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Eilenburg Was Eilenburger Müll für Geschichten erzählt
Region Eilenburg Was Eilenburger Müll für Geschichten erzählt
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18:32 17.04.2019
Ergebnis der Müllsammelaktion auf der Schmetterlingswiese in Eilenburg Ost.
Ergebnis der Müllsammelaktion auf der Schmetterlingswiese in Eilenburg Ost. Quelle: N. Schneider
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Eilenburg

Als Mitarbeiter der Stadtverwaltung Eilenburg in der letzten Woche fleißig Müll gesammelt haben, wollte sich die Eilenburgerin Nora Petzold eigentlich anschließen. „Das war aber aus versicherungstechnischen Gründen nicht möglich. Deshalb habe ich gemeinsam mit ein paar Freunden eine eigene kleine Müllsammelaktion initiiert.“ Beräumt wurden die Schmetterlingswiese des Landschaftspflegeverbandes in Eilenburg-Ost (hinter Norma) sowie ein Stück Feldflur am Mörtitzer Kiessee. „Mitgeholfen haben vier Leute aus dem Eilenburger Umland. Neben Unmengen Plastikverpackungen, Glas und vielen achtlos weggeworfenen Kippenschachteln wurden unzählige Überreste von Silvesterknallern gefunden sowie immer wieder Kondome und Damenhygiene-Artikel“, so Nora Petzold. Mit der Stadtverwaltung sei vereinbart worden, dass diese die Säcke abholen lässt.

Wenn Müll Geschichte erzählen könnte

Angesichts der Fundstücke hat sich die Eilenburgerin ihre ganz eigenen Gedanken gemacht, was der Müll so an Geschichten über seine „Vorbesitzer“ erzählen könnte:

Auf einem Trampelpfad vom Getränkemarkt bis zum Neubaublock „Am Regenbogen“ wurden über 100 Pfeffi-Schnapsflaschen, alle die selbe Marke, gefunden. Man konnte also anhand der Flaschen genau den Weg zurückverfolgen, den diese Person offensichtlich regelmäßig betrunken zurücklegt.

Ein Stück Schmetterlingswiese war total platt gefahren, weil dort regelmäßig ein BMW parkt. Drum herum wurden alle Sorten von Fast-Food-Verpackungen und Energy-Drink-Dosen gefunden.

Offensichtlich war auch, dass die wildwestlich anmutende Müll-Lagerung der Anwohner der Mozartstraße dazu führt, dass beim kleinsten Windstoß dieser Müll in die direkt daneben liegende Schmetterlingswiese flattert.

Am Kies-See fanden die Sammler zwei ganz „frische“ Müllsäcke von einer offensichtlich weiblichen Person. „Auch diese Frau hinterlässt eine klare Eigenmarke: stark geschminkt, schluckt Kortison-Tabletten, hält Katzen und hat von ordnungsgemäßer Mülltrennung und Müllentsorgung noch nie etwas gehört“, so Nora Petzold.

Am See werden offensichtlich auch regelmäßig nächtliche Partys mit Lagerfeuer gefeiert. Jedes Wochenende findet man dann die Überreste von Einweg-Grills, Wurstverpackungen, Kippenschachteln sowie vielen (Pfand!-)Flaschen und Glasscherben im beziehungsweise am Wasser.

Anwohner wollen erst nicht mitmachen, dann aber offenbar doch

Anwohner, so musste Nora Petzold zunächst konstatieren, „konnten wir leider nicht zum Mitmachen bewegen, im Gegenteil, von einer Anwohnerin wurden wir sogar beschimpft.“ Am Ende gab es dann aber doch noch eine kleine Überraschung: „Ich habe dann gesehen, dass Anwohner noch einen weiteren Sack Müll gesammelt haben und mit dazu gestellt haben. Das freut mich, da war ich wohl etwas zu pessimistisch.“

Von kathrin Kabelitz