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Geithain Action, Horror, Pornos – die letzte Videothek behauptet sich im Kohrener Land
Region Geithain Action, Horror, Pornos – die letzte Videothek behauptet sich im Kohrener Land
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13:09 13.09.2019
Eine Videothek, wie man sie kennt: Petra Engelmann sorgt dafür, dass ihre Kunden das Gewünschte finden. Quelle: Jens Paul Taubert
Frohburg/Jahnshain

In jener Zeit, als der Begriff Streaming-Dienst unbekannt war und die Compact-Disk gerade dabei, die Magnetton-Kassetten abzulösen, fiel der Sperrzaun zwischen beiden deutschen Staaten. Nicht nur die Art, Musik zu hören, revolutionierte sich. Videotheken arbeiteten, im Osten Raum greifend, an einem neuen Weltbild. Das Film-Verleihgeschäft erlebte einen ungeahnten Boom und spätestens nach der Jahrtausendwende einen kolossalen Niedergang.

Im Kohrener Land, am südlichen Saum des Landkreises Leipzig, hält unbeeindruckt eine die Stellung: Petra Engelmann gehörte zu den Ersten, die in der kleineren deutschen Republik eine Videothek eröffneten. Heute ist sie eine der wenigen im Leipziger Umland, die noch am Markt sind. Tür an Tür ist ihr kleines Geschäft mit dem elterlichen Getränke-Service, gleichfalls ein Relikt aus den Zeiten des Aufbruchs und Dach für den dörflichen Stammtisch.

Ein idyllischer Ort, der ein wenig aus der Zeit gefallen scheint. Quelle: Jens Paul Taubert

Im Vorhaus die ersten Regale aufgestellt

„Alles, was wir bis dahin nicht sehen konnten, gab es plötzlich bei mir – Action, Horror, Pornos. Die sind mir die Bude eingerannt“, erinnert sich Petra Engelmann an den euphorischen Anfang. Im September 1990 war das. Die Gewerbeanmeldung geschah noch in der DDR. Die Filme aber kamen aus dem Westen, präziser: aus dem Süden, denn in Bayreuth hatte sie im Großverleiher Jakob einen verlässlichen Partner gefunden. „Dort hat man zu mir gesagt: Sie können das. Sie haben Ausstrahlung.“

Im Windfang ihres Jahnshainer Hauses stellte sie Regale auf und Filme hinein, besorgte einige Rekorder zum Verleihen. Der Ansturm begann und währte über Jahre. Und das, obwohl in Kohren-Sahlis, Geithain, Penig und in vielen anderen Orten Videotheken öffneten. „Früh um fünf bin ich nach Bayreuth gefahren, habe mir das Auto voll Filme gepackt und war abends wieder zu Hause“, sagt sie. Keine Frage, dass bald schon erweitert werden musste: Die Garage wurde umgebaut.

Filme für jeden Geschmack. Das Ausgefallene aber gibt es – unter dem Ladentisch. Quelle: Jens Paul Taubert

Selbstständigkeit bewahrte vor Arbeitslosigkeit

„Damals ging doch wirtschaftlich alles in die Brüche. Da musste ich sehen, wo ich bleibe“, sagt die gelernte Facharbeiterin für Textiltechnik und Schuhfacharbeiterin. Obwohl bereits Unternehmerin, war sie dem „Bella“-Betriebsteil in Sahlis treu, bis in der namhaften Groitzscher Schuhfabrik endgültig die Lichter ausgingen. Bis zum Anfang des neuen Jahrtausends währte der Verleih-Höhenflug.

Die Videothek Engelmann behauptet sich in Jahnshain seit 30 Jahren. Quelle: Jens Paul Taubert

Dem Niedergang der Branche stemmt sich Petra Engelmann, seit ein paar Jahren auf sich allein gestellt, energisch entgegen. „Die Stammkunden sind mir treu geblieben. Die kommen gerne rum, auch mal auf einen Schwatz“, sagt sie. Sie weiß, welche Filme – auf DVD selbstredend – gefragt sind, kauft sie nach den Wünschen der Kundschaft ein. „Reich wird man nicht davon, aber man muss auch nicht aufs Amt gehen – und es macht vor allem Freude!“ Deshalb will sie zwei, drei Jahre bestimmt noch durchhalten.

Einen Star gibt es nur unter dem Ladentisch der Videothek

Zu jenen, die den blauweißroten Fransenvorhang an der Tür beiseite schoben und staunend eintraten in eine fast versunken geglaubte Welt, gehörte vor Monaten Thomas Böttcher, Comedian und für das MDR-Fernsehen ursächsischer Wanderbursche: „Die waren zwei Stunden hier, wir hatten so einen Spaß!“ Ein völlig anders gearteter Prominenter aus dem Kohrener Bergland setzte nie seinen Fuß über diese Schwelle.

Dennoch nahm er von hier aus den Weg in manch wenig beleuchtete Stube: der „Sachsen-Paule“, selbst ernannter Porno-Star der wilden Neunziger, der legendäre „Heiko H. aus T. bei K.“, so der Verschlüsselungscode der faschingsseligen Kohrener Kulturfreunde. Was im einschlägigen Handel längst nicht mehr zu haben ist, wird doch nicht... –„Manchmal wird danach gefragt. Drei Kassetten habe ich mir über Umwege besorgt. Die stehen aber nicht im Regal“, sagt Petra Engelmann lachend und verschwindet für Augenblicke unter der Ladentheke: „Das ist wie früher – Bückware!“

Von Ekkehard Schulreich

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