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Geithain Benndorfer Initiative wehrt sich gegen neue B7
Region Geithain Benndorfer Initiative wehrt sich gegen neue B7
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16:26 09.12.2019
Zerschnittene Idylle: Visualisierung des Straßendamms durch die Wyhra-Aue, der für die neue B 7 aufgeschüttet werden soll. Quelle: Bürgerinitiative
Frohburg/Benndorf

Für die Benndorfer Bürgerinitiative sei die Sache klar, sagt Christian Perl, einer des halben Dutzend Engagierter: „Wir wollen diese Straße nicht haben.“ Diese Straße, das ist die neue Bundesstraße 7, die den Altenburger Raum und Westsachsen bei Frohburg an die Autobahn 72 heranführen soll und die den Naturraum zwischen Eschefeld, Frohburg, Benndorf und Bubendorf zerschneidet.

Die Initiative, die sich vor mehr als einem Jahr zusammenfand, um Widerstand gegen das Bauvorhaben zu artikulieren, positioniert sich unversöhnlicher als Stadtrat und Stadtverwaltung von Frohburg. Denn dort begrüßt man den Bau grundsätzlich, auch wenn man gravierende Mängel sieht und Nachbesserungen für unverzichtbar hält.

Wer von Benndorf nach Bubendorf will, kommt bald nicht weiter, weil die Neubau-Trasse die Landschaft zerschneidet und keine Brücke vorgesehen ist. Quelle: Bürgerinitiative

„Für uns Benndorfer bringt die Straße nur Nachteile“

„Gegen die Autobahn-Anschlussstelle haben wir nichts. Aber die neue B 7 ist durch nichts zu rechtfertigen“, sagt Perl. Die Kritik beziehe sich auf ureigene Benndorfer und Bubendorfer Betroffenheiten, aber auch auf Grundsätzliches. Erläutert wurde sie beim traditionellen Nikolausabend, den der Benndorfer Männerchor Germania und der Förderverein Rittergut Benndorf veranstaltete. „Wir haben eine super Infrastruktur. Die neue Straße würde sie zerstören. Gerade für Benndorf brächte sie nur Nachteile.“

Perl macht das fest an der Kappung der Straße Benndorf - Bubendorf. Sie würde den 425 Einwohner zählenden Ort mit einen schmalen Straßen in eine Insellage bringen. Egal ob Schulbusse oder Pendler, mehr als die Hälfte führen heute über Bubendorf raus in Richtung Borna. Künftig wäre „ein Riesen-Umweg“ über Frohburg und die dann durch zwei Ampeln unterbrochene alte B 95 (Staatsstraße 51) nötig. Gar nicht zu reden von unzureichenden Rettungswegen. Der Aspekt der Straßen-Kappung wird in Frohburg mit derselben Deutlichkeit gesehen – und in der Stellungnahme, die der Stadtrat in der vergangenen Woche beschloss, abgelehnt.

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Nicht akzeptieren kann die Bürgerinitiative, dass die neue Straße auf einem bis zu achteinhalb Meter hohen Damm nördlich der Kläranlage die Wyhra-Aue zerschneiden soll. Der beginnt den Planungen zufolge bereits an der Landmarke Fünf Linden und beeinträchtigt ein Flora-Fauna-Habitat, das europäischen Schutz genießt. Lärmschutz für die Ortslage dagegen Fehlanzeige. „Wir haben hier himmlische Ruhe. Mit der ist es dann vorbei“, so Perl.

Initiative hält Prognosen für überholt

Auf zehn Seiten hat die Bürgerinitiative aufgelistet, was aus ihrer Sicht gegen die neue B 7 spricht. „Das Vorhaben ist wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen. Die zugrunde gelegten Verkehrsströme werden zu hoch angesetzt, während die Baukosten nicht realistisch dargelegt werden“, heißt es auf Seite eins. Die Zahl der Berufstätigen und damit der Pendler sinke bis 2030 im Altenburger Raum um 42 Prozent, im Landkreis Leipzig um ein Fünftel.

Die Zahlen für die Nutzung der neuen Straße wie für die Entlastung der B 93 seien schon heute überholt. Ganz zu schweigen von dem politischen Ziel, den Verkehr auf der Straße verringern zu wollen. Unrealistisch sei es auch, von nur 38,33 Millionen Euro Baukosten auszugehen. Die Kostensteigerung müsse laut Statistischem Landesamt mit 25 Prozent und mehr in nur fünf Jahren veranschlagt werden. Fazit: „Die Wirtschaftlichkeit dieser Straße ist stark in Zweifel zu ziehen.“

Bis 3. Januar kann sich jeder äußern

Bis 3. Januar räumt die Landesdirektion Sachsen, die das Planfeststellungsverfahren mit dem Ziel des Baurechts leitet, die Möglichkeit ein, sich zu diesem Vorhaben zu äußern. „Das Verfahren ist richtig. Die Leute sollten diese Chance nutzen“, sagt Christian Perl. Es sei an jedem Einzelnen, Position zu beziehen. Darüber hinaus sammelt die Initiative Unterschriften, um ihre Kritik zu untermauern an einem Straßenbau-Vorhaben, für das rund 77.000 Quadratmeter Fläche voll versiegelt werden sollen.

Die Unterlagen sind zu finden unter https://www.lds.sachsen.de/bekanntmachung Mail-Kontakt zur Bürgerinitiative: neinzurb7n@gmx.de

Von Ekkehard Schulreich

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