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Eilenburg Umstrittene Edeka-Ansiedlung: Das sagt der Tourismus- und Gewerbeverein
Region Eilenburg Umstrittene Edeka-Ansiedlung: Das sagt der Tourismus- und Gewerbeverein
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09:28 10.08.2019
Holger Millemann (51), Vorsitzender des Tourismus- und Gewerbevereins Eilenburg. Quelle: Nico Fliegner
Eilenburg

Der Tourismus- und Gewerbeverein der Stadt Eilenburg tritt vor allem durch seine regelmäßig stattfindenden Stammtische in Erscheinung. Aber was beschäftigt den Verein mit seinen 39 Mitgliedern darüber hinaus und wie steht er zu aktuellen Themen wie die umstrittene Ansiedlung eines Edeka-Centers in Eilenburg? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt der Vereinsvorsitzende Holger Millemann (51) im LVZ-Interview.

Herr Millemann, ein unter den Eilenburgern derzeit viel diskutiertes Thema ist die geplante Edeka-Ansiedlung im Zentrum und die neueste Meldung, wonach Kaufland in die ehemalige Marktkauf-Immobilie ziehen will. Welche Position hat der Tourismus- und Gewerbeverein dazu?

Das Problem ist, dass wir nicht alle Hintergründe kennen. Niemand weiß, was ist wahr und was ist einfach mal so dahergesagt. Das macht es schwierig. Meine persönliche Meinung ist, dass am Ende der Konsument entscheidet, wo er hingeht. Natürlich ist Eilenburg nicht die Stadt, in der vermutlich zwei so große Geschäfte gut funktionieren.

Die Stadtverwaltung will nur noch einen Standort – den an der Ziegelstraße mit einem Edeka-Center.

Ich bin, was den richtigen Standort angeht, immer hin- und hergerissen. Für mich gibt es genauso viele Argumente wie auch Gegenargumente, und das auf beiden Seiten. Ich erkenne, dass die Immobilie ehemals Marktkauf schon sehr lange leer steht, dass es eigentlich ein schönes Gebäude ist, wo wir Parkplätze haben, wo wir gut hinfahren können. Der Baumarkt ist schon da. Platz ohne Ende. Jetzt steht sich das Gebäude kaputt und leer. Es wäre schade darum. Auf der anderen Seite liegt mir am Herzen, dass die Innenstadt belebt wird. Dafür spricht die Edeka-Ansiedlung im Zentrum.

Hat sich der Tourismus- und Gewerbeverein an den Verfahren zu beiden Standorten, die gegenwärtig laufen, beteiligt?

Wir haben keine Position bezogen, uns aber in Vorstandssitzungen darüber unterhalten. Aber da geht es immer um subjektive Meinungen. Deshalb haben wir uns zurückgehalten. Auch deswegen, weil unsere Mitglieder überwiegend Leute sind, die Gaststätten und Pensionen betreiben, noch ganz wenige aus dem Handel und Dienstleistungsbereich sind darunter. Die Masse unserer Mitglieder kommt also nicht direkt mit dem Thema in Berührung.

Mit welchen Themen beschäftigt sich der Tourismus- und Gewerbeverein?

Immer aktuell ist die Mitgliederakquise. Wir wollen als Verein größer und gestärkt in der Stadt wahrgenommen werden. Das ist relativ schwierig. Wir werden zwar wahrgenommen, auch durch unsere Veranstaltungen. Aber es ist noch nicht so, dass wir deswegen einen Riesenzulauf haben. Wir müssen auf die Gewerbetreibenden zugehen und mit ihnen sprechen und Betreuungsarbeit leisten. Ein anderes wichtiges Thema, das uns umtreibt, ist der Fachkräftemangel.

Davon sind ja so ziemlich alle Branchen betroffen, welche besonders in Eilenburg?

Es gibt sehr viel Bedarf an Pflegekräften, was damit zusammenhängt, dass es sehr viele ansässige Pflegeheime gibt. Ganz sicher gibt es den Fachkräftemangel aber auch im Bereich Gastronomie. Da versuchen wir zu unterstützen.

Wie sieht das konkret aus?

Wir planen derzeit eine größere Aktion, die über einen längeren Zeitraum gehen soll. Bei der Initiative ,Mittelstand im ganzen Land’ gibt es verschiedene Angebote, wie man als Verein bestimmte Strategien entwickeln kann, um eben Fachkräfte zu halten und zu generieren. Das wollen wir als Tourismus- und Gewerbeverein in Zusammenarbeit mit dem Autohaus Damm machen und weitere Firmen einbinden. Ziel ist es, die Schulen anzusprechen und den Rückkehrertag, den es ja schon gibt, stärker zu nutzen. Wir wollen proaktiv an die Sache gehen. Die Firmen dürfen wegen des Fachkräftemangels ihre Qualitätsansprüche ans Personal nicht runterschrauben, sondern müssen der Jugend zeigen, dass sie hier in Eilenburg gute Job-Möglichkeiten haben.

Ihr Verein beschäftigt sich mit Tourismus und Gewerbe. Gibt es bezüglich des Tourismus in Eilenburg nicht noch viel Luft nach oben?

Die Kultur von Leipzig können wir mit nutzen und vermarkten, weil wir durch den S-Bahn-Anschluss im Speckgürtel liegen. Damit haben wir die Möglichkeit, dem Gast in Eilenburg, der hier die Naherholung sucht, zu sagen, dass er in einer halben Stunde in Leipzig ist und dort ein vielfältiges Angebot vorfindet. Das ist die eine Schiene. Die andere: Eilenburg bietet für den Tagestourismus durchaus einiges: Ich denke da an die Angebote von Burgverein und Tierpark oder sehe den Kiessee. Gerade hierher kommen auch viele Leipziger, die hier einfach schwimmen gehen oder am Wochenende campen.

Apropos campen. Es gibt ein paar Pensionen in der Stadt. Das war es aber auch schon.

Die Pensionen sind alle gut ausgebucht. Aus meiner Sicht fehlt in Eilenburg ein Hotel. Ein Kleinsthotel würde sich schon lohnen, aber da fehlen die Investoren im Moment.

Da kommt mir das verwaiste Amtshaus auf dem Burgberg in den Sinn. Die Stadt will es verkaufen. Da könnte man doch ein Hotel draus machen, oder?

Das wäre eine Möglichkeit. Ich glaube schon, da gibt es einen Markt. So ein Kleinsthotel würde die Stadt gut verkraften. Man muss sich aber auch selbst immer wieder updaten. Der Gast will alles auf dem neuesten Stand vorfinden. So völlig nostalgische Einrichtungen funktionieren nicht mehr. Dafür ist auch Leipzig zu modern geworden. Da müssen wir uns anpassen. Die jetzt in Eilenburg neu eröffnet haben, bekommen das gut hin.

Schwenken wir mal zum Bereich Handel. In welcher Verfassung sind die Händler in Eilenburg?

Wir haben neben dem Fachkräftemangel auch ein Nachwuchsproblem in den Familienbetrieben. Deshalb macht der eine oder andere auch zu, selbst wenn Kinder da sind. Die haben oftmals ganz andere Lebenspläne.

Leidet der Eilenburger Handel durch die Nähe zu Leipzig?

Der Online-Handel ist eher das Problem. Die Leute kaufen verstärkt im Internet. Ein Nachteil oder weshalb die Stadt an Attraktivität verliert, ist vielleicht auch die Optik, die mir persönlich nicht so gefällt. Der Marktplatz ist schön geworden, aber die Leipziger Straße ist zu unruhig, zu schnell. In Delitzsch oder auch in Grimma ist alles ein bisschen beschaulicher. Eilenburg ist immer hektisch. Wenn die Leute beispielsweise von der Sparkasse auf die andere Straßenseite wollen, nutzen sie nicht die Ampel, sondern rennen rüber, weil schon Autos in Sichtweite sind. Dieses Flanieren oder das Café, wo man einfach mal gemütlich sitzen kann, das fehlt.

Ideen entwickelt man am besten in der Gruppe. Brauchen Sie noch Leute mit Ideen?

Ja, immer. Und bei unseren Stammtischen kommen wir auch gut voran. Erst zuletzt haben wir uns mit dem diesjährigen Stadtfest beschäftigt. Das war eine gute Feedbackrunde.

Zu welcher Erkenntnis sind Sie gekommen?

Eine Sache, die bemängelt wurde, war der Sicherheitsdienst. Da muss man künftig auf mehr Qualität achten. Thema war auch ein Riesenrad, das soll künftig integriert werden. Der Stammtisch hat zeigt: Er ist eine gute Plattform, wo man sich als Händler oder auch Veranstalter erklären, aber auch mitdiskutieren kann.

In Eilenburg gibt es eine sogenannte Hashtag-Gruppe. Was hat es damit auf sich?

Die ist zum Beispiel auch aus einem Stammtisch hervorgegangen und wird von dem Eilenburger Unternehmensberater Sven Lehmann geleitet. Wir treffen uns jede Woche einmal. Dabei geht es darum, wie man den Hashtag richtig anwendet (Ein Hashtag ist ein mit Doppelkreuz versehenes Schlagwort, das dazu dient, Nachrichten mit bestimmten Inhalten in sozialen Netzwerken im Internet auffindbar zu machen, Anm. d. Red.). Wichtig ist aber nicht nur der Hashtag, sondern das Netzwerk, das sich gebildet hat. Wir sind sechs Leute, haben uns anfangs immer im Strandhotel getroffen und gehen jetzt in die Betriebe. Das hat sich gut entwickelt und dabei entstehen tolle Ideen.

Das müsste doch viele weitere Selbstständige motivieren, Mitglied im Tourismus- und Gewerbeverein zu werden?

Das ist mein Wunsch. Aber ich weiß, das ist schwer, besonders die Mitarbeit in Arbeitsgruppen, weil das immer mit Zeit verbunden ist. Aber man kann davon auch viel mitnehmen für den eigenen Betrieb.

Von Nico Fliegner

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