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Geithain Ossaer und Rathendorfer müssen zum Wählen nach Narsdorf
Region Geithain Ossaer und Rathendorfer müssen zum Wählen nach Narsdorf
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10:29 19.06.2019
Ein hölzerner Bergmann für Frank Rudolph (UWG): Gunter Neuhaus und Udo Berger (von links) hatten ein besonderes Abschiedsgeschenk für den Geithainer Bürgermeister.
Ein hölzerner Bergmann für Frank Rudolph (UWG): Gunter Neuhaus und Udo Berger (von links) hatten ein besonderes Abschiedsgeschenk für den Geithainer Bürgermeister. Quelle: Ekkehard Schulreich
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Geithain

Nach der (Stadtrats-)Wahl ist vor der (Landtags-)Wahl: Aus der Schwierigkeit, genug Personal für die Besetzung der Wahllokale zu akquirieren, zieht die Stadt Geithain Konsequenzen. Sie legt die Wahlbezirke neu fest auf sechs. In Ossa und Rathendorf gibt es demnach keine Möglichkeit mehr, abzustimmen. Die Einwohner beider Ortsteile müssen nach Narsdorf. Das sorgte im Stadtrat für Unmut, namentlich bei den Abgeordneten der 2017 in Geithain aufgegangenen Gemeinde Narsdorf.

Urlaubssperre im Geithainer Rathaus zur Wahl

„Die Zahl der Ehrenamtlichen reicht nicht aus. Für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung gilt an Wahltagen künftig eine Urlaubssperre“, sagte Bürgermeister Frank Rudolph (UWG). In der Kernstadt Geithain sei die Situation etwas entspannter; hier zeige die Erfahrung, dass es zahlreiche Freiwillige gebe, die in den Wahlvorständen mitarbeiteten. Aber in manchen Ortsteilen sei das ein großes Problem.

„Viele Ältere werden nicht den Weg in das ein ganzes Stück entfernte Narsdorf finden“, sagte Sören Petzold (Freie Wähler Narsdorf) mit Blick auf Ossa und Rathendorf. Die Entscheidung sei nicht gut. Fraktionskollege Lutz Hiller zeigte sich überzeugt, man würde in Rathendorf genug Freiwillige finden, wenn man nur frage.

Rudolph hielt zwei Argumente entgegen: Zum einen nutzten immer mehr Wähler die Möglichkeit der Briefwahl. Zum zweiten führe genau das aber dazu, dass die Zahl derer, die direkt vor Ort abstimmten, sinke – mit der Gefahr, dass bei der Auszählung aufgrund geringer Gesamtstimmenzahl das Wahlgeheimnis bald nicht mehr gewahrt sei.

Syhraer und Theusdorfer haben kein Problem

Die Syhraer und Theusdorfer müssten seit Jahren nach Niedergräfenhain fahren, um zu wählen, sagte Gabriele Sporbert (CDU): „Das funktioniert gut. Keiner wird damit ausgeschlossen. Viele setzen sich ja auch innerhalb ihres Dorfes ins Auto, um zum Wahllokal zu gelangen.“

Die Syhraer und Theusdorfer müssten seit Jahren nach Niedergräfenhain fahren, um zu wählen, sagte Gabriele Sporbert (CDU). Quelle: privat

Die Wahlbezirke eins bis drei betreffen die Geithainer Kernstadt und die Wahllokale Feuerweh-Depot, Bürgerhaus und Rathaus. Niedergräfenhain, Syhra und Theusdorf wählen in Niedergräfenhain. Nauenhain behält sein Lokal. Alle Ex-Narsdorfer müssen nach Narsdorf. Der Stadtrat akzeptierte das bei vier Gegenstimmen und drei Enthaltungen.

Bergmann aus Holz für den Geithainer Bürgermeister

Weil diese Sitzung zugleich die letzte der Legislatur war, gab es zwei knappe Resümees. Bürgermeister Frank Rudolph dankte allen Abgeordneten für ihren Einsatz zum Wohle der Stadt – und für das Vertrauen, das sie ihm trotz mancher Meinungsverschiedenheit entgegen brachten: „Ich weiß, ich kann es nicht allen recht machen.“ Ludbert Schmuck (WVWV), Rudolphs Stellvertreter, hob das gute Miteinander über Fraktionsgrenzen hinweg hervor. Daran solle das neue Parlament anknüpfen.

Dem gehören Gunter Neuhaus und Udo Berger nicht mehr an. Gewählt für die UWG, hatten beide später die Fraktion verlassen und die eigene Pro staatliche Schule gegründet. Mit ihrem Abschiedsgeschenk an Rudolph zielten sie nicht auf die Zukunft der Schule, sondern auf die der kunstvollen Pyramide, die über viele Jahre zu jedem Geithainer Weihnachtsmarkt gehörte.

Zum letzten Markt wurde sie nicht aufgestellt. „Dabei war sie immer eine Freude der Kinder. Die standen davor, und ihre Augen strahlten“, sagte Neuhaus. Da wohl eine der Figuren gestohlen worden sei, habe man eine neue fertigen lassen: einen Bergmann. Gedrechselt wurde der von Dietmar Feig und bemalt von Bettina Gerhardt. Die Pyramide, sagte Rudolph, sei eingelagert, auch weil einige der Holzteile mürbe seien. Doch er werde schauen und sich kümmern.

Von Ekkehard Schulreich