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Geithain Mit Privatschulen unter die Top 5 bei Sachsens Unternehmerpreis
Region Geithain Mit Privatschulen unter die Top 5 bei Sachsens Unternehmerpreis
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09:37 03.06.2019
Bei der offiziellen Einweihung der International Primary School in Geithain war der Chef Rüdiger School (re.) mit dabei. Quelle: Jens Paul Taubert / LVZ-Archiv
Geithain

Es begann 1998 in Glauchau. Dort gab es einen schön sanierten Kindergarten – aber kaum Kinder, die ihn nutzten. Die Kommune suchte eine „gute Idee“ für das Haus, erinnert sich Rüdiger School. Er hatte bis dahin eigentlich nichts mit Kindertagesstätten zu tun. In seinem „ersten Leben“ war der Sachse Kraftfahrzeugtechniker. Später studierte er Pädagogik und arbeitete als Hochschullehrer. Im damaligen Herder-Institut betreute er zusätzlich Ausländer beim Deutschlernen. Von daher wusste er: „Je früher man mit Sprachen lernen beginnt, desto besser ist es.“

Er entwickelte für den Glauchauer Kindergarten ein Konzept, in dem es vor allem ums Lernen im frühen Alter geht. Nicht nur mit Fremdsprachen sollten sich die Knirpse spielerisch beschäftigen, sondern auch schon mit Zahlen und Buchstaben. Nur mit „hauchdünner Mehrheit“ im Stadtrat habe sein Unternehmen damals die Trägerschaft des Kindergartens bekommen.

Zunächst hagelte es jede Menge Kritik am Konzept

Es hagelte jede Menge Kritik im Ort. „Viele waren dagegen, böse Berichte von Eltern standen in der Zeitung“, so School. Die Kleinen sollten sich im Kindergarten mit ihrer Muttersprache beschäftigen und ansonsten spielen und sich ausruhen, hielt man ihm vor.

Doch er zog die Sache durch und sagt heute: „Wenig später war der Kindergarten voll und die Eltern zufrieden.“ Mehr noch, fünf Jahre später eröffnete seine Firma Saxony International School Carl Hahn eine Grundschule in Glauchau.

In der Krise war Privatschule vielerorts eine Chance

Heute hat sein Bildungsunternehmen in ganz Sachsen 18 Kindertagesstätten, vier Grundschulen, fünf Oberschulen und sechs Gymnasien – in Dörfern und Kleinstädten. Es war überall ähnlich wie in Glauchau. Kindergärten suchten ein Profil, das Kultusministerium schloss viele Schulen im ländlichen Raum. In der Krise war Rüdiger School die Chance.

Auch in Geithain. 2008 öffnete das Internationale Wirtschaftsgymnasium, wo Schüler ihr Abitur von der elften bis dreizehnten Klasse absolvieren. 2012 folgte im gleichen Haus das Internationale Gymnasium für Schüler von der fünften bis zwölften Klasse. Seit 2016 gibt es die International Primary School in der Kleinstadt. In den beiden Gymnasien lernen mehr als 300 Schüler, in der Grundschule sind es derzeit achtzig. Eltern zahlen für einen Platz im Gymnasium pro Monat rund 160 Euro, in der Grundschule sind es 150 Euro.

In diesem Haus in Geithain lernen rund 300 Gymnasiasten im Wirtschaftsgymnasium und Internationalen Gymnasium der Saxony International School. Quelle: Jens Paul Taubert

Privatschulen gehören seit der Wende zur Schullandschaft. Dennoch gibt es nach wie vor Kritiker, die zum Beispiel sagen, dass jede Privatschule die Existenz einer staatlichen Schule gefährdet. Rüdiger School entgegnet ihnen: „Es ist entscheidend, was die Eltern wollen. Jede staatliche Schule muss sich die Frage stellen, warum Eltern bei uns Schulgeld zahlen und ihre Kinder mitunter zwanzig Kilometer fahren.“ Es gebe eben „große Unterschiede“.

Der Mann, heute 66 Jahre alt, ist überzeugt von seinem Konzept. Sein Unternehmen biete heute auch in kleinen Orten ein durchgängiges Schulsystem an, vom Kindergarten über Grundschule bis zu Gymnasium und Oberschule. Bildung sei ein „weicher, aber wichtiger Standortfaktor“. Bei Kompetenztests, welche die Qualität von Schulen zeigen sollen, würden seine Einrichtungen zu „den Besten“ gehören. Doch: Man muss sich eine Privatschule eben leisten können.

Geschichte und Biologie auch in Englisch oder Spanisch

Das Unternehmen lege auf drei Säulen Wert: Fremdsprachen, Wirtschaftsorientierung und die Vermittlung von Werten wie Höflichkeit und Teamfähigkeit, sagt Schools wissenschaftliche Assistentin Simone Stratmeier. Praxisorientierter Unterricht in Verbindung mit Berufsorientierung spiele eine zentrale Rolle. Es bleibe nicht nur beim Fremdsprachenunterricht, Muttersprachler würden auch Geschichte und Biologie in Englisch oder Spanisch lehren.

Die Betriebswirtin hat schon einige Schuleröffnungen des Unternehmens begleitet. Der Anfang sei häufig schwierig, nicht selten beginne man mit nur sechs oder sieben Kindern, „doch wenn die Schule einmal arbeitet, läuft es gut“. Geithain sei ein schönes Beispiel: Im dritten Jahr hat die Grundschule bereits achtzig Schüler.

Ehemaliger VW-Chef im Firmennamen

Der Lehrermangel würde das Unternehmen „nicht so stark“ treffen, „wir haben nach wie vor Bewerber und auch Quereinsteiger“. Obwohl die Privatschule nicht so gut zahlen könne wie eine staatliche Schule.

Rüdiger School würdigt im Firmennamen den Unternehmer und seinen Unterstützer Carl Hahn. Der heute 92-Jährige, gebürtiger Chemnitzer, war von 1982 bis 1993 VW-Vorstandschef und brachte nach der Wende die ersten VW-Werke nach Sachsen. Für die Saxony International School Carl Hahn sei der enge Bezug zur Wirtschaft wesentlich. Das zeigt auch die Platzierung des Bildungsunternehmens unter den Top 5 beim Unternehmer des Jahres in Sachsen, der kürzlich verliehen wurde.

Berufsschulen in Ägypten: „Riesenbedarf“

Für School sei dies ein Zeichen, wie eng Wirtschaft und Bildung zusammen hängen. „Wir brauchen Nachwuchs, der selber denken kann, zwei bis drei Sprachen spricht und sich benehmen kann.“ Seiner Meinung nach benötige Deutschland „dringend mehr Internationalität, um wieder wie einst ein Erfinderland werden zu können“. Und dies beginne im Kindergarten, weil junge Menschen viel besser lernen könnten als große.

Doch auch um die Großen außerhalb Sachsens kümmert er sich. In der vergangenen Woche war er in Ägypten, wo sein Unternehmen vier Berufsschulen für Kraftfahrzeugtechnik mit IHK-Abschlüssen betreibt. Es werde jetzt dort verstärkt erkannt, wie wichtig Berufsausbildung für eine gut funktionierende Wirtschaft ist. „Es gibt einen Riesenbedarf“, sagt School, „Ich könnte noch ’zig Schulen in Ägypten eröffnen.“

TheoPrax-Projekt in Geithain

Praxisorientiert will das Geithainer Wirtschaftsgymnasium sein. Dazu gibt es unterschiedliche Projekte – zum Beispiel TheoPrax. Ökonomin Kerstin Rettig von der gründernet Beratungs- und Projektentwicklungs GmbH aus Chemnitz betreut dies in Schulen in ganz Sachsen.

„Oft beschweren sich Firmen, dass die Schüler nicht gut auf die Praxis vorbereitet sind“, sagte sie. Vom Fraunhofer Institut sei vor zwanzig Jahren die TheoPrax-Methode entwickelt worden. Dabei soll unternehmerisches Denken und das Arbeiten im Team geübt werden. Es gebe wie im Berufsalltag eine Angebot-Auftrag-Situation mit externen Firmen, Behörden oder Vereinen. Die Schüler müssen ein Angebot erstellen, sich dies bestätigen lassen und es dann erarbeiten.

Für ihr Unternehmen sei es ein „Herzensprojekt, Schülern diese Kompetenz beizubringen“, dafür gebe es keine Extra-Mittel, sagte Rettig. In diesem Jahr betreut sie acht Projektgruppen, darunter zwei aus Geithain.

So sollten neun Schüler innerhalb von zwei Wochen für die Westsächsische Hochschule in Zwickau zum Thema Werkstofftechnik die Öffentlichkeitsarbeit verbessern. Sie überarbeiteten die Homepage, drehten einen Imagefilm und schrieben einen Presseartikel – das alles so, dass es jeder versteht, auch wenn er keine Ahnung von Werkstofftechnik hat.

Kürzlich stellten die Gymnasiasten ihre Ergebnisse vor. Amy Katharina Martin schilderte, dass sie noch nie zuvor etwas von einer „Röntgengrobstrukturprüfung“ gehört hatte. Dennoch sei es Dank der Betreuer und eines Besuchs in der Hochschule gelungen, sich in das Thema einzuarbeiten. Die 18-Jährige möchte zwar nicht Werkstofftechnik studieren, sondern Grundschullehrerin werden, „aber es war interessant, mal so was zu machen, wenn man einfach so ins kalte Wasser geworfen wird“. Es sei auch eine Herausforderung gewesen, zu neunt an so einem Projekt zu arbeiten und sich untereinander gut zu organisieren.

Ingenieurin Ulrike Riemer von der Hochschule lobte Image-Film und die Vorschläge für die Überarbeitung der Homepage: „Ich bin beeindruckt, was ihr in dieser kurzen Zeit geschafft habt“, sagte sie zu den Schülern.

Eine zweite Gruppe beschäftigte sich im Rahmen von TheoPrax mit einem Projekt gleich vor der Haustür: Es ging um die Schulhofgestaltung. Das ist schon eine ganze Weile Thema in Geithain. Wege, Bänke, Biotop und Fitnessbereich – die Gymnasiasten hatten nicht nur jede Menge Vorschläge und Pläne. Sie lieferten auch einen Kostenplan und Ideen, wie der Gesamtpreis von 130.000 Euro mit Eigenleistungen vermindert werden könnte. Aus Spendenläufen in der Vergangenheit ist schon einiges Geld für die Schulhofsanierung vorhanden. Weitere Aktionen sollen starten, Spenden sind willkommen.

Auch diese Schüler erhielten Lob vom Fachmann. Planer Thomas Richter von der Firma Petzschow+Thiel meinte, für die Leistungsphase eins und zwei, wo es um die vorbereitenden Planungen geht, sei hier schon allerhand absolviert worden.

Von Claudia Carell

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