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Region Extrem-Wetter und der Borkenkäfer machen Waldbesitzern zu schaffen
Region Extrem-Wetter und der Borkenkäfer machen Waldbesitzern zu schaffen
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19:37 14.10.2019
Blick auf vertrocknete Kiefern, die in der Nähe des Doberschützer Ortsteils Rote Jahne stehen. Etliche Baumbestände in der Region um Eilenburg haben durch Stürme, Trockenheit und Borkenkäferbefall Schäden genommen. Quelle: Nico Fliegner
Pressel

Diese kamen jetzt im Landgasthof in Pressel zum Waldbesitzertag zusammen, den Sachsenforst organisiert hatte. Das Interesse war erwartungsgemäß groß.

Private Waldbesitzer informieren sich

Reges Interesse herrschte auf dem Waldbesitzertag im Landgasthof in Pressel. Schadholz durch Stürme, Käferbefall und die Dürre beschäftigen die Waldeigentümer. Quelle: Nico Fliegner

Hauptbaumart Kiefer ist bedroht

In den Wäldern rund um Delitzsch, Eilenburg, Bad Düben und Torgau sind rund 17 565 Hektar Privatwald, gefolgt von 13 481 Hektar Landeswald. Außerdem gibt es Kommunalwald, Bundeswald, Kirchenwald und Treuhandrestwald. Hauptbaumart ist mit 84 Prozent die Kiefer. Aber „die Kiefer ist krank, die Kiefer stirbt ab“, sagte Forstbezirksleiter Jan Glock vor den privaten Waldbesitzern. Und nicht nur diese Baumart, die hier als „Brotbaum“ gilt, leidet unter den extremen Wetter- und Klimaeinflüssen in der jüngsten Vergangenheit. Auch Eichen und Buchen seien betroffen. „Wenn sich die Jahre 2018 und 2019 wiederholen, wird es ganz schwierig.“

Reges Interesse herrschte auf dem Waldbesitzertag im Landgasthof in Pressel. Schadholz durch Stürme, Käferbefall und die Dürre beschäftigen die Waldeigentümer. Quelle: Nico Fliegner

Nach Angaben von Peter Grunewald, der bei Sachsenforst für den Privat- und Körperschaftswald zuständig ist, habe allein der Sturm „Friederike“ voriges Jahr „etliche Hunderttausend Festmeter Holz gekostet“. Extreme Trockenheit und sehr hohe Temperaturen über längere Zeiträume sind „für unsere Waldbäume nicht ideal“, so Grunewald weiter. Denn diese Witterung begünstige die Vermehrung des Borkenkäfers, einem der gefürchteten Waldschädlinge. Zu Massenvermehrungen kam es, weil zunächst viel bruttaugliches Material durch den Sturm im Wald verblieb. Schließlich konnten nicht alle Reviere sofort beräumt werden.

Sturm- und Käferholz in den Wäldern

Die Zahlen für die Region sprechen für sich: Allein 2018 waren im Landeswald 205 000 Festmeter Sturmholz angefallen, im Privatwald waren es 115 000 Festmeter. 15 000 Festmeter waren im vorigen Jahr im Landeswald der Kategorie Käferholz zuzuordnen, im Privatwald waren es 84 000 Festmeter. Die Käferholz-Prognose für das laufende Jahr ist noch mal deutlich höher: Im nordsächsischen Landeswald rechnet Sachsenforst mit 160 000 Festmeter, im Privatwald sind bis jetzt 112 000 Festmeter Käferholz aufgearbeitet worden. „Mein Dank geht an alle privaten Waldbesitzer, dass sie so schnell gehandelt haben. Sie haben viel Kraft und Schweiß in den Wald gesteckt, um die Schäden zu beseitigen.“ Grunewald appellierte aber auch an all diejenigen, die noch nicht gehandelt haben, dies nachzuholen. „Es gibt noch Flächen im Privatwald, wo Sturmholz aus dem vorigen Jahr liegt. Hier ist der Waldbesitzer gefordert.“

Holzpreise sind in den Keller gerutscht

Blick auf einen Holzpolter im Wald zwischen Pressel und Görschlitz. Die Preise für Holz sind derzeit im Keller.Etliche Baumbestände in der Region um Eilenburg haben durch Stürme, Trockenheit und Borkenkäferbefall Schäden genommen. Quelle: Nico Fliegner

Massenweise Sturm- und Käferholz ist dabei die eine Sache, die Holzpreise die andere. Die sind, weil es zu viel Holz auf dem Markt gibt, tief in den Keller gerutscht. Für Stammholz, auf Länge geschnitten, erhielten Waldeigentümer 2017 gute 25 Euro für den Raummeter. Heute sind es um die 13 Euro. Der Preis für Kisten- und Palettenholz sank von 20 Euro (2017) auf aktuell 7,50 Euro für den Raummeter. Ganz düster sieht es bei Industrie-Schichtholz aus: Der Preis sank innerhalb von zwei Jahren von elf Euro auf 50 Cent pro Raummeter.

Größter Holzabnehmer in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Süd-Mecklenburg ist Hit-Holz in Torgau. Das Unternehmen bestimmt die Preise. „Die Preisentwicklung wird sich bis nächstes Frühjahr nicht weiter verändern. Inwieweit die Preise noch weiter runtergehen – diese Prognose wage ich nicht zu machen“, so Forstexperte Grunewald.

Der Wald der Zukunft

Für private Waldbesitzer ist der Wald derzeit eher eine Last und wenig rentabel. Hinzu kommt, dass sich die Flächeneigentümer Gedanken machen müssen, ob und wie es mit der Kiefer als Hauptbaumart in dieser Region weitergeht. Thomas Ropte von Sachsenforst sagte, dass mehr Eichen-Buchen- oder Eichen-Laubmischwälder eine Alternative für Nordsachsen wären. „Ideal sind alte und junge Bäume, gut durchmischt“, so Ropte. Das Ziel seien Mischbestände und eine Waldverjüngung. Ropte regte auch eine regelmäßige Durchforstung der Bestände an. Dies sorge für Stabilität bereits bestehender Bäume. Wichtig sei, auf Saatgut zu setzen, das aus der Region kommt.

Im Bereich des Forstbezirks Taura gibt es 4500 private Waldbesitzer. Die zuständigen Förster für den Privat- und Körperschaftswald stehen den Flächeneigentümern bei allen Fragen rund um die Waldbewirtschaftung beratend zur Seite.

Von Nico Fliegner

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