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Geithain Interessenten streiten um Kohrener Grundstück
Region Geithain Interessenten streiten um Kohrener Grundstück
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10:46 10.05.2019
Stadtpolitik für Kohren-Sahlis wird inzwischen nicht mehr im Kohrener Rathaus gemacht. Den aktuelle Konflikt um ein Grundstück hat Frohburg allerdings „geerbt“. Quelle: Jens Paul Taubert/LVZ-Archiv
Frohburg/Kohren-Sahlis

Ein grünes Grundstück in Kohren-Sahlis, zwei Kaufinteressenten, die sich seit 2004 beziehungsweise 2014 erfolglos darum bemühen: Dass der Frohburger Stadtrat am Donnerstagabend beschloss, die Fläche als Bauland auszuschreiben, sorgte bei beiden Bewerbern kaum für Erleichterung.

In ihren Augen schaffe diese Entscheidung nicht Klarheit. Sie überdecke lediglich, was beide der Stadt Kohren-Sahlis noch zu Zeiten ihrer Eigenständigkeit vorwerfen: intransparentes Handeln.

Kaufinteressent: Hochwasser-Gefahr kein Hindernis

Er fühle sich über Jahre hingehalten und nun ausgebootet, sagt Friedrich Theile. Er möchte auf dem Areal seit fünf Jahren ein Einfamilienhaus bauen. Um die Bebaubarkeit nahe am gern schnell und stark anschwellenden Flüsschen Katze zu klären, stellte er 2015 eine Bauvoranfrage an das Landratsamt. Ergebnis: Die Fläche liege nicht im Überschwemmungsgebiet nach Wassergesetz, es könne aber zu Überflutungen kommen; der Bauherr müsse „eigenverantwortlich Vorsorge tragen“. Dazu wäre Theile bereit. „Ich wohne seit 60 Jahren nah am Fluss. Wir leben mit Hochwassern. Man kann bauen, wenn man das berücksichtigt.“

Ralph Oberländer vor dem Wiesengrundstück, rechts im Bild hinter Sträuchern der Lauf der Katze und sein Haus auf dem Nordufer. Quelle: Ekkehard Schulreich

Länger noch als Theile, seit 2004 bereits, liebäugelt Ralph Oberländer von der nördlichen Flussseite mit dem Grundstück. Er wolle nicht bauen, sagt der, sondern die Obstwiese als Refugium und Überflutungsfläche sichern.

Obwohl beide um das Grundstück konkurrieren, verbindet sie das Unverständnis darüber, dass Kohren-Sahlis über Jahre keine Entscheidung traf. Tatsachen wurden geschaffen, als die Stadt sich mit dem Kleingarten-Regionalverband über die Herauslösung des großen Grundstücks aus der Gartenanlage und dessen Dreiteilung verständigte. Auf einer Teilfläche entstand eine Physiotherapie.

Pächter aus Kohren-Sahlis fühlen sich hintergangen

„Man hat uns damals nicht mal informiert. Dabei war ich derjenige, der sich kümmerte, dass die Gärten überhaupt ausgegliedert wurden“, sagt Theile. Er fühle sich hintergangen. Der Kaufpreis, der jetzt im Frohburger Verkaufsbeschluss aufgerufen wird – 30 Euro pro Quadratmeter – , gehe angesichts dessen nicht in Ordnung, auch wenn sich die Stadt auf die neuen Bodenrichtwerte des Gutachterausschusses stütze: „Ich vermisse bei all den Vorgängen um das Grundstück die Transparenz.“

Er meint damit auch die Information darüber, dass die Pachtverträge, die er selbst und Ralph Oberländer für Teilflächen besäßen, bereits 2017 annulliert worden seien. Das habe er erst vor drei Tagen erfahren und bis zuletzt Pacht an den Regionalverband gezahlt. Oberländer seinerseits hatte am Sitzungstag das Rathaus informiert, dass er Widerspruch gegen die Aufhebung des Pachtvertrages einlege.

Bürgermeister Hiensch: Rechtslage ist klar

Trotz dieser Gemengelage ist für Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) „die Gesetzeslage eindeutig. Es tut Not, dass man die Sache mal bearbeitet. Wir in Frohburg tun das. Die Antragsteller haben das Recht, endlich eine Antwort zu erhalten.“ Es gebe mehrere Bewerber und keine wirksamen Pachtverträge; deshalb müsse man ausschreiben. Und was die Hochwasser-Gefährdung betreffe: Es gebe Interessenten, „denen ist das Risiko bewusst“.

Runkwitz: Fläche für Hochwasser-Schutz sichern

Siegfried Runkwitz (Linke) riet von einem Verkauf als Bauland ab. „Wenn dort ein Haus steht, will das Wasser woanders hin“, gefährde also andere. Die Fläche soll statt dessen dem Hochwasserschutz dienen.

Für die Ausschreibung plädierte Siegmund Mohaupt (CDU), letzter Bürgermeister von Kohren-Sahlis und Ortsvorsteher: „Wenn das Rückhaltebecken Terpitz kommt, haben wir das Problem wenigstens teilweise gelöst.“ Während Wolfram Gabler (CDU) „erhebliche Zweifel“ an der Rechtmäßigkeit der Grundstücks-Herauslösung zu Kohrener Zeiten artikulierte, forderte Fraktionskollege Michael Franke, in der Ausschreibung ein „ortsbildtypisches Bauwerk“ zu verankern. Dazu erklärte Hiensch sich bereit.

Bei sechs Gegenstimmen und einer Enthaltung beschloss der Stadtrat, das Grundstück in der Töpferstraße als Baugrundstück für ein Einfamilienhaus auszuschreiben.

Kommentar: Fragen bleiben offen zu Kohrener Grundstück

Um Bauplätze für Einfamilien-Häuser ging es gleich mehrfach in der Sitzung des Frohburger Stadtrates am Donnerstagabend. Die Nachfrage nach Grundstücken ist seit Jahren ungebrochen hoch – nicht nur in der Kernstadt Frohburg, sondern auch in den Ortsteilen. Dass sich Verwaltung und Parlament intensiv dafür einsetzen, geeignete Flächen für Bauwillige auszuweisen, ist eine richtige Strategie. Nicht immer sind das Vorhaben, die schon in den nächsten ein, zwei Jahren umsetzbar sind. Manches braucht länger, doch auch mittelfristig zu planen, zeugt vom Verantwortungsbewusstsein der Kommune – und von Weitsicht.

Parallel dazu ist Frohburg offenbar bemüht, Hausaufgaben zu erledigen, die der Kommune mit der Eingliederung von Kohren-Sahlis auf den Tisch gepackt wurden. Auch hier geht es um Immobilien – Häuser wie Grundstücke – für die die öffentliche Hand keine Verwendung hat. Sie deshalb in Hände zu geben, die daraus etwas entwickeln, ist konsequent. Der Beschluss, ein ehemaliges Gartengrundstück an der Töpferstraße jetzt als Bauland auszuschreiben, reiht sich ein in diese Strategie. Aus Frohburger Verwaltungssicht scheint die Sache unstrittig. Höchste Zeit werde es, sagte Bürgermeister Wolfgang Hiensch, eine solche Klärung herbeizuführen.

Dass es mindestens in Details offene Fragen gibt, zeigte die kontroverse Diskussion, die sich im Stadtrat entspann. Mehreren Parlamentariern war nicht wohl dabei, wie die Sache über die Bühne ging. Kohrener, jetzt Frohburger Abgeordnete hätten Erhellendes sagen können. Etwa dazu, warum langjährige Kaufinteressenten so lange im Ungewissen blieben. Diese Chance wurde nicht genutzt.

e.schulreich@lvz.de

Von Ekkehard Schulreich

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