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Geithain Borkenkäfer verursacht enorme Schäden im Colditzer Forst
Region Geithain Borkenkäfer verursacht enorme Schäden im Colditzer Forst
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09:54 20.06.2019
Sebastian Thiel von der Firma Donner fällt mit dem Harvester Fichten, entastet sie und schneidet sie auf Maß. Quelle: Jens Paul Taubert
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Bad Lausick

Geh mir von der Fichte!: Diese Redensart gewinnt im Colditzer Forst eine ganz unmittelbare Bedeutung. Ein massiver Fraß diverser Borkenkäfers führt dazu, dass die durch trockene, heiße Sommer arg geschwächten und durch Stürme geschädigten letzten Fichtenbestände schneller aus dem Wald heraus müssen als ohnehin geplant.

Schon Ende Juni will Falkhard Dau, der als Förster des Reviers Waldmühle die Bad Lausick zugewandte Seite des Colditzer Forstes und den Glastener Forst betreut, die letzten Fichten-Flächen beräumt haben. Dank des Harvester-Einsatzes dauert das Fällen und auf Maß bringen eines 110 Jahre alten, 20 Meter hohen Stamms kaum weniger als eine Minute. Eine Effizienz, die den Revierförster alles andere als froh macht.

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Am Waldumbau im Colditzer Forst wird schon lange gearbeitet

„Dass die Fichte aus unserem Wald hier verschwindet, dazu gibt es eine klare Ansage. Wir sind schon seit Jahren dabei, den Wald so umzubauen, dass er dem Standort entspricht und dass er Klimaveränderungen besser widersteht. Aber dass es so schnell geht…“

Falkhard Dau, seit zwei Jahrzehnten hier im Revier, hat allerlei erlebt – „eine so extreme Käfer-Situation aber noch nie“. Dabei griffen die Borkenkäfer massiv nicht nur die letzten Fichten an. Nicht minder hungrig zeigt sich die auf Lärchen spezialisierte Art. Und selbst die Kiefer hat mit Borkenkäfer-Befall zu kämpfen.

Frank Hänneschen mit der Kettensäge und Harvester-Fahrer Thiel arbeiten abgestimmt auf den vom Borkenkäfer befallenen Flächen. Quelle: Jens Paul Taubert

Bild des Colditzer Forstes verändert sich

Dass sich das Bild des Colditzer Forstes grundlegend verändert, ist erklärtes Ziel. Laubmischwald statt Fichtenschonungen, an dieser Art des Waldumbaus arbeitet der Staatsbetrieb Sachsenforst seit Jahren. Dau ist es wichtig, die Besucher des Waldes, die Ausflügler und Anrainer, mitzunehmen auf diesem Weg. Doch die Pläne, die er gern auf Waldführungen erläutert, sind Makulatur geworden.

Dass das nicht nur im Süd-Leipziger Raum so ist, sondern andere sächsische Regionen mit großen Fichtenwaldungen noch deutlich stärker trifft, tröstet ihn nicht. „Ich hatte gehofft, dass ich einige Fichten halten kann. Aber das macht keinen Sinn“, sagt er. Eigentlich sollte der Wald anderthalb Jahrzehnten umgebaut sein. Doch dieses Ziel gilt nicht mehr.

Erntemaschinen bestimmen das Bild im Forst

Harvester, Erntemaschinen, bestimmen seit Monaten das Bild im Forst. Immer wieder wechseln sie ihren Einsatzort, um der Fichten habhaft zu werden. Zur Abfuhr aufgestapeltes Holz säumt viele Wege. Aufgrund des permanenten Ortswechsels verändern sich auch die Sperrungen.

Dau bittet dafür um Verständnis und fordert aus Gründen der Sicherheit, sich fernzuhalten von Arealen, wo gefällt oder verladen wird. „Nach Friederike gelang es dank konzentrierten Technik-Einsatzes, das geworfene Holz schnell aufzuarbeiten, um dem Käfer die Brutstätten zu nehmen“, so der Förster. Aber der letzte Winter habe die Population der Insekten nicht eingedämmt, sondern noch befördert.

Immer wieder müssen Waldwege kurzfristig gesperrt werden. Quelle: Jens Paul Taubert

Baumarten-Vielfalt soll Schädlinge stoppen

„Verloren ist der Wald keinesfalls, aber wir müssen ranklotzen. Ich bin optimistisch und habe Visionen“, sagt Dau. Nicht alle Flächen, die jetzt abgeräumt werden müssen, ließen sich sofort aufforsten. Aufgrund des schieren Ausmaßes setze er auf ein Drittel Naturverjüngung, auf die Kraft der Baumarten, die unter dem Dach von Fichte oder Kiefer längst heranwuchsen. Auf anderen Flächen legt er Wert auf einen Mix, um möglichst vielen Eventualitäten zu trotzen – Eiche vor allem, durchmischt mit Ahorn, Linde, Hainbuche, Kirsche, Douglasie: „Damit es immer eine Fraß-Barriere gibt.“

Forstdirektor: Colditzer Forst ist „Hauptschadgebiet“

„Der Colditzer Forst ist eines unserer Hauptschadgebiete infolge der Sturmschäden in Verbindung mit der Dürre und Hitze der letzten eineinhalb Jahre“, ergänzt Forstdirektor Andreas Padberg, Leiter des Forstbezirks Leipzig. „In der Summe der Sturmtiefs Herwart im Herbst 2017, Friederike im Januar und Eberhard im März 2019 sind in Summe über eine halbe Million Kubikmeter Schadholz im Forstbezirk aufgearbeitet worden – das entspricht durchschnittlich der vierfachen regulären Jahresmenge.“

Traurige Spitzenreiter seien die Forstreviere Colditz mit einer zehnfachen und Waldmühle mit einer achtfachen Holzeinschlagsmenge – ausschließlich an Schadholz – im Vergleich zur planmäßigen Waldpflege. Padberg: „Unser Augenmerk liegt jetzt vor allem auf der Wiederbewaldung der Schadflächen. Hier setzen wir weiterhin auf heimische Laubhölzer, allen voran Eiche.“

Von Ekkehard Schulreich