Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Eilenburg Wie Eilenburger die alte deutsche Schrift Sütterlin lernen
Region Eilenburg Wie Eilenburger die alte deutsche Schrift Sütterlin lernen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:15 21.03.2019
Andreas Flegel, gelernte Archivar und studierter Museologe, bringt Kursteilnehmern die Sütterlin-Schrift näher und hilft ihnen, mehr über die Ursprünge ihrer Familien zu erfahren. Quelle: Maria Sandig
Anzeige
Eilenburg

Andreas Flegel ist gelernter Archivar und studierter Museologe. Seit vielen Jahren bietet er in der Volkshochschule in Eilenburg einen Kurs zur Ahnenforschung und zum Erlernen der deutschen Schrift Sütterlin an. Vor kurzem ist der Kurs erneut gestartet.

Anzeige

Es ist Dienstag, 18 Uhr. Sieben Teilnehmer drücken heute und in der kommenden Woche die Schulbank, um mehr über die Wurzeln ihrer Familien zu erfahren. Der Kurs ist ausgebucht. Andreas Flegel klärt die Kursteilnehmer auf: Heute wird das Alphabet gepaukt. Das Sütterlin-Alphabet – in dem runde Schnörkel in klare Linien münden und bauchige Zeichen neben kantigen Zacken stehen.

Ahnenforschung Eilenburg Quelle: Maria Sandig

Die akkurate Gestaltung hat einen Grund: Als Grafiker Ludwig Sütterlin die Handschrift 1911 entwickelte, gab es sehr unterschiedliche Schriftarten. Das Schreibenlernen gestaltete sich dementsprechend schwierig. An den Schulen der Weimarer Republik verbreitete sich die schlichte, kinderfreundliche Handschrift, bis sie 1941 von den Nationalsozialisten verboten wurde.

Am 20. November 1917 starb ihr Erfinder Ludwig Sütterlin. In der heutigen Zeit ist sie fast in Vergessenheit geraten, kaum einer kann Schriftstücke in Sütterlin in die heutige Schrift übertragen.

Schreibversuche beim Sütterlin-Kurs in Eilenburg. Quelle: Maria Sandig

Fast. Heute sind sieben Menschen aus Nordsachsen da, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Und, um sich eingestaubten Tagebüchern und schwer zu entziffernden Rezeptsammlungen zu widmen.

Grundlage der Ahnenforschung

Kursleiter Andreas Flegel ist sich sicher: Das Erlernen dieser Schrift ist die Grundlage für die heutige Ahnenforschung in Deutschland. „Das Kennenlernen anderer deutscher Schriften und praktische Übungen gehören dazu. Aus der Sütterlin-Schrift leitet sich sehr viel ab“, sagt er.

„Denn ohne deren Kenntnis bleiben für den Genealogen die historischen Dokumente zumeist ein Brief mit sieben Siegeln.“ Auch erfahren die Teilnehmer während der sechs Doppelstunden, wo sie Quellen zur Erforschung ihrer Familiengeschichte finden.

Blick ins Heft beim Sütterlin-Kurs in Eilenburg. Quelle: Maria Sandig

Heidi Sube, 53, aus Doberschütz verfolgt heute zum zweiten Mal den Kurs von Andreas Flegel. Ihre Kenntnisse aus dem ersten VHS-Kurs hätten sie weitergebracht, nun wolle sie diese vertiefen. „Ich habe vieles über meine Familie aus Kirchenbüchern herausgefunden“, sagt sie.

Schriftstücke aus dem Nachlass ihrer Angehörigen, etwa Ansichtskarten oder Familienbücher, ergänzen ihre Forschungen. „Ich konnte bis 1700 zurückgehen – ganze sechs Generationen“, sagt Heidi Sube. Einen Stammbaum hat sie längst erstellt. Die Ahnenforschung ist für die 53-Jährige mittlerweile ein Hobby – „es macht einfach richtig viel Spaß.“

Historische Dokumente nicht wegwerfen

Heidi Suber rät, alte Dokumente von verstorbenen Angehörigen aufzuheben. „So etwas sollte nicht weggeworfen werden. Vor 20 Jahren hat es mich natürlich auch nicht interessiert. Wenn das Alter voranschreitet, verschieben sich die Interessen.“ Ihr Tipp: Historische Dokumente lieber in Museen abgeben und alte Bücher an Bibliotheken spenden, bevor sie im Müll landen.

Von Maria Sandig