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Geithain Bad Lausick: Kirchnerin Christhild Sternitzke wird verabschiedet
Region Geithain Bad Lausick: Kirchnerin Christhild Sternitzke wird verabschiedet
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10:14 07.03.2019
Christhild Sternitzke schmückt die Bad Lausicker Kilianskirche für den Gottesdienst am Sonntag. Quelle: Jens Paul Taubert
Bad Lausick

Dass sie das Gesicht der Kirchgemeinden Bad Lausick/Etzoldshain und Ballendorf/Buchheim sei, diesen Satz würde Christhild Sternitzke als überzogen von sich weisen: Wenn ein Gesicht das Bild einer Kirchgemeinde präge, dann wohl das des Pfarrers. Unter neun Pfarrern war Sternitzke tätig.

Erst Kirchnerin, leitete sie dann vor allem die Pfarramts-Kanzlei – und war so in diesen 29 Jahren in vielen Fällen erster Kontakt, nicht nur wenn es um Termine für Taufe oder Trauung ging. Dabei hatte die 63-Jährige, die am Sonntag in der Kilianskirche in den Ruhestand verabschiedet wird, etwas ganz anderes gelernt: Sie ist Gärtnermeisterin und Lehrausbilderin.

Christhild Sternitzke gab Job in der Gärtnerei auf

„Ein Gärtner ist ein kleiner Doktor“, sagt Christhild Sternitzke und lacht. Ein Gärtner setzt nicht einfach Pflanzen in die Erde; er muss sich in vielem auskennen, kümmern, Empathie entwickeln. In jenem Frühjahr, das auf den das System DDR zum Einsturz bringenden Wende-Herbst folgte, zog die in Mügeln bei Oschatz Aufgewachsene, seit 1972 in Bad Lausick Heimische eine Konsequenz, die sie nicht bereute: Sie gab ihren plötzlich unsicheren Job in der Gärtnerei auf und folgte einem Angebot von Pfarrer Erhard Kuschke, für die Kirchgemeinde tätig zu werden.

Kuschke, der sie getauft hatte, als sie längt erwachsen war. Ihre Eltern und ihre Großmutter hatten sie geprägt, eine Freundin sie schließlich zu diesem Schritt ermutigt. „Es gibt so viele Leute, die an Gott glauben. Das gab mir Orientierung.“ Weil ihr Vater Lehrer war, kam Taufe vorher nicht in Frage: „Aber er hat uns überall hingeschleppt, in Kirchen, in Museen. Der hat den Samen gelegt – ohne sehen zu können, was draus wird, denn er starb mit nur 44.“

Kirchnerin in Bad Lausick als „Mädchen für alles“

Erste Aufgabe der neuen Kirchnerin war es, die Glocken zu läuten: dreimal am Tag. Nicht nur hier wurde ihr schnell klar, dass eine Fünf-Tage-Woche Illusion ist. Gerade an den Sonntagen und den Feiertagen ballte sich die Arbeit. Weihnachtsgeschenke gab es für die Kinder am 24. Dezember, dem stressigsten aller Kirchentage, erst sehr spät am Abend.

Kirchnerin Christhild Sternitzke geht in den Ruhestand. Quelle: Jens Paul Taubert

Ein offenes Ohr haben, die verschiedenen Kreise vorbereiten, den Finanzhaushalt der Kirchgemeinde führen, das Gotteshaus für Hochzeiten schmücken, Kurgästen die romanische Kilianskirche zeigen: „Im Grunde war ich ein Mädchen für alles. Das war schön, aber mein Mann und meine Kinder mussten viel Verständnis aufbringen.“

Während die Pfarrer wechselten, war Christhild Sternitzke eine Konstante im Pfarrhaus. Wenn Vakanzen, also pfarrerlose Zeiten, zu überbrücken waren, standen ihr nicht zuletzt die Superintendenten zur Seite – Ekkehard Vollbach zuerst, später Matthias Weismann.

Während der knapp drei Jahrzehnte erlebte sie, wie Kirche sich wandelte. Die Zahl der eingetragenen Christen sank, doch auch junge Familien wuchsen mit ihren Kindern neu in die Gemeinschaft hinein.

Die Kilianskirche in Bad Lausick. Quelle: René Beuckert

Sternitzke bleibt der Kilianskirche erhalten

Nicht einfach ein Job, sondern ein Stück gemeinsam gelebtes Leben nennt Christhild Sternitzke, was nun zu Ende geht. „Meine Kirchgemeinde bleibt aber meine Kirchgemeinde, und meine Kilianskirche bleibt meine Kirche“, sagt sie, gesteht aber ein merkwürdiges Gefühl ein: „Wenn ich jetzt dran denke: Ich mache das zum letzten Mal... Meinem Mann Heinz ist es noch schwerer gefallen, Abschied zu nehmen vom Beruf.“ Hausmeister in den Evangelischen Schule für Sozialwesen in Bad Lausick war der 64-Jährige bis zum Sommer 2018.

Dass Christhild Sternitzke künftig die Hände in den Schoß legt, ist allerdings nicht zu befürchten. Für die Familie da sein möchte sie, im Geschichtsverein Bad Lausick arbeitet sie mit. Der Kontakt zu ihrer Gemeinde bleibe auf jeden Fall bestehen, sagt sie. Mit einem „ihrer“ Pfarrer, mit Arnold Liebers, inzwischen Superintendent in Leisnig, und dessen Frau Ute sei man bis heute in herzlicher Verbindung und treffe sich etwa zu Gewandhaus-Konzerten in Leipzig.

Von Ekkehard Schulreich

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