Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Geithain Erziehung um DDR-Jugendknast: Fotos dokumentieren schwere Schicksale
Region Geithain Erziehung um DDR-Jugendknast: Fotos dokumentieren schwere Schicksale
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:47 08.05.2017
Fotografien aus den Jahren 1982/83, aufgenommen im Jugendwerkhof Crimmitschau, sind derzeit in der Evangelischen Schule von Bad Lausick ausgestellt. Quelle: Andreas Döring
Anzeige
Bad Lausick

Einzigartige und berührende Fotodokumente aus dem Jugendwerkhof Crimmitschau sind derzeit in der Evangelische Schule für SozialwesenLuise Höpfner“ in Bad Lausick zu sehen ist. Für ihre Diplomarbeit an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst bekam die Fotografie-Studentin Christiane Eisler 1982/83 die Genehmigung, im Jugendwerkhof Crimmitschau zu fotografieren. Über mehrere Monate hinweg war sie immer wieder vor Ort, belichtete 90 Filme, die den Alltag und die innere Verfassung der dort lebenden 160 Mädchen auf subtile Weise und mit einem kritischen Blick einfangen. Eine Auswahl der Fotos werden in der berührenden Ausstellung „Die Jugend der anderen“ gezeigt. In Umfang und dokumentarischer Qualität gelten diese Aufnahmen als einmalig, denn die Jugendwerkhöfe waren eines der Tabu-Themen in der DDR. Protokolle „umerzogener“ Mädchen erweitern den Bildhorizont.

Dass die von der Gedenkstätte im einstigen Jugendwerkhof Torgau gestaltete Schau in Bad Lausick Station macht, hat einen triftigen Grund. „Die Auseinandersetzung mit diesem Kapitel schwärzester DDR-Pädagogik ist Teil unserer Erzieher-Ausbildung“, sagt Andreas Große von der Leitung der Bildungseinrichtungen. Fahrten in die Torgauer Erinnerungsstätte gehörten deshalb zum Programm für diese Klassen. Sie seien immer mit einem Vortrag zum Jugendhilfesystem der DDR und zur Rolle der Jugendwerkhöfe, einem Besuch der Dauerausstellung und der Dunkelzellen und einem Zeitzeugengespräch verbunden. Diese Auseinandersetzung verdeutliche, „wie viel Macht institutionalisierte Erziehung haben und wie viel Ohnmacht sie auslösen kann. Auch dieses Kapitel der Berufsgeschichte von Erziehern braucht Aufmerksamkeit.“

Anzeige

Die Auseinandersetzung schärfe den Blick auf die in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschriebenen Rechte für Kinder und Jugendliche und auf die Verantwortung, das eigene Tun immer wieder daran zu orientieren und auszurichten.

Dreißig Jahre später hat die seit 1991 für die Fotoagentur Transit tätige Eisler ehemalige Bewohnerinnen der Einrichtung in Crimmitschau ausfindig gemacht und erneut fotografiert. Sie erzählen über sich und ihr Leben, berichten über damalige Erlebnisse und beschreiben, welche Auswirkungen die Monate im Jugendwerkhof auf ihr gesamtes Leben hatten. Materialien wie Wochenberichte sowie Tages- und Wochenpläne aus den Jahren 1981bis1983 ergänzen die Dokumentation. Gemeinsam mit der Fotografin hat die Leipziger Journalistin Gundula Lasch diese Interviews geführt.

Die Ausstellung in der Evangelischen Schule ist bis 23. Mai jeweils dienstags und donnerstags von 17 bis 20 Uhr zugänglich und kann jederzeit nach Voranmeldung unter der Telefonnummer 034345/7240 besucht werden.

Von Ekkehard Schulreich