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Geithain Auf Augenhöhe: Politik und Feuerwehr in Bad Lausick
Region Geithain Auf Augenhöhe: Politik und Feuerwehr in Bad Lausick
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08:00 22.06.2018
Beim Besuch von Bundespräsident Walter Steinmeier (SPD) machte die Freiwillige Feuerwehr Bad Lausick darauf aufmerksam, dass die Zukunft der Wehren nicht mehr gesichert ist. Quelle: Thomas Kube
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Bad Lausick

Von sich reden machen, um den Brandschutz auch in der Zukunft zu sichern: Wenn es darum geht, ist die Bad Lausicker Feuerwehr nicht verlegen. Als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier der Deutschen Bläserakademie einen Besuch abstattete, positionieren sich die Ehrenamtlichen unübersehbar an der Protokollstrecke mit Transparenten. Der dringende Wunsch: Der Bund möge dafür sorgen, dass das Land die Feuerwehren deutlicher unterstütze. Jetzt lud sich die Stadtwehrleitung Abgeordnete ins Bad Lausicker Depot ein, um ihnen die Situation an der Basis vor Augen zu führen.

Klartext mit den Landtagsabgeordneten

„Wir haben uns schmerzfrei unterhalten, haben Klartext gesprochen. Da gab es schon Aha-Effekte – auf beiden Seiten“, resümiert Stadtwehrleiter Tim Barczynski. Im Laufe des offenherzigen Gesprächs habe sich der Eindruck verfestigt, dass die Parlamentarier mitunter gar nicht wüssten, wie ihre Entscheidungen unten in den Wehren wirkten. Diese Wissens- und Erfahrungslücke ein wenig zu schließen, habe diese Runde zweifellos beigetragen.

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CDU sagt ab – AfD fordert Zuarbeiten

Die Stadtwehrleitung hatte – weil es ihr nicht möglich war, vor Wochen an einer „Denkfabrik“-Fachtagung des Innenministerium in Dresden teilzunehmen – an alle Landtagsfraktionen einen Brief geschrieben und Vertreter nach Bad Lausick eingeladen. Die CDU habe abgesagt, die AfD noch allerhand Schriftliches nachgefordert, dem man nicht habe entsprechen können, so Barczynski. Teilgenommen hätten schließlich Sabine Friedel (SPD), Valentin Lippmann (Grüne) und Mirko Schultze (Linke), außerdem unter anderem vier Ortswehrleiter und Bürgermeister Michael Hultsch (parteilos); Kreisbandmeister Nils Adam hatte sich entschuldigt.

Langfristige Sicherheit durch Anreize

Um auf lange Sicht das Personal der Wehren zu sichern, sei es nötig, spürbarere Anreize zu schaffen, sagt Tim Barczynski. Dabei gehe es weniger um Geld, sondern um Anerkennung, die durchaus messbar sein dürfe. Wer Jahre und Jahrzehnte in einer Wehr ehrenamtlich der Gesellschaft diene, sollte etwa zusätzliche Rentenpunkte erhalten. Und was spräche dagegen, dass die Kameraden Bäder, Museen und Ähnliches ermäßigt oder kostenfrei nutzen dürften – „deutschlandweit, denn Feuerwehr ist Feuerwehr“. Auch vergünstige Bauplätze seien eine Motivationsmöglichkeit. Neben solchen Anreizen ging es um ganz Praktisches: Tätige eine Kommune Ausschreibungen, sollte es Muster dafür geben; das würde das Prozedere unheimlich erleichtern und beschleunigen.

Diskussionspapier bei Linke in Arbeit

„Wir stellen in diesem Jahr unser Feuerwehrdiskussionspapier den Feuerwehren vor und planen bis Jahresende, der Öffentlichkeit ein Konzept zu präsentieren wie wir uns die Zukunft der Feuerwehr vorstellen“, sagt Mirko Schultze (Linke). Dass sich der Ministerpräsident jetzt auf die Feuerwehren zubewege, sei gut; es gelte, dranzubleiben. Aus dem Bad Lausicker Gespräch habe er Anregungen mitgenommen. Die Bitte, Mittel flexibler einsetzten zu können und auch mal ein Fahrzeug wieder aufzubauen statt neu zu beschaffen, „zeigt, wie verantwortlich die örtlichen Wehren mit ihrer Technik umgehen und wie sehr sie auch den finanziellen Aspekt berücksichtigen. Es geht um eine Ausstattung nach Bedarf und Notwendigkeit, ein sinnvolle Ausbildungs- und Einsatzplanung und um die notwendige Wertschätzung.“

„Das Treffen hat Sinn gemacht“, bestätigt Bürgermeister Michael Hultsch (parteilos). Die Abgeordneten hätten sich ein ungeschöntes Bild machen können, denn „die Probleme sind in allen Kommunen ähnlich“. Das Gespräch habe das Verständnis füreinander geweckt; daran sollte man anknüpfen.

Von Ekkehard Schulreich

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