Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Geithain Geschichten aus dem DDR-Bus: Robur rollt in Bad Lausick
Region Geithain Geschichten aus dem DDR-Bus: Robur rollt in Bad Lausick
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:25 05.10.2018
Cathrin und Andreas Ludwig haben im rot-weißen Robur Platz genommen. Quelle: Jens Paul Taubert
Bad Lausick

Zu manchen Dingen, die einem widerfahren, kann jeder eine ganz eigene Geschichte beisteuern. Cathrin und Andreas Ludwig erleben das immer dann, wenn er wieder fährt: der feuerrote Bus Marke Robur oder der Fleischerbus mit seiner weiß-schwarzen Original-Lackierung von 1976. Noch ehe eine Hochzeits-Gesellschaft oder eine Junggesellen-Abschiedsrunde, ein in die Jahre gekommener Kollegenkreis oder Neuseenland-Interessierte sich überhaupt in die quietschenden Kunstleder-Polster sinken lassen, beginnt dieses „Weißt du noch?“ für Ludwigs, die seit der Mitte der 90er-Jahre in Bad Lausick einen Busreisebetrieb unterhalten. Die beiden Karossen aus der Produktion eines versunkenen Landes sind viel mehr als eine Ergänzung zum modernen VAN-HOOL-Reisebus: Sie sind ein Stückchen quicklebendiger Lebensgeschichte(n).

Einen Fleischerbus und einen Robur haben die Ludwigs aus Bad Lausick in ihrem Fuhrpark

Dass die zierliche Unternehmerin (54) sich gern selbst hinter das Lenkrad des Fleischerbusses setzt, es nicht allein ihrem Mann Andreas überlässt, überrascht. „Man braucht mehr Kraft, muss Zwischengas geben, zwischenkuppeln, muss anders einlenken – es ist ein schon etwas aufregender“, sagt sie. Wer einsteigt, trifft nicht nur auf ein Stück Nostalgie, sondern durchaus auch auf Komfort.

Die Leidenschaft für Oldtimer begann früh

Einen Fleischerbus bewundern, das konnte Andreas Ludwig schon in der DDR-Zeit. Sein Vater war Busfahrer beim VEB Kraftverkehr, Betriebsteil Bad Lausick. Deshalb kannte der Knirps den Fuhrpark des Betriebes ganz genau. Nach der Verstaatlichung des privaten Busunternehmens Weber in Bad Lausick wurden dessen zwei Fahrzeuge dem VEB unterstellt. „Die beiden Fleischerbusse stachen aus der Masse der Ikarusbusse natürlich heraus“, sagt der heute 56-Jährige. Ziemlich sicher sei da schon für ihn gewesen, dass er einmal Busfahrer werde. Vorher lernte er Kfz-Schlosser beim Kraftverkehr in Leipzig. In Bad Lausick arbeitete er bis zum Ende des VEB 1990.

Auf altem Betriebsgelände war Platz für Träume

In den Neunzigern aber kauften Ludwigs das Betriebsgelände von der Thüsac und bauten es um. Heute befindet sich hier das Reisebüro und es ist nicht nur Platz für Busse, sondern auch für historische Autos und Zweiräder. Die Begeisterung dafür rührt ebenfalls aus Kindertagen, sagt Andreas Ludwig: „Der Moped- und Fahrradhändler an der Burgstraße, an dem ich auf dem Weg zur Schule vorbei musste, hatte ein Wartburg-Cabriolet.“ 1994 konnte Ludwig einen dieser schnittigen Wagen kaufen und restaurieren.

Fünf Jahre dauerte der Aufbau des Robur-Busses

Apropos: Den Roburbus einer mittelsächsischen LPG, Baujahr 1978, wieder auf Vordermann zu bringen, war maßgeblich Sache von Helmut Eckert, einem Bad Lausicker mit goldenen Händen, der selbst Oldtimer-LKW sammelt und wieder zum Rollen bringt. Fünf Jahre habe der gebraucht, das in einer Scheune entdeckte Gefährt herzurichten. Wegen der Bequemlichkeit wurde die Zahl der Sitze von 21 auf 12 reduziert, die roten Vorhänge erneuert, zwei Tischchen eingebaut – einer trägt eine Tischleuchte aus der Langstrecken-Variante des Ikarus 55. „Motor, Getriebe, Achsen, Innenausstattung – alles ist neu“, sagt Andreas Ludwig, der den Bus gern einsetzt für Ausfahrten im kleinen familiären Rahmen.

Ausfahrten durch ganz Sachsen

Die Fritz Fleischer KG in Gera war der einzige private Bushersteller der DDR, seine Busse schon damals Kult. Seinen Fleischer fand Ludwig vor ein paar Jahren südlich von Berlin – und so gut gepflegt, dass er es aus eigener Kraft bis nach Bad Lausick schaffte. Seit 2017 steht er mit seinen 40 Plätzen wieder für Ausfahrten zur Verfügung. Die können durchaus auch mal über das Leipziger Land und das Muldental hinaus gehen, etwa nach Bärenstein ins Erzgebirge, als die Oldtimer-Enthusiasten des AMC Herrmannsbad Bad Lausick ein standesgemäßes Fahrzeug für ihre Wochenend-Tour brauchten.

Von Ekkehard Schulreich

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Um 32 Schlösser, Burgen und Herrenhäuser in Mitteldeutschland dreht sich ein neues Kartenspiel. Wie hieß die berühmte Nonne aus dem Kloster Nimbschen?

05.10.2018

Der heiße und trockene Sommer hat Folgen: Die Milchkühe der Agrargenossenschaft Rathendorf bekommen zwar ihr übliches Futter. Aufgrund des trockenen Sommers muss allerdings zugekauft werden.

05.10.2018

Der Awo-Kreisverband Mulde-Collm feiert sein 25-jähriges Dasein. Heute beschäftigt der soziale Dienstleister mit Sitz in Grimma 400 Leute in der Alten- und Jugendhilfe. Dabei war der Anfang schwer.

05.10.2018