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Geithain Leipziger Kunsthändler will aus Kohrener Schule DDR-Museum machen
Region Geithain Leipziger Kunsthändler will aus Kohrener Schule DDR-Museum machen
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09:38 15.02.2019
Die ganz alte Kohrener Grundschule von 1822 (vorn) und das Schulhaus von 1910 (hinten) könnten verkauft werden. Einen ernsthaften Interessenten gibt es.
Die ganz alte Kohrener Grundschule von 1822 (vorn) und das Schulhaus von 1910 (hinten) könnten verkauft werden. Einen ernsthaften Interessenten gibt es. Quelle: Jens Paul Taubert
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Frohburg/Kohren-Sahlis

Vor anderthalb Jahrzehnten wurde es sehr still in der alten Kohrener Schule: Damals zog die Grundschule in das einstige Mittelschul-Gebäude um. Das angestammte Haus oberhalb des historischen Marktes und nah an der Kirche St. Gangolf und Pfarrhof, erbaut 1910, erfuhr seither verschiedene Nutzungen, die sich auf einzelne Räume beschränkten.

Unter anderem unterhielten hier Heranwachsende für ein paar Monate einen Jugendtreff. Nach der Eingliederung von Kohren-Sahlis in die Stadt Frohburg verstärkte die Kommune Anstrengungen, die verwaiste Immobilie, für die es keine öffentliche Nutzung gibt, zu veräußern. Jetzt gibt es einen ernsthaften Interessenten – und einen Weg, vorher die komplizierten Eigentumsverhältnisse zu bereinigen. Eingeschlossen ist das unmittelbar benachbarte, schon 1822 errichtete Schulgebäude.

Kunsthändler ist Martin Koenitz will Kohrener Schule neu beleben

Kunsthändler ist Martin Koenitz, jener Mann, der die alte Schule gerne kaufen würde. In Leipzig sind seine Galerie Koenitz und das Graphik-Antiquariat im Alten Rathaus bekannte Adressen. In der Galerie waren bis Anfang Februar Bilder des Leipziger Malers Gert Pötzschig zu sehen.

Kunsthändler Martin Koenitz will die Kohrener Schule zum Museum machen. Quelle: André Kempner

Zwar plant Koenitz, auch in Kohren-Sahlis Ausstellungsräume zu schaffen – allerdings nicht für Malerei, Grafik oder Plastik, sondern für Zeugnisse der DDR-Geschichte. „Da wird so vieles weggeschmissen. Es empört mich, dass Museen ihrem Sammlungsauftrag nicht nachkommen, das nicht bewahren.“ Koenitz sammelt DDR- Relikte seit acht Jahren und will dabei weder verklärender Ostalgie noch politisch konnotierter Be- und Verurteilung das Feld überlassen.

Aus Schule in Kohren soll DDR-Museum werden

Kohren soll das Haus für eine solche Schau werden. „Ich würde richtig Wohnungen nachstellen. Da kann man sich aufs Sofa setzen, ein Buch aus der Schrankwand greifen. So wird intensives Erleben möglich.“

Die Schule als „Tempel von Weisheit und Frömmigkeit“: Porphyrtafel an der Fassade der alten Schule, die 1822 erbaut wurde. Quelle: Jens Paul Taubert

Ehe es so weit ist, dürfte noch einige Zeit vergehen. Die wohl entscheidenden Weichen scheinen indessen gestellt, um dem Haus diese – oder überhaupt eine – Zukunft zu geben. Der Frohburger Stadtrat beschloss, den Teil der Immobilie, der in kommunalem Eigentum ist, zur Veräußerung freizugeben. In Summe handelt es sich um drei Grundstücke.

Schulgebäude gehören der Stadt und der Kirchengemeinde

Eines gehört der Stadt. Ein zweites ist das „Organistenlehen zu Kohren“, ein drittes das „Cantorlehen zu Kohren“. Das heißt, die über Jahrhunderte gewachsenen, sich überlagernden Eigentumsverhältnisse lassen sich nur aufdröseln, wenn die Kirchgemeinde Kohrener Land und die übergeordneten Kirchenbehörden mitwirken.

Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) zeigte sich an einer Einigung sehr interessiert. Die Stadt wolle lediglich den Buchwert des dazu gehörenden Wohngrundstücks erhalten; auf Verkehrswertgutachten verzichte man, da ihre Erarbeitung das Ganze verzögern und verteuern würde. „Gegen das Vorhaben von Herrn Koenitz gibt es aus Sicht der Verwaltung kaum Einwände; es könnte zur Belebung des Fremdenverkehrs und der Attraktivität in Kohren-Sahlis beitragen und dürfte städtebaulich von sehr großer Bedeutung im Umfeld von Kirche und Heimvolkshochschule sein“, so Hiensch.

Die alte Grundschule Kohren soll ein Museum werden. Quelle: Jens Paul Taubert

Pfarrer Matthias Ellinger sieht das kaum anders. „Wir haben uns im Kirchenvorstand darüber Gedanken gemacht“, sagte er der LVZ. „Wir würden uns freuen, wenn das Haus weiter in öffentlicher Nutzung verbliebe. Das ist unser Bestreben.“

Kohrener Schule ist klassizistischer Bau

Das 1822 aus Bruchstein-Mauerwerk errichtete Gebäude, ein klassizistischer Bau, hat markante Tür- und Fenstergewände aus Porphyr. Um 1910 wurde, unmittelbar anschließend, ein neues, größeres Schulgebäude errichtet. Hier wurden die Grundschüler bis 2004 unterrichtet; dann zogen sie in die Anfang der sechziger Jahre errichtete einstige Mittelschule um.

An Martin Koenitz, Jahrgang 1967, Sohn eines sächsischen Pfarrers, aufgewachsen in Leipzig, soll das nicht scheitern. Kohren-Sahlis hatte er für sich entdeckt, als das Sahliser Gut zur Zwangsversteigerung stand. „Ich habe mich damals in Kohren-Sahlis umgeschaut – und bin auf die alte Schule gestoßen“, sagt er.

Seine Affinität für die Wiederherrichtung historischer Bausubstanz zeigt das thüringische Schloss Breitungen an der Werra, das er 2007 erwarb und Stück für Stück saniert und durch Konzerte und Hochzeitsfeiern neu belebt. In Grimma besitzt er zudem jenes Renaissance-Haus Markt 11, „von dem aus Seume seinen berühmten Spaziergang nach Syrakus angetreten hat“.

Von Ekkehard Schulreich