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Geithain Krise in Venezuela beschäftigt auch Sächsische Bläserphilharmonie
Region Geithain Krise in Venezuela beschäftigt auch Sächsische Bläserphilharmonie
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09:32 19.09.2018
Die Sächsische Bläserphilharmonie mit Thomas Clamor (M.) bei einem Besuch in Venezuela und der Akademiearbeit mit venezuelanischen Musikern. Quelle: Bläserphilharmonie
Bad Lausick

Dass venezolanische Musiker gemeinsam mit der Sächsischen Bläserphilharmonie in Bad Lausick auf der Bühne standen, liegt viereinhalb Jahre zurück. Noch länger her ist die Konzert- und Akademie-Reise des Orchesters nach Venezuela 2012. Damals strahlte die musikpädagogische Arbeit mit Heranwachsenden vom Rand der Gesellschaft, der sich die Staatsstiftung El Sistema widmet, auch international aus. Professor Thomas Clamor, Chefdirigent der Bläserphilharmonie, engagierte sich seit der Jahrtausendwende intensiv dafür. Er baute erste lateinamerikanische Brass-Akademie und das Venezuelan Brass Ensemble auf. Diese Erfolge scheinen aktuell sehr fern, denn das Land befindet sich in einem dramatischen Niedergang. Die Inflation nähert sich der Marke von einer Million Prozent. 2,3 Millionen Venezolaner haben ihre Heimat verlassen.

„Diesen Niedergang zu sehen und nicht helfen zu können, schmerzt“, sagt Thomas Clamor. Mehrmals im Monat habe er Kontakt mit Menschen des lateinamerikanischen Landes, mit denen ihn eine enge Zusammenarbeit, oft Freundschaft verbinde. El Sistema, die jetzt Funda Musical heiße, versuche seit vier Jahrzehnten, mehr als einer Million Kindern aus den Armenvierteln über die Musik eine Perspektive, Selbstbewusstsein, Lebensmut zu geben – und neben einer musikalischen Ausbildung, Obdach, Essen und Kleidung. Diese Betreuung werde in Zeiten der akuten Krise mit Mühen aufrecht erhalten.

Bläserakademie seit 2012 mit im Boot

Für den 55-Jährigen, der diese Arbeit über anderthalb Jahrzehnte maßgeblich begleitete, ist das von unschätzbarem Wert. Als er 2011 das Chefdirigat der Bläserphilharmonie übernahm, band er das Orchester und die Deutsche Bläserakademie prompt mit ein, denn „Musikvermittlung ist für uns ein großes Thema“. 2012 – dank Unterstützung durch das Auswärtige Amt und das Goetheinstitut – gab das Ensemble nicht nur Konzerte in Venezuela, sondern arbeitete mit Kindern „selbst in den entlegensten Provinzen. Wir haben Impulse für unsere eigene Arbeit bekommen“, so Clamor. Und weiter: „Was wir erleben durften, sprengt in vielerlei Hinsicht unsere Lehrbücher. Die Kollegen schwärmen noch heute davon.“ 2014 waren venezolanische Musiker in Bad Lausick zu Gast, die gemeinsame CD „Alma Llanera“ wurde eingespielt, darauf ein Stück eines venezolanischen Komponisten, für die Bläserphilharmonie geschrieben.

Im Herbst 2015 weilte Clamor zuletzt in Venezuela. „Seither halten mich Sicherheitsgründe davon ab zu fahren“, sagt er. Statt dessen arbeitet er in Bad Lausick mit Musikern seines einst international renommierten Venezuelan Brass Ensemble, dessen Arbeit in der Heimat derzeit ruhen muss. Tomas Medina (Trompete) und der Erste Solopauker Felix Mandossa sind mit ihren Familien nach Berlin geflüchtet und treten als Gäste mit der Bläserphilharmonie auf. Fern die Zeit, da Bundespräsident Joachim Gauck Clamor das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik übergab. Unter anderem für dessen musikpädagogischen Einsatz bei El Sistema. 2016 war das, doch seither haben sich die Gräben, die Venezuelas Gesellschaft spalten, nur vertieft.

Tour mit Venezuelan Brass Ensemble geplant

Die Hoffnung auf Besserung, auf eine Rückkehr zu den soziokulturell wertvollen musikalischen Projekten wird Thomas Clamor nicht aufgeben. Im kommenden Jahr möchte er die in viele Länder verzogenen Mitglieder von Venezuelan Brass Ensemble für Auftritte um sich scharen, mit ihnen in Deutschland und Österreich auf Konzertreise gehen: „Venezuela ist für mich ein großes Lebenskapitel. Das schlägt man nicht einfach zu.“

Von Ekkehard Schulreich

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