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Geithain Kies-Laster nerven Anwohner in Wernsdorf
Region Geithain Kies-Laster nerven Anwohner in Wernsdorf
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09:08 21.12.2018
Im Kieswerk Frohnsdorf soll die Produktion 2019 durchstarten.
Im Kieswerk Frohnsdorf soll die Produktion 2019 durchstarten. Quelle: Mario Jahn
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Penig/Wernsdorf/Niedersteinbach

Noch läuft die Kiesgrube Frohnsdorf, westlich von Niedersteinbach im Thüringischen gelegen, im Probebetrieb. Doch schon jetzt hat der Lkw-Verkehr in den umliegenden Dörfern erheblich zugenommen. Besonders betroffen ist die Staatsstraße 57, die durch Niedersteinbach und Wernsdorf zur B 175 und zur Anschlussstelle Penig der A 72 führt.

In den betroffenen Orten auf sächsischer wie thüringischer Seite formiert sich Widerstand. Die Bürgerinitiative Beiern fordert, für alternative Transportwege außerhalb der Dörfer zu sorgen. Denn wenn 2019 die Anlage richtig laufe, würden täglich – nach Aussagen der Heim Kiesbetriebe Altenburger Land – bis zu 2500 Tonnen Kies versendet. Das entspreche 90 Lkw-Ladungen. 60 Prozent dieser Last soll durch Sachsen rollen.

Wernsdorfer leiden unter Lärm und Schmutz

Dass die Wernsdorfer Ortsdurchfahrt den Rang einer Staatsstraße hat, sieht man ihr nicht an. Sie ist schmal, ausgefahren, verfügt über keine Gehwege. „Die Kinder müssen von den Eltern zur Bushaltestelle gebracht werden. Die kann man nicht alleine losschicken, schon gar nicht, wenn es früh noch dunkel ist“, sagt eine Anwohnerin.

Das Kieswerk in Frohnsdorf. Quelle: Mario Jahn

Das Haus der Familie befindet sich unmittelbar an der Straße. Anderthalb Meter neben dem Wohnzimmer-Sofa brettern die Lkw vorbei. Das Gebäude, 1836 errichtet, leidet unter den Erschütterungen wie die Bewohner unter der potenziellen Gefährdung, unter Lärm und Schmutz. „Der Abbau in Frohnsdorf läuft ja gerade erst an. Deshalb wird es auf jeden Fall schlimmer", fürchtet die Frau. Sie sieht das Abbau-Unternehmen in der Verantwortung, durch andere Routen das Problem einzudämmen. Und die Politik in der Pflicht, die Einwohner zu unterstützen. Denn in den Nachbardörfern sei die Situation vergleichbar gravierend.

Alternative Route prüfen

„Wir fordern eine zeitnahe Lösung in Zusammenarbeit mit den Bürgermeistern der umliegenden Gemeinden Niederhain, Nobitz, Göpfersdorf und Penig, den Verantwortlichen der Agrarbetriebe, des Thüringer Bergamtes, dem Landrat und der Heim-Gruppe sowie Vertretern der Bürgerinitiative. Es muss zeitnah eine Prüfung einer alternativen Route erfolgen“, sagt Steffi Enge von der Bürgerinitiative Beiern.

„Ziel sollte es sein, dass alle an einem Strang ziehen und gemeinsam nach machbaren Lösungen suchen. Wir sollten uns bewusst sein, dass jetzt Entscheidungen getroffen werden, die über 30 bis 40 Jahre Bestand haben werden. Es sollte doch möglich sein, eine Trassenführung zu finden, die kein Dorf belastet.“ Die Initiative wird von 140 Menschen unterstützt, darunter aus Langenleuba-Oberhain, Niedersteinbach und Wernsdorf.

Unternehmen zeigt Verständnis für die Sorgen der Anwohner

Auf einer Bürgerversammlung in Langenleuba-Niederhain Ende November hatte das Unternehmen Verständnis für die Sorgen der Anwohner gezeigt. Er verstehe die Eltern gut, weil er selbst kleine Kinder habe, sagte Firmen-Chef Philipp Heim. Er versprach ausdrücklich, die Option einer Umgehungsstraße zu prüfen.

Die Bürgerinitiative Beiern stört sich an den Plänen der Firma Heim. Quelle: Jörg Reuter

Er verwies aber auch darauf, dass der heutige Heim-Verkehr auf einem Niederhainer Gemeinderatsbeschluss von 1999 beruhe, der gültig sei und dem Unternehmen eben dies gestatte. „Deswegen sind wir davon ausgegangen, dass es keine Probleme geben wird.“ Nichtsdestotrotz sei seinem Familienbetrieb sehr daran gelegen, sich mit den Bürgern zu arrangieren. Zusagen könne er freilich nicht, dass die gewünschte Umgehung komme – einfach, weil sie noch nicht existiere und neu gebaut werden müsste.

Bürgermeister Thomas Eulenberger will Umgehung bauen

„Dann sollte alles daran gesetzt werden, sie zu bauen“, sagt der Peniger Bürgermeister Thomas Eulenberger (CDU). „Wir sind mit dem Sandabbau groß geworden in der Region und müssen damit zurechtkommen. Schließlich bedeutet er auch eine Wertschöpfung.“

Der Peniger Bürgermeister Thomas Eulenberger Quelle: Jens Paul Taubert

Das entbinde aber nicht von der Verantwortung, nach einer Lösung zu suchen, mit der alle leben könnten. Nach seiner Kenntnis gebe es einen Wirtschaftsweg, der zur B175 bei Markersdorf herüberführe und die Dörfer nicht berühre. „Da müssten nur rund 500 Meter ausgebaut werden. Das sollte doch möglich sein.“ Dann könnten die Laster am sogenannten Raber die Bundesstraße erreichen und über den Zeisig zur Autobahn rollen.

Abgesehen von den aktuellen Erfordernissen durch den Kiesabbau äußert Eulenberger Kritik am Landesamt für Straßenbau und Verkehr, das für die Staatsstraße 57 verantwortlich sei: „Schon weil sie ein Zubringer zur A 72 ist, müsste sie längst ausgebaut sein. Aber sie rangiert nur in Kategorie drei, sehr geringer Bedarf. Das ist nicht angemessen.“

Von Ekkehard Schulreich