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Geithain Meinhard Schatz – seit 70 Jahren Feuerwehrmann
Region Geithain Meinhard Schatz – seit 70 Jahren Feuerwehrmann
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12:44 30.12.2016
Seit 70 Jahren Feuerwehrmann und jetzt geehrt – Meinhard Schatz (M.) in Glasten. Die Gratulanten (v. l.): Jörg Lachmann, stellvertretender Wehrleiter in Glasten; Karsten Dathe, der Glastener Wehrleiter; Ortsvorsteher Andreas Dathe sowie David Zühlke, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes.
Seit 70 Jahren Feuerwehrmann und jetzt geehrt – Meinhard Schatz (M.) in Glasten. Die Gratulanten (v. l.): Jörg Lachmann, stellvertretender Wehrleiter in Glasten; Karsten Dathe, der Glastener Wehrleiter; Ortsvorsteher Andreas Dathe sowie David Zühlke, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes. Quelle: Andreas Döring
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Bad Lausick/Glasten

Einmal Feuerwehrmann, immer Feuerwehrmann: Für Meinhard Schatz ist dieser Satz seit sieben Jahrzehnten Lebensmaxime. Als 16-Jähriger trat er im ersten Friedensjahr 1946 der Freiwilligen Feuerwehr Glasten bei, fungierte 21 Jahre als Wehrleiter, ist heute, inzwischen 86, nicht mehr aktiv, doch noch immer mit dem Herzen dabei. Mit dem Ehrenkreuz würdigte der Kreisfeuerwehrverband des Landkreises Leipzig am Mittwoch dieses ehrenamtliche Engagement. Mit einer Auszeichnung, die der Verband selbst initiiert habe, sagt dessen Vorsitzender David Zühlke, denn in Sachsen ende die offizielle Ehrung nach 60 Jahren Mitgliedschaft: „Zu früh, denn wir haben viele, die deutlich länger dabei sind.“ Ihnen persönlich zu gratulieren, sei ihm ein Bedürfnis, stünden diese Altgedienten vorbildhaft für eine Zeit, „da es Ehrensache war, in der Feuerwehr zu sein“.

Die Entscheidung, in die Feuerwehr zu gehen, reifte in Meinhard, als er gerade neun war. Damals, 1939, stand plötzlich die von seinem Großvater Oswald Schatz gegründete Tischlerei in Glasten in Flammen. Die Glastener Pflichtfeuerwehr sei schnell am Ende ihres Lateins gewesen: „Plötzlich rollte die Bad Lausicker Feuerwehr an. Die rettete das Wohnhaus. Dieser starke Eindruck ist geblieben.“ 1946 trat er der inzwischen gebildeten Freiwilligen Wehr bei; Wehrleiter war damals sein Vater Albert. Und von dem übernahm er 1961 dieses Amt: „Du kannst das, sagte er zu mir – aber bedenke: Mache es richtig oder gar nicht. Die Menschen merken das.“ Ein Ausspruch, den der Jubilar nie vergaß in all den Jahrzehnten. Wie richtig er lag, zeigte am Mittwoch die Schar der Gratulanten: Neben Zühlke waren das der heutige Wehrleiter Karsten Dathe und sein Stellvertreter Jörg Lachmann sowie der Ortsvorsteher Andreas Dathe. Schatz selbst gehört inzwischen zu den Letzten seiner Generation. Ältester Feuerwehrmann in Glasten ist indes Helmut Pluntke (91), mit dem er 2015 beim 75-jährigen Bestehen der Wehr durch das Dorf gefahren wurde. „Für mich sind die Feuerwehr jene Menschen, mit denen man ein ganzes Leben verbracht hat“, sagt Schatz, verweist auf die Tradition, Jungvermählte mit einem Spalier zu begrüßen, wie jene, am Grab eines Kameraden gemeinsam Abschied zu nehmen.

Meinhard Schatz, der 1959 die Meisterprüfung als Tischler ablegte, durfte erst 1981 den Familienbetrieb übernehmen. Blickt er auf seine Feuerwehr-Jahrzehnte zurück, erinnert er sich an den Bau des Gerätehauses und den Aufbau einer Frauengruppe, an republikweite Erfolge im Feuerwehrkampfsport und an eine kontinuierliche Nachwuchsarbeit – und an Feste, mit der die Wehr zum Dorfleben beitrug. Bis heute, bestätigte Ortsvorsteher Andreas Dathe, der unter Wehrleiter Meinhard Schatz Mitglied der Jugendwehr wurde, sei die Feuerwehr unverzichtbar für das Dorf: für die Sicherung des Brandschutzes, von der nicht zuletzt baurechtliche Fragen und damit der Zuzug junger Familien abhingen, aber auch für die Dorfgemeinschaft, die die Menschen verbinde.

Heutzutage habe die Feuerwehr mit Personalproblemen zu kämpfen, sagt Wehrleiter Karsten Dathe. Vor allem die Mittzwanziger bis Enddreißiger fehlten. Immerhin habe man eine sehr starke Jugendwehr: „Wenn die Hälfte von denen dabei bliebe, wir wären glücklich.“ Zurzeit läuft die Ausschreibung für ein neues Löschfahrzeug, das die Stadt Bad Lausick für Glasten beschaffen will und das gemeinsam mit der Nachbar-Wehr Ballendorf besetzt wird. Die Gewinnung neuer engagierter Mitglieder sei sachsen- und bundesweit die wohl größte Herausforderung, meinte David Zühlke. Allein im Landkreis Leipzig verlören die Wehren 50 und mehr Mitglieder Jahr für Jahr. Das lasse sich allein durch eine engagierte Jugendarbeit nicht kompensieren: „Hier muss die Landespolitik gegensteuern.“

Von Ekkehard Schulreich