Bernd Mensel wusste das, und dennoch erstellte er in akribischer Vorarbeit einen Projektbericht, der das „Wie, Wo und Was genau beantwortete."

Geld von den LPGs

Zuallererst musste Geld beschafft werden. Mensel und seine Genossen taten das schließlich bei den Rücklagen der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) auf: „Wir wussten durch einen Kontakt bei der Bank, dass da Überschüsse der LPGs für Investitionen auf den Konten lagen. Die Vorsitzenden der einzelnen LPGs wurden ins Kreisamt geladen und dann haben wir ihnen erklärt, dass wir das Geld für die Schwimmhalle brauchen", erzählt Mensel heute. Wie freiwillig die LPGs ihre Ersparnisse auf den Konten der Bauernbank schließlich dem Projekt Schwimmhalle überließen, bleibt bei den Ausführungen ein wenig im Unklaren. Die Baupläne von der Schwimmhalle in Grimma dagegen wurden von den Behörden bereitwillig zur Verfügung gestellt, die Materialien von insgesamt über 76 Betrieben abseits der planwirtschaftlichen Vorgaben zuverlässig herangeschafft und verarbeitet.

Sportlehrerstellen vom Kreisschulamt

Wenn die Schwimmhalle erst einmal stand, musste natürlich auch der Betrieb an den Finanzplänen vorbei organisiert werden. Neue Stellen oder Gelder würde es nach den Regeln der Planwirtschaft nicht geben. Also sprach Bernd Mensel mit dem Leiter einer physiotherapeutischen Einrichtung in der Puschkinstraße und überzeugte ihn, mit seinem Personal in die unteren Räume der Schwimmhalle zu ziehen, sobald diese fertiggestellt sei. Mit dem Leiter des Kreisschulamtes verhandelte er über bis dato unbesetzte Sportlehrerstellen, sie wurden zu Badepersonal umkonzeptioniert.

„Dann bau eben deine Schwimmhalle

An einem Sitzungstag Mitte der Siebzigerjahre schließlich legte Bernd Mensel die Entscheidungsvorlage zur Schwimmhalle Eilenburg vor – und war bereit, sich den skeptischen Fragen des Vorsitzenden des Rates des Kreises zu stellen. Mit einer Enthaltung und einer Gegenstimme brachte der Rat des Kreises Eilenburg die Schwimmhalle schließlich auf den Weg. „Dann bau eben deine Schwimmhalle“, soll der Vorsitzende Mensel hinterher geworfen haben: „Aber ich werde das Ganze genau beobachten“.

40 Jahre Schwimmhalle – Aktionswoche

Die Schwimmhalle begeht ihren 40. Geburtstag mit einer Aktionswoche.

Am Samstag, den 15. Dezember, wartet das Hallenpersonal ab 9 Uhr mit einem Saft- und Sektempfang am Beckenrand auf. Ab 10 Uhr werden auch Schwimmhallen-Kollegen von 1978 bis heute zum Gespräch vor Ort sein. Im Anschluss können sich Interessierte um 11 Uhr einer Führung durch die Badewassertechnik anschließen. Diese Führung wird außerdem am Montag, den 10. Dezember, und Mittwoch, den 12. Dezember, jeweils um 11 Uhr und 17 Uhr sowie am Sonntag, den 16. Dezember, um 11 Uhr angeboten. Um Voranmeldung wird gebeten.

Romantisch Gestimmte können von Dienstag bis Donnerstag ab 18 Uhr bei Kerzenschein schwimmen gehen. Am Donnerstag, den 13. Dezember, ist außerdem ab 21 Uhr „Happy Hour“ heißt: freier Eintritt für alle.

Am Sonntag, den 16. Dezember, wird ein Vortrag über „Die Geschichte Badens“ zu hören sein. Die ganze Woche gibt es im Eingangsbereich der Schwimmhalle außerdem eine Ausstellung mit historischen Bildern, Dokumenten und Presseberichten zu sehen.

Mehr Informationen über das Programm gibt es hier.

Bisher erschienen sind in dieser Serie:

Schwimmhallen-Bau: Eilenburger hatte das Kommando

Eilenburgs Schwimmhalle – ein „Schwarzbau“

Jürgen Zwiener erzählt von der Schwimmhalle

Eilenburg: Schwimmhalle kostete vier Millionen DDR-Mark

Kinder lernen in Eilenburg Schwimmen

Von Anna Flora Schade