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Eilenburg Eilenburger Internetversand für Restposten will expandieren
Region Eilenburg Eilenburger Internetversand für Restposten will expandieren
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12:09 26.02.2019
Geordnetes Chaos: In der 12.000 Quadratmeter großen Lagerhalle des Internetversandhandels lagern unzählige Markenartikel. Geschäftsführer sind die Zwillingsbrüder Aleksandr (l.) und Jevgenij Borisenko. Quelle: Pia Siemer
Eilenburg

Jevgenij Borisenko eilt schnellen Schrittes durch die 12.000 Quadratmeter große Lagerhalle im Eilenburger Gewerbegebiet. Unzählige Sportartikel liegen hier in den meterlangen Regalreihen. Zwischen den Regalen laufen Mitarbeiter mit Einkaufswagen herum, sie sammeln einzelne Artikel ein. Borisenko grüßt jeden mit Handschlag. Ordnung gibt es auf den ersten Blick nicht. Fußballschuhe liegen neben Sport T-Shirts der Größe M, die nächste Größe liegt in einem völlig anderen Regal. „Dieses System nennt sich chaotische Lagerhaltung“, erklärt der 29-Jährige. Denn so können keine Verwechslungen beim „Kommissionieren“ entstehen, also beim Einsammeln der Artikel für einen Kunden. Wenn das T-Shirt der Größe L nicht neben dem gleichen Shirt in Größe M liegt, kann es gar nicht aus Versehen eingepackt werden, lautet die Logik dahinter.

Das Geschäftskonzept: Restposten für wenig Geld verkaufen

Alle Artikel in der Lagerhalle haben eines gemeinsam: Sie sind Restposten, meist stammen die Sportartikel aus der letzten Saison. So kann Borisenko ein Fußballtrikot für zehn Euro anbieten. Die Kunden bestellen im Netz und bekommen ihre Lieferung per Paket. Auf dieser Idee beruht das Geschäft von Jevgenij und seinem Zwillingsbruder Aleksandr.

Im Kinderzimmer startete das Unternehmen

Ihr Unternehmergeist wurde aus der Not geboren. Als die zweieiigen Brüder im Grundschulalter waren, zog ihre Familie von Litauen nach Deutschland. Zuerst lebten sie in Suhl, später in Nordrhein-Westfalen. „In NRW war das Leben in den 90ern anders als in Thüringen. Wir wurden von Kindern gehänselt, weil wir uns keine Markenklamotten leisten konnten“, erzählt Jevgenij Borisenko.

Erste Station in Deutschland: Jevgenij (links) und Aleksandr Borisenko ungefähr im Jahr 1999 in Suhl, Thüringen. Später zogen sie mit ihrer Familie in die Nähe von Aachen. Quelle: privat

Für die Brüder war klar, dass sie selbst Geld verdienen mussten, denn Taschengeld bekamen sie keines. Also begannen sie noch im Kinderzimmer, Restposten von Outlet-Stores zum kleinen Preis aufzukaufen und im Internet anzubieten. Das Konzept ging schnell auf.

Drei Umzüge, immer waren die Lagerhallen zu klein

2010 gründeten sie ihr Unternehmen als GmbH, wenig später mieteten sie eine Lagerhalle von 200 Quadratmetern. In wenigen Jahren folgten drei Umzüge, stetig benötigte die Firma mehr Lagerfläche. „Unser größter Fehler war es, von 200 nur auf 500 Quadratmeter zu vergrößern, auch die waren schnell voll“, erzählt Borisenko. Als es Zeit wurde, sich nach einer dauerhaften Bleibe für ihre Sportartikel umzusehen, wurden die Brüder auf die ehemalige Bonbonfabrik Henri in Eilenburg aufmerksam.

Einige Relikte aus der Zeit der Bonbon-Fabrik Henri werden in einer Vitrine vor dem Pausenraum aufbewahrt. Quelle: Pia Siemer

Sie erwarben die leer stehende Immobilie und zogen 2016 ein. Eilenburg liegt strategisch günstig, das DHL-Zentrum in Schkeuditz ist nur 20 Minuten entfernt. Von hier aus erreichen die Pakete normalerweise in 24 Stunden ihre Empfänger in ganz Deutschland.

Angekommen in Eilenburg

Neun Mitarbeiter aus Nordrhein-Westfalen folgten den Geschwistern nach Eilenburg. „Das war ein enormer Vertrauensbeweis für uns“, erzählt der 29-jährige Jevgenij. Auch zwei Mitarbeiter aus der Henri-Zeit sind noch im Unternehmen, denn die kennen die Lagerhalle am besten. Jevgenij wohnt in Eilenburg, sein Bruder Aleksandr in Leipzig. Sie fühlen sich angekommen in der Region, sagen beide. Dennoch haben sich die Unternehmer entschieden, mit ihrer Marke den Fußballverein SG Wattenscheid aus dem Ruhrgebiet zu fördern, statt einem Club aus der Region. Die Brüder nennen es ein „attraktives Engagement“.

Insgesamt beschäftigen die Zwillingsbrüder 76 Mitarbeiter, viele stammen aus Eilenburg. Die Mitarbeiter sind jung, der Lagerleiter flitzt mit einem Tretroller durch die große Halle. Auch die wird jetzt schon wieder ein wenig eng für die Expansionspläne der Brüder, die im Vorjahr 23 Millionen Euro Umsatz mit gemacht haben. Sie verschicken weltweit Sportartikel, sind in Frankreich aktiv und haben sich bereits Internetdomains für Italien und Polen gesichert.

Blick auf die Lagerhalle von SportsSpar, der Schriftzug von Henri steht noch dran. Langsam werden die 12.000 Quadratmeter Lagerfläche zu klein für das aufstrebende Unternehmen. Quelle: Wolfgang Sens

Zwillingsbrüder warten Brexit ab

Den Bauantrag für eine weitere Halle auf der angrenzenden Wiese haben sie schon eingereicht. Doch die politische Lage in Europa lässt sie noch zögern. „Wir warten den Brexit ab, weil wir mit ein paar britischen Marken und Zulieferern arbeiten“, sagt Borisenko. Er beobachtet die Entwicklungen in Großbritannien genau. Was es für Sportspar bedeutet, sollte es zu einem harten Brexit kommen, weiß er dennoch nicht. „Die Pläne liegen erstmal in der Schublade.“ Eines steht aber jetzt schon fest: Noch einen Umzug soll es nicht geben.

Von Pia Siemer

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