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Eilenburg Wühlmäuse durchlöchern Deiche bei Eilenburg
Region Eilenburg Wühlmäuse durchlöchern Deiche bei Eilenburg
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09:33 18.04.2019
Blick auf den Deich zwischen Stadtpark und Bahnbrücke in Eilenburg. Die Hochwasserschutzanlage haben Mäuse in Beschlag genommen.
Blick auf den Deich zwischen Stadtpark und Bahnbrücke in Eilenburg. Die Hochwasserschutzanlage haben Mäuse in Beschlag genommen. Quelle: Nico Fliegner
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Eilenburg

Sie sind zwischen drei und fünf Zentimeter groß und auf Anhieb gar nicht zu erkennen. Doch betrachtet man den Deich am Eilenburger Mühlgraben vom Abschnitt Tierpark bis zur Bahn-Brücke etwas genauer, sieht man sie reihenweise: Mäuselöcher, die den Damm durchziehen. Meistens liegt ringsherum noch etwas Erde, die die Tiere beim Buddeln an die Oberfläche gebracht haben. Doch wie gefährlich können die Mäuse einem Deich und dessen Stabilität werden?

Maus-Befall ist unterschiedlich

Eines von vielen Mäuselöchern auf dem Deich zwischen Stadtpark und Bahnbrücke in Eilenburg. Quelle: Nico Fliegner

„Beschädigungen des Deichkörpers durch Wühltiere stellen prinzipiell ein Problem dar“, sagt Patricia Zedel, Sachbearbeiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Landestalsperrenverwaltung (LTV) des Freistaates Sachsen mit Sitz in Pirna. Allerdings gestalte sich der Befall „lokal meist sehr unterschiedlich. Extremer Befall tritt örtlich begrenzt in einigen Deichabschnitten auf und ist von Jahr zu Jahr in der Intensität unterschiedlich“, so Zedel weiter.

Tiere kamen gut durch den Winter

Nicht nur an der Deichanlage am Eilenburger Mühlgraben sind derzeit vermehrt solche Löcher zu finden. Auch an den Dämmen entlang der Mulde gibt es sie. Dass sie dieses Frühjahr so gehäuft auftreten, könne mit dem milden Winter zu tun haben, sagt Thomas Krönert vom Naturschutzbund (Nabu), Ortsgruppe „Karl August Möbius“, in Eilenburg. „Die Tiere sind sehr gut über den Winter gekommen. Die Reproduktionsrate ist hoch“, weiß der 61-Jährige.

Wühlmäuse haben bis zu vier Würfe

Vermutlich handelt es sich bei den Tieren um Wühlmäuse, die leichte bis mittelschwere Böden bevorzugen, weil sie darin ohne Schwierigkeiten ihr Gangsystem anlegen können. Die Tiere sorgen von März bis Oktober für Nachwuchs. In dieser Zeit werden zwei bis vier Würfe mit durchschnittlich vier Jungen abgesetzt. Von der Begattung bis zur Geburt dauert es nur etwa drei Wochen und die Jungtiere vom Frühjahr werden noch im gleichen Jahr geschlechtsreif. So könnte ein Weibchen im Jahr bis zu 40 Nachkommen produzieren, wissen Experten.

Sitzkrücken für Greifvögel auf dem Deich zwischen Stadtpark und Bahnbrücke in Eilenburg sollen die Mäusepopulation eindämmen. Quelle: Nico Fliegner

Sitzkrücken helfen

Die Landestalsperrenverwaltung gibt indes Entwarnung: „Da durch Mäuse nur oberflächige Gänge angelegt werden, ist ein mögliches Gefährdungspotenzial überschaubar“, konstatiert Sprecherin Patricia Zedel mit Blick auf die Deichstabilität. Außerdem geht die LTV gegen Wühltiere in Deichen vor – und zwar auf natürliche Weise, in dem die Grasnarbe durch Hutung und anschließender Nachmahd verdichtet wird. Damit würden kleinere Öffnungen und Gänge beseitigt. Außerdem kommen Sitzkrücken zum Einsatz – so auch an der Deichanlage hinterm Eilenburger Tierpark. Thomas Krönert weiß, dass Greifvögel wie Turmfalke, Mäusebussard oder Rotmilan die Sitzkrücken nutzen, wenn sie auf Nahrungssuche sind. „An der Mulde zwischen Eilenburg und Bad Düben wurden viele Sitzkrücken aufgebaut“, erzählt der Naturschützer. Dies habe man schon vor Jahren bei der Naturschutzbehörde angeregt und sei dann umgesetzt worden.

Nistkästen in Deichnähe

Die LTV setzt aber auch auf Brutmöglichkeiten für Greifvögel in der Nähe von Deichen. So gebe es beispielsweise Falkennistkästen. Außerdem werden die Dämme zweimal gemäht. Auch dies kommt den Greifvögeln zugute, weil die dann ihre Beute wie Wühlmäuse besser erkennen. Auf Fallen oder gar die chemische Bekämpfung der Nager verzichtet die LTV.

Von Nico Fliegner