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Geithain Geithain: Denkmalstreit um Rittergut Ossa
Region Geithain Geithain: Denkmalstreit um Rittergut Ossa
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17:48 11.07.2019
In der alten Bäckerei in Ossa ist seit Jahrzehnten der Ofen aus. Das Haus am Berg, ein Denkmal, steht einem Ausbau der Kreisstraße im Weg. Quelle: Jens Paul Taubert
Geithain/Ossa

Ein Zwangsgeld von bis zu 3800 Euro will der Landkreis Leipzig der Stadt Geithain auferlegen, falls die nicht bis Ende September am Baudenkmal Ossaer Rittergut Sicherungsarbeiten vornimmt. Bemängelt wird vor allem das schadhafte Dach. Bürgermeister Frank Rudolph (UWG) nennt den Bescheid einen schlechten Witz. Würde er die Auflagen erfüllen, kostete das „an die 100 000 Euro. Jeder einzelne Euro, den wir da reinstecken, ist für mich eine Verschwendung von Steuergeld“. Denn eine Nutzung gebe es für die Immobilie nicht. Über Kreuz mit den Denkmalpflegern sieht sich der Bürgermeister aber nicht nur in diesem Fall.

Dieser Teil des Herrenhauses macht auf den ersten Blick einen ganz guten Eindruck. Das große Problem verbirgt links die Mauer zum Kirchhof. Der Anbau dort ist völlig marode. Die Denkmalbehörde hält das für reparabel. Quelle: Jens Paul Taubert

Ossa, ein Dorf südlich von Geithain. Auf einer Kuppe über dem Bach Reste des Rittergutes, die Kirche, die Schule. Melchior von Osse (1506 bis 1557), der bekannteste Sohn, Rechtsprofessor in Leipzig, gilt als Begründer der Finanzwissenschaft. Als die Familie von Bastineller Mitte des 18. Jahrhunderts das Gut übernahm, stand das Herrenhaus mit der Tordurchfahrt bereits. In den DDR-Jahren unter anderem zu Wohnzwecken genutzt, steht es samt Anbauten seit vielen Jahren leer. Schon die Gemeinde Narsdorf hatte keine Verwendung mehr dafür und suchte vergeblich einen Käufer; Geithain erbte mit der Eingliederung Narsdorfs das Thema.

Denkmalschützer sehen öffentliches Interesse – Kommune will abreißen

„Die Denkmalschutzbehörde beruft sich immer wieder auf das öffentliche Interesse. Für mich ist das öffentliche Interesse der Rückbau“, sagt Rudolph. Auf dem Platz könnten mehrere Eigenheime entstehen. Daran ließe sich die viel zitierte Förderung des ländlichen Raumes konkret machen. Auf dem Areal gibt es bereits ein Einfamilienhaus, und die Feuerwehr errichtete hier ihr Depot. Von einem bewahrenswerten Denkmal-Ensemble könne schon lange keine Rede mehr sein, denn wesentliche Flügel des Rittergutes seien längst verschwunden.

Bürgermeister Rudolph kündigt Widerspruch an

„Bei jedem Ortstermin sagt mir die Behörde: Wir haben haufenweise Interessenten. Bei mir hat sich aber keiner gemeldet“, sagt Rudolph. Die Stadt habe deshalb den Antrag gestellt, nicht nur das äußerst schadhafte Nebengebäude, sondern auch das Herrenhaus abzureißen. Die Reaktion: Auflagen zur Sicherung, Zwangsgeld-Androhung. „Wir gehen in Widerspruch. Ich wende mich an die Landesregierung. Das lasse ich mir nicht mehr gefallen.“

Für Andreas Große, langjähriger Narsdorfer Bürgermeister und jetzt Ortsvorsteher, ist das Nebengebäude, das an den Friedhof grenzt, nicht zu retten. Das Dach sei auf 20 Quadratmetern eingebrochen. Allein das zu reparieren, würde 10 000 Euro kosten: „Da gab es mal ein Angebot.“ Drei-, viermal habe die Gemeinde die Immobilie mindestens ausgeschrieben – ohne zählbaren Erfolg. Schon zu Narsdorfs Zeiten habe man deshalb einen Abriss erwogen, allerdings nur des Nebengebäudes.

Bauland in Geithain ist sehr gefragt

Wenige Meter entfernt, ab Abhang des Berges, steht beinahe auf der Straße die alte Bäckerei, ein verwaistes, verfallenes Fachwerkhaus. Ein Denkmal auch das – und eine Hürde beim Ausbau der Straße, den der Landkreis deshalb immer weiter hinaus schiebt. „Wir haben uns mit dem Eigentümer verständigt, würden das Haus kaufen und abreißen“, sagt Frank Rudolph. Dann könne der Kreis endlich bauen, doch dessen Denkmalbehörde stelle sich auch hier quer. Ähnlich sei es in Wickershain, wo ein privater Investor ein neues Wohngebiet erschließen wolle. Dem stehe ein altes Hofgebäude im Weg. Dabei sei Bauland in Geithain sehr gefragt, so der Bürgermeister: „Wir machen jetzt das B-Plan-Verfahren, reichen wieder alles ein – und werden sehen, was passiert.“

Kreis will Ensemble aus der Renaissance- und Barockzeit erhalten

Das Landratsamt will auf eine Einigung hinwirken. „Das ehemalige Rittergut Ossa hat zwar im Lauf der Zeit an Glanz verloren, aber es ist eine echte Besonderheit“, teilt Pressesprecherin Brigitte Laux mit. „Damit dieses fast vollständig erhaltene Ensemble aus der Renaissance- und Barockzeit nicht verloren geht, stehen dringende Notsicherungsmaßnahmen an.“ Die Denkmalschutzbehörden bemühen sich seit geraumer Zeit um die Sicherung der Gebäude und um eine gemeinsame Lösung mit der Stadt Geithain, so Laux weiter. „Da auch für die Sicherung Fördermittel möglich sind, würden wir nochmals auf die Stadt Geithain zugehen, um weitere Gefahren und den fortschreitenden Verfall abzuwenden.“

Die Nöte der Kommunen mit ihren Denkmälern könne sie schon nachvollziehen, da die Finanzen dringend woanders gebraucht werden. Aber es tue den Orten gut, auch steinernes „Brauchtum“ zu pflegen. „Denkmäler zeugen von der geschichtlichen Bedeutung des Ortes, von der heimischen Baukunst, vom Lebensstil und auch vom Selbstverständnis und führen – wenn sie gepflegt sind – zur Identifikation mit der Heimat“, findet Laux.

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