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Geithain Bad Lausicker Schüler widmen sich Opfer der NS-Euthanasie
Region Geithain Bad Lausicker Schüler widmen sich Opfer der NS-Euthanasie
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08:12 21.11.2018
Bad Lausicker Oberschüler widmen sich einem neuen Stolperstein-Projekt – der Familie Hönig, Opfer der NS-Euthanasie (Symbolbild). Quelle: Thomas Kube
Bad Lausick

Mit einer Opfergruppe, die bei den bisher drei Stolperstein-Projekten in Bad Lausick keine Berücksichtigung fanden, befassen sich acht Schüler der Bad Lausicker Oberschule jetzt in einem vierten derartigen Projekt. „Die Neuntklässler forschen zu einem Opfer der NS-Euthanasie“, sagt Henry Lewkowitz, Geschäftsführer des Leipziger Vereins Erich-Zeigner-Haus, der die Projekte von Anfang an fachlich begleitet.

Ernst Hönig sollte als angeblich lebensunwert von den Nationalsozialisten vernichtet werden. Quelle: Repro: LVZ

In den letzten Jahren wurden in der Kurstadt Stolpersteine für die jüdische Familie Hirsch, den Sozialdemokraten Max Lohmann und Friedrich Kaubisch, der als Angehöriger der Zeugen Jehovas verfolgt wurde, verlegt.

Gefangene wurden zwangssterilisiert

Jetzt geht es um das Schicksal der Familie Hönig. Der 1907 in Bad Lausick geborene Ernst Bruno Hönig betätigte sich seit 1926 politisch. Er trat im selben Jahr dem Roten Jungsturm bei und war ab 1929 Mitglied der KPD. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde er verfolgt und stand unter polizeilicher Beobachtung. Er wurde 1934 zu einer Haftstrafe verurteilt und erlitt aufgrund von starken Misshandlungen der Faschisten schwere geistige Schädigungen. Ab 1934 befand er sich zwei Jahre lang in der Landesanstalt Hubertusburg. Dort wurde er gegen seinen Willen zwangssterilisiert. Nach seiner Entlassung wurde er 1944 für zehn Wochen im Konzentrationslager Sachsenhausen festgehalten.

Stolperstein am letzten freiwilligen Wohnort Hönigs

„Für sein Leid wurde er als Opfer des Faschismus und als Verfolgter des Naziregimes anerkannt“, sagt Lewkowitz. 1950 heiratete Ernst Hönig seine Frau Elli. Der Stolperstein soll in der Angerstraße 17 verlegt werden, dem letzten freiwilligen Wohnort Hönigs, nachdem er Opfer der Nationalsozialisten wurde. „Wir möchten einer Opfergruppe gedenken, welche nicht die erinnerungskulturelle Berücksichtigung erfährt, die ihr gebührt.“

Schüler erstellen Biografien der Familienmitglieder

Die Frau von Ernst, Elli Hönig. Quelle: Repro: LVZ

In den kommenden Monaten wollen die Schüler, unterstützt durch die stellvertretende Schulleiterin Anke Schneider, vollständige Biografien zu den Mitgliedern der Familie erstellen. Anhand dessen entsteht eine Broschüre, mit der die Öffentlichkeit informiert wird und Spenden gesammelt werden. Mit diesen Spenden werden die Stolpersteine finanziert und voraussichtlich im Juli 2019 verlegt.

Die Schülergruppe wird zudem Exkursionen sowie ein Zeitzeugengespräch durchführen. Unterstützt wird dieses Projekt von der F.C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz. Am Workshop „Verfemte Musik“, der im Erich-Zeigner-Haus stattfand und das Leben jüdischer Musiker zur Zeit des Nationalsozialismus thematisierte, nahmen die Schüler bereits teil. Am 9. November putzte die Projektgruppe alle Stolpersteine in Bad Lausick und hielt kurze Mahnwachen ab.

Weitere Infos zur Familie gesucht

Wer weitere Informationen zum Euthanasieopfer Ernst Bruno Hönig, der 1967 starb, hat, wird gebeten, sich an den Verein Erich-Zeigner-Haus zu wenden.

Mit diesem Brief bat die Mutter von Ernst Hönig um die Freilassung ihres Sohnes aus der Landesanstalt Hubertusburg. Quelle: Repro: LVZ

Von es

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