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Eilenburg Wie ist es um die Pflege in Nordsachen bestellt?
Region Eilenburg Wie ist es um die Pflege in Nordsachen bestellt?
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14:00 21.04.2019
Staatssekretärin Regina Kraushaar im Austausch zum Thema Pflege auf der zwölften Ausgabe der landesweiten Dialogreihe im Berufsschulzentrum Eilenburg.
Staatssekretärin Regina Kraushaar im Austausch zum Thema Pflege auf der zwölften Ausgabe der landesweiten Dialogreihe im Berufsschulzentrum Eilenburg. Quelle: Wolfgang Sens
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Rote Jahne

Mehr als 8500 Menschen in Nordsachsen sind pflegebedürftig. Diese Zahl wird weiter steigen. Womit sich die Fragen stellen: Ist der Landkreis überhaupt darauf vorbereitet? Und wie ist es generell um die Pflege in Nordsachsen bestellt? Die Antworten gab Landkreis-Dezernentin Heike Schmidt kürzlich bei der Veranstaltung Pflegedialog im Berufsschulzentrum Eilenburg im Doberschützer Ortsteil Rote Jahne. Dorthin waren auf Einladung des sächsischen Sozialministeriums rund 40 Vertreter von Wohlfahrtsverbänden, Pflegeheimen und Krankenkassen gekommen, um über die Situation in der Pflege zu sprechen.

Nordsachsen nimmt Vorreiterrolle ein

Der Landkreis Nordsachsen nimmt diesbezüglich durchaus eine Vorreiterrolle ein. Seit 2013 wird ein Konzept schrittweise umgesetzt, das auf Pflegebedürftige fokussiert ist. Alles begann mit einer Befragung von 1000 Nordsachsen zu dem Thema. Der Tenor war eindeutig: Die meisten wollen „selbstbestimmt leben bis ins hohe Alter“ – und das am liebsten in ihrem Zuhause.

Viele Angebote für ältere Menschen

Wie Dezernentin Schmidt erläuterte, wurden verschiedene Angebote genau auf diesen Wunsch der breiten Bevölkerung aufgebaut – Stichwort Alltagsbegleiter oder Nachbarschaftshelfer. Mit dem Bürgerbus in Arzberg bei Torgau gebe es ein speziell auf die ältere Bevölkerung abgestimmtes Mobilitätsangebot. Außerdem gibt es ein Expertennetzwerk, das die Menschen zum Thema barrierefreies Wohnen berät. Als nächstes, so kündigte die Dezernentin an, gehe es auch verstärkt „um die Mitarbeiter-Sichtung für die Pflegebranche“.

Personalmanagel in Pflegeheimen

Dieses Thema stellte sich dann auch als eines der größten Probleme heraus. „Der Personalmangel brennt uns unter den Nägeln“, sagte Antje Lehmann, Pflegedienstleiterin bei der Arbeiterwohlfahrt in Bad Düben. „Wir brauchen einfach mehr Leute, weil die, die jetzt da sind, oft das Doppelte leisten müssen und an ihre Grenzen kommen.“ Die Pflegedienstleiterin fand es gut, dass die Teilnehmer am Pflegedialog die Probleme direkt ansprechen konnten – und bei Gesundheitsstaatssekretärin Regina Kraushaar ein offenes Ohr fanden.

Gute Erfahrungen mit Quereinsteigern

„Das war eine gute Veranstaltung, breit gefächert und für mich sehr befruchtend“, sagte im Nachgang Rosel Müller-Süptitz, Chefin des Seniorenzentrums Am Gutspark in Mockrehna. „Wir haben noch ausreichend Personal und es bewerben sich auch immer wieder Leute. Aber wir beschäftigen uns auch schon sehr lange damit, wie wir Mitarbeiter binden und neue gewinnen können“, so die Unternehmerin. Sie habe gute Erfahrungen mit Quereinsteigern gemacht, die sich über den zweiten Bildungsweg qualifizierten.

Migranten wollen in Pflege arbeiten

Für Antje Lehmann stellt sich die Frage, wie man Menschen mit Migrationshintergrund für einen Pflegeberuf gewinnen kann. Viele ausländische Mitbürger, die in Bad Düben leben, wollten in der Pflege arbeiten, aber oftmals scheitere es an Sprachbarrieren oder am Bleiberecht. Dass Sachsen Pflegekräfte aus Mexiko holen wolle, wie Staatssekretärin Kraushaar erklärte, sei gar nicht notwendig, würde man die bereits hier lebenden Migranten entsprechend qualifizieren.

Die Staatssekretärin nahm etliche Anregungen mit. Inwieweit die auf die politische Agenda kommen, um die Pflege besser zu gestalten, wird sich zeigen.

Pflegedialoge in Sachsen

Gutes Leben im Alter – das bedeutet für viele Menschen auch gute Pflege und Unterstützungsmöglichkeiten bei Hilfe- und Pflegebedürftigkeit. In Sachsen werden in Zukunft immer mehr Menschen Pflegedienstleistungen in Anspruch nehmen. Das hat zum Beispiel mit dem demografischen Wandel zu tun. Welche Herausforderungen zeigen sich in der Pflege in Sachsen heute und morgen? Welche Chancen bieten mehr Vernetzung und Austausch? Welche gesundheitliche Infrastruktur und welche Angebote benötigen wir? Welche Technologien können pflegebedürftigen Menschen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen? Und wo helfen nur professionelles Personal und die Zuwendung durch einen Menschen? Auf den Pflegedialogen ist Raum für Fragen wie diese. Mit den 13 Pflegedialogen in Sachsen wovon einer Mitte April im Berufsschulzentrum Eilenburg stattfand, sucht das Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz das Gespräch mit den Menschen vor Ort und möchte herausfinden: was macht heute schon gute Pflege im Freistaat aus – und wie lässt sie sich weiter verbessern? Der nächste – und abschließende – Pflegedialog findet am 13. Mai in Dresden statt. Weitere Informationen unter: www.pflegedialoge.sachsen.de

Von Nico Fliegner