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Eilenburg Kranhersteller Mechanik Taucha: Russland-Sanktionen haben Jobs gekostet
Region Eilenburg Kranhersteller Mechanik Taucha: Russland-Sanktionen haben Jobs gekostet
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00:49 21.04.2018
Olaf Brauer ist Geschäftsführer bei Taucha Krane / Mechanik Taucha Fördertechnik in Jesewitz. Quelle: Heike Liesaus
Jesewitz

Den Gründungsort trägt der Kranhersteller Mechanik Taucha Fördertechnik im Namen. Seit 1999 werden nun in Jesewitz die Wand-, Säulenschwenk-, Einträger-, Zweiträgerkrane, Kranbahnen hergestellt. Dafür hat sich die Firma auf dem Gewerbegebiet an der B 87 immer wieder erweitert. Nun steht im September der 60. Geburtstag an. Geschäftsführer Olaf Brauer (58) erklärt, warum das trotz des nicht aufholbaren Wegbruchs der Russlandgeschäfte sehr wohl ein Grund zum Feiern ist.

Die Mechanik Taucha hatte in der Vergangenheit schon oft Anlass zum Feiern. Immer wieder wurde eine neue Halle in Betrieb genommen. Zwar gingen die Erwartungen gerade bei den jüngsten Investitionen nicht auf. Doch trotzdem gibt es offenbar mehr Gründe als nur eine runde Zahl, um am 14. September wieder einmal zu feiern?

Es wurden seit 1999 insgesamt fünf Hallen, ein Vertriebshaus und ein Verwaltungskomplex gebaut. Zu unserem 60. Jubiläum wollen wir Gäste aus Politik und Wirtschaft einladen. Das Fest ist vor allem als Dank und Würdigung für unsere Mitarbeiter gedacht. Letztendlich stehen 60 Jahre für Kontinuität und für die Leistungen unserer Mitarbeiter, die teils seit Jahrzehnten dabei sind. Dazu laden wir ehemalige Mitarbeiter ein, die ebenfalls am Erfolg des Unternehmens beigetragen haben.

Als 2014 die letzte neue Halle gebaut wurde, zielte das vor allem auf die Russlandgeschäfte ab.

... welche dann plötzlich wegbrachen. Das machte damals 30 Prozent unseres Geschäfts aus. Bis heute bringen die Sanktionen gegen und aus Russland das Geschäft nicht wieder voll zum Laufen. Wir fordern die Politiker auf, sich an einen Tisch zu setzen, damit die Handelswege wieder geöffnet werden.

Wie konnte das aufgefangen werden?

Das war nicht vollständig auszugleichen. Wir haben es zu circa zehn Prozent geschafft und neue Partner gefunden, die mit uns zusammenarbeiten. Unser Konzept ist, dass wir für Unternehmen, die selbst Krane bauen, Kastenträgerprofile als Zulieferer herstellen.

Sie hatten sich damals auch personell auf die Russland-Geschäfte ausgerichtet.

Wir mussten einen Stellenabbau um zehn Prozent vornehmen. Das waren acht Leute. Aber die Größe der Belegschaft ist auf dem heutigen Level stabil. Und wir sind auf einem guten Weg, wieder mehr umzusetzen. Von knapp 10 Millionen Euro stehen wir nun auf circa 7,8 Millionen Euro. Und wir sind froh, dass wir das, dank der aktiven Mitarbeit der gesamten Belegschaft, geschafft haben. Andere Unternehmen hatten und haben in solchen Situationen weitaus größere Probleme.

Wie war das zu schaffen?

Russland war nur ein Standbein von mehreren. Wir haben andere Bereiche unseres Netzes verstärkt. Die Zusammenarbeit mit Unternehmen in Ungarn, Polen, der Schweiz und Österreich hat das aufgefangen. Wir realisieren den Stahlbau, die Partner komplettieren die Produkte mit ihren Komponenten. Schwierige Jahre gibt es immer, dass heißt nicht, dass sie schlecht sein müssen.

Trotzdem ging mit acht Fachkräften Potenzial. In der heutigen Situation am Fachkräftemarkt werden sich andere Unternehmen gefreut haben.

Es ist in der Tat heutzutage schwierig, Fachkräfte zu finden. Gerade im Bereich Mechatronik suchen wir selbst. Aber wir bilden wieder verstärkt aus. Zudem setzen wir verstärkt auf interne Qualifikationen von Mitarbeitern, um bestimmte Leistungen abdecken zu können. Ein paar Beispiele: Wir qualifizieren einen Schweißfachingenieur, einen Qualitätsmanager und zwei Kransachverständige. Dazu wird ein Mitarbeiter zum Master of Sience ausgebildet. Das alles ist ein langer Weg, der viel persönliches Engagement der Mitarbeiter abfordert. Für uns als Unternehmen kommen bei solchen Qualifizierungen schnell fünfstellige Beträge zusammen.

Bildet Mechanik Taucha Fördertechnik auch Menschen aus, die in Deutschland Asyl haben?

Wir haben einen Mann aus Afghanistan, der als Schweißer arbeitet, und einen Kurden aus dem Irak, der Hilfsarbeiten ausführt. Ob es zukünftig noch weiteres Personal aus anderen Ländern gibt, wird sich zeigen.

Wie kam es dazu?

Das war Eigeninitiative. Wir haben beim Jobcenter nachgefragt, ob eine Vermittlung möglich ist.

Mit welchen Erfahrungen?

Die größte Hürde ist die Sprache, die fürs gemeinsame Arbeiten wichtig ist. Auch die Idee, dass jahrelang gelernt werden muss, um am Ende mit eigenen Händen zu arbeiten, ist schwer zu vermitteln. Es ist auch schwierig, die Asyl- und Schutzsuchenden, die irgendwo in der Region Nordsachsen oder Leipzig wohnen, bei unserer Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr hierher nach Jesewitz zu bringen. Des Weiteren fehlen Grundlagen für die Ausbildungen in der Berufsschule. Wir haben jetzt aber gute Erfahrungen mit Kleinqualifikationen gemacht. Mit einem zweiwöchigen Dreherlehrgang zum Beispiel. Das funktioniert gut und bringt aktuell bessere Effekte als langfristige Ausbildungen.

An welchen Aufträgen arbeiten Sie derzeit?

Bis zum dritten Quartal werden wir Aufträge für die Autoindustrie, insbesondere Wand-und Säulenschwenkkrane als auch spezifizierte Brückenkrane sowie Kranbahnen für unsere Händler bundesweit als auch für das Ausland wie Österreich, Schweiz, Ungarn oder Polen ausliefern. Wir sind damit gut ausgelastet.

Interview: Heike Liesaus

Unter den Titel „Deutschland, Russland und Europa – wie weiter“ gibt es am 24. Mai in Oschatz im Gasthaus „Zum Schwan“ eine gemeinsame Veranstaltung von Auswärtigen Amt und der Leipziger Volkszeitung. Dabei können Interessenten unter anderem mit dem Beauftragten für Osteuropa im Auswärtigen Amt Andreas Peschke ins Gespräch kommen. Ein Thema wird auch die deutsche Russlandpolitik sein. Zahlreiche Firmen aus Nordsachen haben bis heute unter den wirtschaftlichen Folgen der Russlandsanktionen zu leiden. Die Veranstaltung beginnt 19 Uhr. Anmeldungen werden per E-Mail oschatz.redaktion@lvz.de erbeten.

Von Heike Liesaus

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