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Eilenburg Wirbel um Auftritt von AfD-Abgeordneten in Eilenburg
Region Eilenburg Wirbel um Auftritt von AfD-Abgeordneten in Eilenburg
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08:12 22.03.2019
Blick auf das Eilenburger Bürgerhaus. Quelle: Wolfgang Sens
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Eilenburg

In der Stadt Eilenburg kursiert eine merkwürdige Einladung für eine „private Veranstaltung mit vielen Freunden und Bekannten“, die am Freitagabend im Eilenburger Bürgerhaus stattfinden soll und auf der angeblich „zwei brillante Redner“, die AfD-Bundestagsabgeordneten Gottfried Curio (Berlin) und Stephan Brandner (Thüringen), auftreten werden.

Diese Einladung ist per WhatsApp verschickt worden. Absender unbekannt. Quelle: privat

Einladung ohne Absender

Bezeichnend: Die Briefe, überschrieben mit „Persönliche Einladung“, sind als Fotodokument per WhatsApp verschickt worden. Ein Absender wird nicht genannt, allerdings betont, dass der Abend „keine Parteiversammlung, sondern ein privates Treffen“ sei. An diesem sollten Leute teilnehmen, „die sich für unsere elementaren Interessen unserer Heimat und gegen die stattfindende Aushöhlung unseres Landes einsetzen“. Interessierte sollen ihre Teilnahme auch per WhatsApp bestätigen. Und weiter heißt es: „Wir müssen versuchen, etwas in Bewegung zu setzen, als normale Bürger, wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen, denn es geht um unsere Zukunft und die unserer Kinder.“ Der LVZ liegt das Schriftstück in vollem Wortlaut vor.

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Der Abgeordnete Stephan Brandner (AfD) Quelle: dpa

Das sagt die AfD Nordsachsen

Brandner, dessen Kernthemen unter anderem die „Freiheit der Bürger“ und „innere Sicherheit“ sind, teilte auf Anfrage mit, er kenne diesen Termin nicht. „Ich werde in Burgscheidungen sein“, ließ der Abgeordnete wissen. Als wir ihm die Einladung auf seine Bitte hin zur Verfügung stellten, reagierte er mit den Worten: „Seltsam... Ich weiß von nichts. Aber wie sollte man da Kontakt

Der Abgeordnete Gottfried Curio (AfD) Quelle: dpa

aufnehmen und wissen, wann genau das wo ist? Danke Ihnen für die Info.“

Rene Bochmann, Leiter der AfD-Ortsgruppen Nordsachsen, bestätigte am Dienstag via Telefon aus dem AfD-Bürgerbüro in der Puschkinstraße in Eilenburg, wo er gerade Sprechstunde hatte, dass es sich um eine „Einladung von Privatpersonen in Zusammenarbeit mit dem AfD-Kreisverband“ handele. Der Abgeordnete Brandner habe die Einladung ihm gegenüber abgesagt.

Eine Nachfrage bei Gottfried Curio blieb unbeantwortet. Curio beschreibt auf seinem Internetauftritt unter anderem „den fortgesetzten Zustrom, die Duldung und Alimentierung hunderttausender illegaler und nicht asylberechtigter Migranten“ als „Fehlentwicklung“. Ob er in Eilenburg als Gastredner auftreten wird, ist unklar.

AfD mietet sich ins Bürgerhaus ein

Die Eilenburger Stadtverwaltung bestätigte indes auf LVZ-Nachfrage, dass die AfD sich für diesen Freitagabend im Bürgerhaus eingemietet habe. Dazu gebe es einen entsprechenden Vertrag, sagte Heiko Leihe, Leiter der Kulturunternehmung, wozu das Eilenburger Bürgerhaus gehört. Demnach steckt die AfD ganz offensichtlich hinter dieser „privaten Veranstaltung“, auch wenn sie offiziell als Einlader nicht in Erscheinung tritt – oder besser: treten will.

Kommentar: Fragwürdiger AfD-Wahlkampf

Die AfD in Nordsachsen macht Wahlkampf auf eine fragwürdige Weise. Anstatt offiziell zu einer Veranstaltung mit Bundespolitikern als Gastredner nach Eilenburg einzuladen, wird diese als „private Veranstaltung“ deklariert und das Einladungsschreiben als anonymes Schriftstück per WhatsApp herumgeschickt. Das ist seltsam für eine Partei, die zweifelsohne mit Blick auf Sachsen an Zuspruch gewonnen hat, sich in Zukunft schon zielsicher unter den etablierten Parteien sieht und nach außen hin dementsprechend selbstbewusst agiert. Aber der Schein trügt. Dieses unrühmliche Auftreten macht vielmehr deutlich, wie unsicher die AfD auf Kreisebene im Umgang mit potenziellen Wählern ist. Die will sie freilich für die bevorstehenden Kommunalwahlen im Mai und die Landtagswahlen im September gewinnen, doch die Schwierigkeit besteht wohl momentan darin, an die Leute erstmal ranzukommen. Und so klappt sie das Visier lieber runter in der Hoffnung, den einen oder anderen unentschlossenen Wähler, der nicht so richtig was mit der AfD anfangen kann, weil vielleicht das Image nicht immer zum Besten steht, mit einer „privaten Veranstaltung“ eher ködern zu können. Viel schlimmer ist aber, dass einer der Gastredner von seinem Auftritt im Eilenburger Bürgerhaus gar nichts weiß. Das bringt die AfD-Verantwortlichen vor Ort ein wenig in Erklärungsnot, auch wenn die ihre ganz eigene Sicht auf die Dinge haben und jetzt innerhalb der Partei Aussage gegen Aussage steht. Die Partei tut sich mit so einem Auftreten jedenfalls keinen Gefallen. Wer seriös Politik machen will, muss auch seriös auftreten und mit offenen Karten spielen. Allein mit Ehrlichkeit und Transparenz gewinnt man Vertrauen. Nico Fliegner

Von Nico Fliegner