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Geithain Nix für Kulturbanausen: Schlösser kommen in Berlin, Thüringen und Bayern auf die Tüte
Region Geithain Nix für Kulturbanausen: Schlösser kommen in Berlin, Thüringen und Bayern auf die Tüte
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11:00 15.07.2017
Schloss Colditz gehört mit zu den Werbemotiven, die auf einer Aktionstüte in Bayern, Berlin und Thüringen unters Volk gebracht werden.
Schloss Colditz gehört mit zu den Werbemotiven, die auf einer Aktionstüte in Bayern, Berlin und Thüringen unters Volk gebracht werden. Quelle: Thomas Kube
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Landkreis Leipzig

Wenn es darum geht, noch mehr Besucher in die Region zu locken, liegt der Fokus besonders auf Bayern, Thüringen und Berlin. Im Auftrag der Leipziger Tourismus und Marketing (LTM) GmbH ist in den zwei Bundesländern und der Hauptstadt gerade eine neue Werbekampagne angelaufen. Wer in München, Erfurt oder an der Spree in einen Buchladen geht, wird mit der Nase auf Sehenswürdigkeiten an der Mulde gestoßen. Wenn Kunden in ausgewählten Läden einkaufen gehen, erhalten sie als Verpackung eine Aktionstüte mit dem Label der Leipziger Region. „Im besten Fall erhoffen wir uns davon, dass die Adressaten Lust bekommen, uns zu besuchen“, erläutert Sandra Brandt, Leiterin der Abteilung Region der LTM.

Nix für Kulturbanausen

Unter dem Motto „Nix für Kulturbanausen“ punktet die Region bei der Aktion mit ihrem reichen kulturellen Erbe. Auf der Vorderseite der Tüte wird für vier Schlösser und Burgen entlang der Mulde geworben: Burg Kriebstein, Schloss Colditz, Schloss Rochlitz und Burg Mildenstein. Die Auflage der Botschaft ist beträchtlich: „180 000 Stück werden derzeit in Bayern, Thüringen und Berlin verteilt“, so die Touristik-Fachfrau. Bereits mit einem Kurzfilm, Plakataktionen und Radiowerbung wurden Gäste in Bayern und Thüringen in diesem und im vorigen Jahr erfolgreich umworben.

So gab es viele positive Rückmeldungen, nachdem ein Kurzfilm mit Mephisto als Reiseführer in bayrischen Kinosälen und in Thüringen lief. „An diese Aktionen wollen wir jetzt anknüpfen“, so Sandra Brandt. Als Partner arbeitet die LTM dabei mit der Bremer Agentur Lesefutter zusammen. Die Firma hat sich auf gezielte Werbeaktionen unter anderem in Tütenform spezialisiert. Inspiriert wurden die Firmengründer durch einen Bekannten. Der hinterließ seiner Freundin regelmäßig Nachrichten auf der Brötchentüte. Daraus entstand schließlich die Idee, Tüten als Kommunikationsmittel zu nutzen und sie mit Literatur aufzuwerten.

Grusel-Geschichte auf der Rückseite

Auch die Regional-Touristiker überzeugte die Idee. „Denn die Tüte hat nicht nur eine Vorderseite, die auf die Sehenswürdigkeiten aufmerksam macht“, wie Sandra Brandt berichtet. Auf der Rückseite findet sich eine gruselige Geschichte, die von Burggespenstern und düsteren Verliesen erzählt. „Damit verbindet sich die Hoffnung, dass die Tüte nicht gleich weggeworfen wird, sondern die Leute noch einmal zusätzlich für das Thema interessiert werden.“ Schließlich gehe auch ein gewisser Überraschungseffekt mit der Hülle einher. „Denn man rechnet ja nicht unbedingt damit, auf einer Verpackung noch eine Geschichte zu finden.“

Um die Tüten aufzuwerten, arbeitet die Bremer Agentur mit rund hundert Autoren zusammen. Diese werden gebeten, passend zu den Anliegen der jeweiligen Auftraggeber Lyrik oder Prosa zu verfassen. Auf der aktuellen Schlösser-Tüte stammt die Geschichte von Charlotte Richter-Peill, einer freien Schriftstellerin aus der Nähe von Hamburg. Auf der Vorderseite finden sich außerdem vier Kulturtermine, so die Colditzer Jazz-Night am 3. August oder das Mittelalterspektakel mit Rittern, Drachen, Tod und Teufel am 19. und 20. August auf Schloss Rochlitz.

Im besten Fall kommt der Tüten-Text als angenehme Ergänzung eines Einkaufserlebnisses daher – von einer freundlichen Verkäuferin mit einem Lächeln überreicht. Auch die gezielte Belieferung von Buchläden und Museumsshops soll dafür sorgen, dass man bestenfalls kulturaffines Publikum erreicht. Für die Kunden ist die Tüte kostenlos. LTM lässt sich den gespenstischen Auftritt im Rahmen ihrer diesjährigen Marketingaktivitäten 10 000 Euro kosten. Die Werbung für Colditz und Co. wird dabei auch mit Fördermitteln vom Land Sachsen unterstützt.

Von Simone Prenzel