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Geithain Glyphosat-Grenzwert in Zwenkauer See und Königsfelder Teichen überschritten
Region Geithain Glyphosat-Grenzwert in Zwenkauer See und Königsfelder Teichen überschritten
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14:48 11.01.2017
Ärzte-Protest gegen Glyphosat vor dem Landwirtschaftministerium (Symbolfoto). Quelle: obs
Borna

Wie stark und wie verbreitet in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzte Mittel zur Unkrautbekämpfung oder deren Abbauprodukte in die Böden und die Gewässer eindringen, das wird nicht nur deutschlandweit seit Jahren diskutiert. Der Streit entzündet sich unter anderem an Glyphosat, einem Stoff, der laut Weltgesundheitsorganisation im Verdacht steht, Krebs zu erregen. Wie gefährlich Glyphosat tatsächlich ist, darüber scheiden sich innerhalb der Europäische Union die Geister. Dennoch ist die Erlaubnis des Einsatzes 2016 erneut um anderthalb Jahre verlängert worden. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im sächsischen Landtag wollte es genauer wissen. Sie gab eine Studie in Auftrag, deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Sie dokumentiert Grenzwert-Überschreitungen bei Glyphosat und seinem Abbauprodukt AMPA im Zwenkauer See und in zwei Teichen im mittelsächsischen Königsfeld in unmittelbarer Nachbarschaft zu Geithain. Besagte Stoffe wurden zudem, allerdings in geringerer Konzentration, im Großteich des Eschefelder Teichgebietes und in einer Feldlache westlich von Großdeuben nachgewiesen.

Die Studie, für die im Herbst 2015/Frühjahr 2016 sachsenweit 17 Gewässer untersucht wurden, belege einen verbreiteten Eintrag von Pestiziden in Gewässer, folgert der Grünen-Abgeordnete Wolfram Günther, zugleich umweltpolitischer Sprecher seiner Fraktion: „Unterschiedslos trifft diese Feststellung Gewässer mit oder ohne naturschutzrechtliche Unterschutzstellung, Stand- oder Fließgewässer sowie solche, die offiziell als Badegewässer ausgewiesen sind.“ Die Analyse der Wasserproben zeige, „dass auch für die sächsische Landwirtschaft dringend Handlungsbedarf besteht“. Handeln müssten zudem die Behörden, um Gefährdungen auszuschließen. Das bekräftigt Tomas Brückmann von der Grünen Liga in Leipzig: „Wenn Glyphosat in Gewässer gelangt ist, bedeutet das, dass es nicht richtig angewendet wurde.“ Die Messergebnisse zeigten, welche Konsequenzen das habe – „auch wenn die Behörden argumentieren, wasserrechtlich wären die Ergebnisse nicht relevant. Starke Gewässerschadstoffe sind es auf jeden Fall – und sie gehören nicht dorthin.“ Neben der möglichen Gefährdung der menschlichen Gesundheit dürfe man nicht außer Acht lassen: Die Eschefelder Teiche sind ein Natur- und Vogelschutzgebiet von europäischem Rang.

„Tagebauseen wie der Zwenkauer befinden sich nicht im luftleeren Raum. Sie sind in den Wasserhaushalt des Gebietes eingebunden“, sagt Andreas Berkner, Stabsleiter des Regionalen Planungsverbandes Westsachsen. Es sei schwer zu ermitteln, auf welchem Weg diese Stoffe in den See gelangten. Über die Sumpfungswässer, die aus dem aktiven Bergbau nach Zwenkau gepumpt würden, kaum. Möglicherweise aber durch Wasser aus der Weißen Elster, gerade auch im Zuge des Hochwassers 2013. „Solche Dinge sollte man thematisieren, ihnen nachgehen“, so Berkner. Allerdings müsse man an den Tagebauseen auch andere Probleme lösen: den Eintrag von Eisen und Sulfat.

„Der Einsatz von Glyphosat ist breit gefächert und auf verschiedene Verursacher zurückzuführen“, sagt Konstanze Morgenroth, die stellvertretende Pressesprecherin des Landkreises Leipzig. Um Erkenntnisse zu gewinnen, habe das Umweltamt des Landkreises eine vertiefte Glyphosat- und AMPA-Analyse für den Zwenkauer See gefordert: „Die soll im Frühjahr in Abstimmung mit der LMBV stattfinden.“ Probenahmen im Herbst 2016 hätten keine Belastung erbracht, deshalb gelte: „Die bisher im Zwenkauer See einmalig festgestellten Konzentrationen stellen noch keinen Anlass zur Besorgnis dar.“ Unabhängig davon sollte die Landwirtschaft den Eintrag dieser Stoffe reduzieren.

Nur wenige Kilometer südöstlich der Kreisgrenze befinden sich der Speicher Schwarzbach und der Schlossteich Königsfeld, beide gespeist durch den kleinen Erlsbach, der Feldfluren entwässert. Hier hatte die Analyse ebenfalls Überschreitungen festgestellt. Die Studie war für das Landratsamt Mittelsachsen Anstoß, das Landesamt für Umweltschutz, Landwirtschaft und Geologie ins Boot zu holen. „Wir wollten wissen, wie das Untersuchungsergebnis zu werten ist“, sagt Pressereferentin Cornelia Kluge. Immerhin hätten sich die hohen Messwerte im Frühjahr 2016 nicht bestätigt.

„Für Oberflächenwasser gibt es hinsichtlich von Glyphosat und AMPA keine gesetzlich geregelte Umweltqualitätsnorm“, erklärt Karin Bernhardt, Sprecherin der Landesbehörde. Für Trinkwasser gälten 0,1 Mikrogramm pro Liter als Obergrenze. Bernhardt bestätigte die Messergebnisse der Studie; eine Zuordnung der Schadstoffe zu einem konkreten Verursacher sei indes nicht möglich. „Allerdings ist für den Erlsbach 2017 ein Ermittlungsmessnetz geplant, das unter anderem zur Aufklärung dieser Befunde beitragen soll.“

Von Ekkehard Schulreich

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