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Geithain Blitzende Schwerter auf Burg Gnandstein
Region Geithain Blitzende Schwerter auf Burg Gnandstein
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09:44 23.04.2019
Hans-Jürgen Hafner (l.) hatte seine Mannen im Griff.
Hans-Jürgen Hafner (l.) hatte seine Mannen im Griff. Quelle: Bert Endruszeit
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Frohburg/Gnandstein

Da darf schon mal richtig gebrüllt werden: Wenn gut gepanzerte Rittersleute die Burg Gnandstein einnehmen wollen, dann ist das ein überaus lautstarkes Spektakel. Am Wochenende war es wieder mal soweit: Die Rittergruppe „Eisenhut“ aus Pegau zeigte, wie im Spätmittelalter gefochten wurde. „Unsere Gruppe gibt es seit dem Jahr 2006“, verriet Hans-Jürgen Hafner, der seine Ritter im wilden Getümmel immer wieder nach vorn scheuchte. Denn da wollten doch tatsächlich ein paar wilde Gesellen das Burgtor erobern.

Auf Burg Gnandstein wurde zu Ostern der Kampf um die Burg nachgestellt

Den Begriff Eisenhut kann man dabei durchaus wörtlich nehmen, denn hier ist nichts von Pappe. Die gesamte Ausstattung ist an die historischen Vorbilder angelehnt. „Unsere Rüstungen sind Maßanfertigungen, die hat ein Plattner für uns geschmiedet“, so Hafner. Keine Frage, dass bei diesen Stücken natürlich auch das Gewicht stimmt. Nicht nur die Uniformen sind historisch exakt nachgebildet, auch jede einzelne Bewegung von Rittern und Knappen. „Wir treffen uns jeden Sonnabend zum Fechttraining, wobei wir uns an Hans Talhoffer, einem Fechtmeister aus dem 15. Jahrhundert, orientieren.“ Von ihm sind fünf illustrierte Fechthandbücher bis erhalten geblieben, heute eine wichtige Grundlage für alle, die sich für die Zeit des Spätmittelalters interessieren. „Heute zeigen wir den Nahkampf und das Gefecht mit Pfeil und Bogen. Das ist schon sehr schweißtreibend.“

Darsteller für Mittelaltermärkte schwer zu finden

Andreas Reichenauer mischt schon seit neun Jahren bei den Pegauer Eisenhüten mit. „Ich nenne mich dabei Albrecht von Westerwattingen, so hieß bis ins Jahr 1500 mein Heimatort Langenweddingen bei Magdeburg.“ Ihn fasziniere es, mal in eine andere Rolle zu schlüpfen und dabei Gemeinschaft zu erleben. „Das ist Geschichte und Sport in einem Hobby vereint“, betonte er. Denn es gehe ja nicht nur ums originalgetreue Darstellen von Schaukämpfen, sondern auch um ein Stück Regionalgeschichte. „Meine Kleidung habe ich mir selbst angefertigt, allerdings mit der Nähmaschine, so viel Neuzeit muss dann schon sein. Richtig gute Handnähte sind schwierig.“ Eine Kunst für sich sei auch die Gewinnung neuer Mitstreiter. „Die Leute gehen zwar gerne zu den Mittelaltermärkten, aber aktive Darsteller sind nur schwer zu finden. Schließlich kostet das alles viel Zeit, Geld und Eigeninitiative.“ Doch er möchte dieses Hobby nicht mehr missen. „Ich kann dabei in andere Welten eintauchen und den Alltag vergessen. Meine Arbeit am Universitätsklinikum ist stressig genug. Für mich ist das hier ein Urlaub der anderen Art.“ Viele derartige Vereine gebe es nicht. „Bei uns in Magdeburg haben wir leider keinen so anspruchsvollen Historienverein.“

Mit selbstgebauter Feldflasche vom Opa

Gerade mal elf Jahre alt ist Nils. „Ich bin Bogenschütze, Page und Trommler“, sagte er. Auch seine Uniform ist historisch korrekt gefertigt. „Die Hose hat meine Mutter genäht, das Hemd haben wir extra bestellt.“ Doch es sei nicht so leicht, die passenden Ausrüstungsstücke aufzutreiben. „Die Feldflasche hat mir mein Opa gebaut.“ Nils fand es schön, mal auf einer richtigen Burg zu sein. „Bei so einem Kampf können wir uns so richtig necken, das ist genau richtig für mich“, meinte er mit Blick auf seinen gleichaltrigen Kameraden Tassilo.

Von Bert Endruszeit