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Eilenburg Firma sucht alte Henri-Bonbon-Rezepturen aus Eilenburg
Region Eilenburg Firma sucht alte Henri-Bonbon-Rezepturen aus Eilenburg
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00:22 21.07.2018
Museumsleiter Andreas Flegel sucht im Wohnzimmer im 1960er-Jahre Stil in der alten Henri-Dose vergebens nach Bonbons. Diese müssen erst neu produziert werden.
Museumsleiter Andreas Flegel sucht im Wohnzimmer im 1960er-Jahre Stil in der alten Henri-Dose vergebens nach Bonbons. Diese müssen erst neu produziert werden. Quelle: Ilka Fischer
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Eilenburg

Die Zeiten, in denen täglich Lutscher, Bonbons, Toffees oder Kaubonbons in verschiedenen Geschmacksrichtungen aus Eilenburg in die große weite Welt geliefert wurden, sind seit 2012 vorbei. Damals stellte das Henri-Werk auf dem Eilenburger Schanzberg seine Produktion ein. Doch Henri-Bonbons gibt es noch, auch wenn sie nicht mehr in der Muldestadt produziert werden.

Firma besitzt Markenrechte

Die Köthener Firma Industrial Sweet Trading hatte damals die Markenrechte gekauft und vertreibt Henri Bonbons nun im Internet als „echten Ostalgie-Klassiker“. Offensichtlich mit Erfolg. Das Unternehmen in Sachsen-Anhalt, von dem aus urlaubstechnischen Gründen derzeit keine näheren Auskünfte zu bekommen sind, möchte seine Produktpallette jedenfalls weiter ausbauen und die Marke wieder ins gehobene Segment führen – und das möglichst originalgetreu. Insbesondere Henze/Henri Knickebein Bonbons, Henri Milch-Bonbons mit Erdbeere gefüllt, Milchbonbons mit Honigfüllung, Original Henze Milchbienen und die mit Milch-Nusskrokant-Füllung haben die Süßigkeits-Experten im Blick.

Auf der Suche nach möglichst nachvollziehbaren Rezepturen wandte sich das Unternehmen an das Eilenburger Museum. Da sich dort keine Rezepte fanden, startet dieses einen öffentlichen Aufruf. Das Engagement begründet Museums-Chef Andreas Flegel auch damit, dass „Eilenburger Bonbons der verschiedenen Geschmacksrichtungen schließlich einst in aller Munde waren“. Nach 1990 seien dann aber leider viele Rezepte verloren gegangen.

Mit solchen Postkarten wurden einst die Henri-Bonbons beworben. Quelle: Ilka Fischer

Doch vielleicht, so die Hoffnung, erinnere sich der eine oder andere Eilenburger noch an das eine oder andere beziehungsweise finde Aufzeichnungen davon. Das könnte sich nicht nur wegen der in Aussicht gestellten Prämie, sondern auch geschmacklich lohnen. Denn eine Reise in die Eilenburger Vergangenheit könnte dann auch über süße Bonbonpfade führen.

Alte Tradition bewahren

Dass die süße Kindheitserinnerung des Urgroßvaters auch den Geschmack der Urenkelin trifft, das Köthener Unternehmen Industrial Sweet Trading scheint davon überzeugt. Für seine Henri-Bonbons wirbt es jedenfalls mit dem Spruch: „Nicht immer muss das Neueste auch das Beste sein“. Die Firma selbst stellt sich auf der Homepage als mittelständisches Familienunternehmen vor, für das inzwischen fast 20 internationale Hersteller produzieren. Klappt es mit den Original Eilenburger Bonbons, knüpft das gerade mal etwas über 20 Jahre alte Köthener Unternehmen dann noch viel stärker als bisher an eine viel längere Eilenburger Tradition an.

Solche Henze-Bonbongläser standen einst in vielen Kaufmannsläden. Quelle: Ilka Fischer

Denn bereits 1903 hatten Arthur Henze und Martin Friedrich das Süßwaren-Unternehmen auf dem Berg in Eilenburg gegründet. Etwa 50 Beschäftigte hatte das Bonbons produzierende Unternehmen 1914, dreimal so viel waren es 1930. Seit dem 29. August 1922 firmierte der Betrieb als Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik Henze AG. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Firma enteignet. Als VVB/VEB Süßwaren bestand der Betrieb aber weiter. Der Markenname änderte sich mit dem Austausch zweier Buchstaben von Henze zu Henri.

Fabrik-Aus kam 2012

Mit der Wende übernahm dann der Storck-Konzern das traditionsreiche Unternehmen, wohl ohne langfristige Ambitionen für den Eilenburger Standort zu hegen. Im November 1991 erwarb das Familienunternehmen Hirsch aus den alten Bundesländern die Firma. Neuer Firmensitz wurde später das Gewerbegebiet Schanzberg. 150 Artikel verließen zu Spitzenzeiten das Eilenburger Werk in 50 Länder der Erde bis Nepal, Korea oder Japan. In Deutschland zählten sämtliche große Handelsketten zum Kundenkreis.

2012, nach Ablauf der zehnjährigen Fördermittelbindung, stellte die Henri Süßwaren GmbH ihren Betrieb in Eilenburg ein, 50 Mitarbeiter verloren ihre Arbeit. Damit ging eine fast 110-jährige Firmentradition zu Ende.

Wer dem Köthener Unternehmen helfen kann, wird gebeten, sich mit den Mitstreitern im Stadtmuseum in Verbindung zu setzen unter Telefon 03423 652222.

Von Kathrin Kabelitz und Ilka Fischer