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Geithain Frohburger Bahnhof hat endlich einen Investor gefunden
Region Geithain Frohburger Bahnhof hat endlich einen Investor gefunden
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12:00 06.09.2019
Der Bahnhof als Visitenkarte einer Stadt: 1872 wurde der Frohburger eröffnet. Seit Jahren verfällt er, weil die (S-)Bahn nur einen Bahnsteig braucht. Quelle: Jens Paul Taubert
Frohburg

150 Jahre nach der Einweihung des Frohburger Bahnhofs könnte das markante Gebäude, das seit Jahren leer steht und verfällt, zumindest äußerlich bereits saniert sein. Zu diesen Hoffnungen berechtigt ein Unternehmer aus Baden-Württemberg mit einem Faible für historische Bahnstationen. Der Stadtrat stimmte am Donnerstag einhellig zu, ihm als Privatperson das Baudenkmal zu verkaufen.

Zuvor hatte die Verwaltung über Jahre so intensiv wie vergeblich nach einem Investor gesucht. Der Käufer verpflichtet sich, die Immobilie binnen eines halben Jahrzehnts auf Vordermann zu bringen; anderenfalls fällt sie an die Stadt zurück. Eröffnet wurde das Empfangsgebäude an der Strecke LeipzigChemnitz 1872. Die heute hier stoppende S-Bahn nutzt nur noch den Bahnsteig.

Hat die letzte Stunde geschlagen – oder beginnt endlich eine neue Zeitrechnung? Quelle: Jens Paul Taubert

Wohnen, Gewerbe, Gastronomie im Bahnhof in Frohburg geplant

„Aus einem Schandfleck ein Schmuckstück zu machen“, sei sein erklärtes Ziel, versichert Investor Hubert Herr. „Ich finde Bahnhöfe toll, man kann so viel daraus machen.“ Zwar sei die Sanierung eines solchen Gebäudes komplex und mit Unwägbarkeiten versehen, doch habe er auf diesem Gebiet Erfahrungen, meint er mit Verweis auf mehrere Bahnhöfe in acht Bundesländern, die er vor dem Verfall bewahrt hat. Ein Referenz-Objekt ist Preetz in Schleswig-Holstein; in Bayern startet nächste Woche die Sanierung eines weiteren Bauwerks.

Der Bahnhof Frohburg soll 2021 saniert werden. Quelle: Jens Paul Taubert

Herr hatte sich und ein erstes grobes Nutzungskonzept im nicht öffentlichen Teil des Technischen Ausschusses vorgestellt. Aus der Beratung dort resultierte der Beschlussvorschlag zum Verkauf, den Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) nun vorlegte. Gegenüber der LVZ spricht er von drei Säulen der künftigen Nutzung der 1400 Quadratmeter Fläche: Gastronomie inklusive Außenterrasse, Büros/Gewerbe und Wohnungen.

Im linken Flügel könne gern auch der Frohburger Polizeiposten unterkommen, der sein Domizil im Hintergebäude des Rathauses verlassen muss. Er werde das Dach neu decken, Fenster und Fassade erneuern und das Innere umbauen, kündigte Hubert Herr an: „Starten werden wir erst 2021, um vorher andere Projekte abzuschließen.“ Zudem rechne er damit, dass die Genehmigungsverfahren Zeit benötigten. Er beziffert die geplante Investition auf knapp eine Million Euro.

Stadt Frohburg müsste in teure Sicherung investieren

„Es wäre eine Schande, würde unser Bahnhof weiter verfallen“, sagte Hiensch. Käme ein Verkauf in diesem Jahr nicht endlich zustande, müsse die Kommune in Größenordnungen investieren, um zumindest den Substanzverlust aufzuhalten. Für Planungen und erste Sicherungen brauche man mindestens 100.000 Euro, für nötigste Instandsetzungen eine Viertelmillion Euro. Dass das geschichtsträchtige und architektonisch wertvolle Gebäude gerettet werden müsse, stehe außer Zweifel. Doch einen ernsthaften Interessenten, der zur Kaufabsicht ein Finanzierungs- und Nutzungskonzept vorlegte, habe man bisher nicht finden können.

Die Stadt hatte den verwaisten Bahnhof 2012 erworben – „nicht ganz freiwillig“, wie Hiensch anmerkte. Damals sei es um den Ausbau der Verknüpfungsstelle zwischen S-Bahn und Bus und um Parkplätze gegangen, aber natürlich auch darum, dem ungenutzten und dem Vandalismus ausgesetzten Baudenkmal eine Perspektive zu geben.

Der Bahnsteig wurde hergerichtet für die S-Bahn. Das Gebäude aber war für den Bahnkonzern längst entbehrlich geworden. Quelle: Jens Paul Taubert/LVZ-Archiv

Stadtrat teilt die Hoffnungen des Bürgermeisters

Hatte die Stadt die Immobilie ursprünglich für einen Mindesterlös von 25.000 Euro ausgeschrieben, zahlt der Käufer nun nur 15.000 Euro. Angesichts des Instandhaltungsstaus sei das für die Stadt dennoch eine große Entlastung, so der Bürgermeister. Gelinge es dem Käufer nicht, binnen fünf Jahren die äußere Hülle wieder herzustellen, werde der Vertrag gegenstandslos.

Hiensch sicherte „größtmögliche Unterstützung im Sinne der Sanierung des Gebäudes und der Umfeldgestaltung“ zu. Allerdings hätten auch andere Gremien Gewichtiges mitzureden, so die Denkmalpflege-Behörden und das Eisenbahn-Bundesamt. Mit der Denkmalpflege des Landkreises habe man bereits in dieser Woche ein Gespräch geführt.

„Wir müssen es angehen. Unter den gegebenen Umständen wurde das Optimum rausgeholt“, sagte Andreas Mertin (Linke). Die Rückfall-Klausel sei „eine gewisse Absicherung“. Der Stadtrat verzichtete auf eine größere Diskussion. Er fasste einstimmig den Beschluss, den Bahnhof zu verkaufen.

Frohburg: Endlich Bahnhof verstehen

Dass Bahnhöfe Künder eines neuen Zeitalters waren, diese Zeit ist längst passé. Die Kathedralen des Fortschritts sind vielerorts mürbe geworden, sind abgehängt von allen Entwicklungen selbst dort, wo am Bahnsteig noch Züge stoppen. Frohburg immerhin ist in der komfortablen Lage, am Mitteldeutschen S-Bahn-Netz zu liegen.

Vom Wert, den Bahnhöfe einst hatten, spricht nicht nur die Gebäudegröße, sondern auch die anspruchsvolle architektonische Gestaltung. Dafür müssen sich doch neue, zeitkonforme Nutzungen finden lassen, die das bewahrenswerte Alte mit dem praktikablen Neuen zu verbinden wissen. Dem Frohburger Investor ist eine glückliche Hand zu wünschen. Die nicht immer freudvollen Erfahrungen, die er bei seinem Engagement für die Erhaltung von Bahnstationen bisher machte, werden ihm nützlich sein. Selbst wenn er bekennt, Bahnhöfe nun zur Genüge zu haben, spürt man: Frohburg auf jeden Fall soll es noch sein.

Die Zeichen, dass es gelingt, stehen nicht schlecht. Die Nachfrage nach Wohnraum ist in der Stadt seit Jahren hoch, nicht nur nach Eigenheim-Bauplätzen, auch nach Wohnungen. Großstadt-Müde entdecken in größerer Zahl das grüne Umland als attraktiven Wohnort. Frohburg, Nahtstelle zwischen Leipzigs südlichen Seen und Kohrener Land, liegt strategisch günstig. Und wenn dann noch die Anschlussstelle Frohburg der A 72 gebaut würde...

2022 ist eine Jahreszahl mit Gewicht: Der Frohburger Bahnhof wird 150. Bürgermeister Wolfgang Hiensch setzt sich nach 32 Amtsjahren zur Ruhe. Den Bahnhof dann gesichert zu wissen, wäre ihm ein passables Abschiedsgeschenk. Und für alle, die Frohburg per Bahn erreichen, wäre der Bahnhof wieder eine Landmarke, die überzeugt.

e.schulreich@lvz.de

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