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Eilenburg 13 Hochlandrinder schützen die Wölperner Torfwiesen
Region Eilenburg 13 Hochlandrinder schützen die Wölperner Torfwiesen
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13:22 14.02.2019
Linda Schöttge und ihre Schottischen Hochlandrinder Quelle: Wolfgang Sens
Wedelwitz

Als Linda Schöttge an einem kalten Sonntagnachmittag mal wieder ihre „Mädchen“ besuchen fuhr, stellte sie überrascht fest, dass es in der Nacht zuvor Nachwuchs gegeben hatte. Ihre Mädchen, das sind dreizehn weibliche Schottische Hochlandrinder, die auf den Wölperner Torfwiesen nahe Wedelwitz leben. Wer mit der Bahn zwischen Eilenburg und Leipzig verkehrt, kann ihr rot-blondes Fell manchmal zwischen den Bäumen erspähen.

Dreizehn Schottische Hochlandrinder, auch Highland Cattle genannt, leben auf den Wölperner Torfwiesen. Trotz ihrer beeindruckenden Statur sind die Tiere äußerst gutmütig. Mit einem Stück trockenem Brot lassen sie sich von Landschaftspflegerin Linda Schöttge auch mal aus der Hand füttern.

Die gutmütigen Tiere passen auf ihren Nachwuchs auf

An diesem Sonntag aber waren aus den 13 Kühen 14 geworden. Sechs Tiere aus der Herde sind trächtig, aber dass ausgerechnet ihre Lieblingskuh Hexe als erste ein Kalb zur Welt bringt, hätte Schöttge nicht gedacht. Hexe ist eine schöne Kuh, die mit ihrem wuscheligen schwarzen Fell neben den anderen roten Tieren aus der Herde hervorsticht.

Schottische Hochlandrinder sind gutmütige Rinder, die verhältnismäßig klein bleiben. Sie zeichnen sich vor allem durch ihre robuste Art und ihr flauschiges, dichtes Fell aus. Die Tiere, die ihrem Namen nach aus dem hohen Norden Großbritanniens stammen, gehören zwar zu den ältesten Hausrindrassen, bleiben Menschen gegenüber aber immer ein bisschen scheu. Vor allem auf ihren Nachwuchs geben sie genau acht und reagieren schnell besorgt, wenn Menschen dem Kalb zu nahe kommen. Aber Hexe und Linda Schöttge sind bereits ein eingespieltes Team. Die Kuhmutter ließ die Landschaftspflegerin an ihr Kleines heran, gleich in den ersten Tagen konnte Schöttge das Kalb untersuchen und mit Ohrmarken versehen.

„Ich liebe die Tiere“, sagt Schöttge, als sie ein paar Tage nach der Geburt des Kalbes auf die vereiste Weide und ihre „Mädchen“ schaut. Seit drei Jahren bereits steht die Herde in ihrer Obhut. Nach dem Studium der Agrarwissenschaften nahm die 28-Jährige eine Stelle als Landschaftspflegerin beim Naturschutzbund (Nabu) Sachsen an. Auch die Tiere sind Teil der Landschaftspflege. „Die Rinder halten das Gras auf den Weiden kurz“, erklärt Schöttge.

Der Nabu Sachsen unterhält neben der Gruppe auf den Wölperner Torfwiesen noch zwei weitere Herden, eine davon an der Kulkwitzer Lache und die andere am Grabschützer See. Insgesamt kümmern Schöttge und ihre Mitarbeiter sich so um 40 Rinder und 45 Schafe.

Die Tiere schützen die Natur, indem sie das Gras kurz halten

Die Tiere helfen in Naturschutzgebieten wie den Wölperner Torfwiesen, bedrohte Pflanzenarten zu erhalten. Denn hier wachsen einige Seltenheiten wie die Trollblume, die Prachtnelke und verschiedene Orchideen. Da die Torfwiesen einen relativ feuchten Boden aufweisen, können Gräser und Farne hier sehr gut gedeihen. Dadurch aber haben die seltenen Pflanzenarten nur wenig Platz, um sich zu entwickeln. „Die Rinder halten beim Grasen die Wiese kurz genug, damit die bedrohten Arten genug Platz haben und Licht bekommen“, erklärt Schöttge. Natürlich unterscheiden die Tiere nicht zwischen unliebsamem Farn und bedrohter Trollblume. Es werden daher, je nach Blütezeit, bestimmte Areale der Wiese abgesteckt, auf denen die Tiere dann grasen können.

Vor allem jetzt, in der kalten Jahreszeit, können die Schottischen Hochlandrinder aber nicht von dem leben, was auf der Weide wächst. Daher wird Heu, das im Sommer geerntet und eingelagert wurde, zugefüttert. „Die Tiere leben also trotzdem ausschließlich von dem, was wir hier erwirtschaften“, erklärt Schöttge. Als besonderes Leckerli gibt es manchmal trockene Brötchen – das wirke ähnlich wie ein Stück Schokolade bei Menschen. Das Brot benutzt die Pflegerin auch, um die Tiere anzulocken und mit ihnen in Kontakt zu treten. „Freundschaften muss man schließlich pflegen“, sagt sie mit einem Lachen.

Kalb und Mutter überwintern problemlos draußen

Auch um die Fortpflanzung wird sich beim Nabu gekümmert. Die Kühe werden dafür nicht künstlich besamt, sondern es kommt zum sogenannten „Natursprung“. Ganzjährig steht ein Zuchtbulle bei den Mutterkühen. Der Rest passiert dann ganz von alleine. Irgendwann zeichnet sich bei einigen Kühen eine dicke Kugel unter dem flauschigen Fell ab. Das Kalben geht den Kühen ganz leicht von der Hand, so wie im Fall von Hexe. In der Nacht oder in den frühen Morgenstunden gebären sie ihren Nachwuchs und benötigen dabei keine Hilfe. Sie sind robuste Tiere, die auch rauem Klima standhalten.

Daher können die Schottischen Hochlandrinder problemfrei draußen überwintern. Auch dem neugeborenen Kalb von Hexe macht der Frost nichts aus, es sucht sich einfach eine windstille Ecke im Gebüsch. Das dicke Fell schützt die Rinder vor den eisigsten Temperaturen. Manchmal ist der Rücken der Tiere ganz eingefroren an kalten Wintermorgen – davon würden die Tiere aber gar nicht viel merken, erklärt die Landschaftspflegerin. Im Sommer wird es ihnen dann umgekehrt eher zu warm. Wenn möglich gehen die Hochlandrinder in Seen und Gewässern baden.

Das Fleisch der Rinder wird verkauft

Nicht alle Kälbchen, die geboren werden, finden dauerhaft einen Platz in der Herde. Um eine Überpopulation zu vermeiden, werden jedes Jahr zwei bis fünf Bullen geschlachtet. Linda Schöttge begleitet ihre Tiere auch dann auf dem letzten Weg zum Schlachter. „Schön finde ich das natürlich nicht, aber es ist notwendig“, sagt sie. Sie bleibt bis zum Eintreten des Todes bei den Tieren – das sieht sie als Teil ihrer Verantwortung. Sie hat allerdings kein Problem damit, dass Fleisch auch selbst zu essen. „Von der Geburt bis zum Tod war ich bei den Tieren und weiß, dass sie wirklich gut gelebt haben“, sagt Schöttge.

Wer sich dafür interessiert, Fleisch der Schottischen Hochlandrinder des Nabu Sachsen zu erwerben, kann sich per Mail bei Linda Schöttge voranmelden. Ihre Mailadresse lautet schoettge@nabu-sachsen.de.

Von Pia Siemer

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