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Geithain Osterbotschaften – Ein unzerstörbarer Sommer
Region Geithain Osterbotschaften – Ein unzerstörbarer Sommer
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08:00 13.04.2020
Die heutige Osterbotschaft kommt von Bettine Reichelt aus Grimma.
Die heutige Osterbotschaft kommt von Bettine Reichelt aus Grimma. Quelle: Armin Weigel/dpa/dpa-tmn
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Landkreis Leipzig

Die LVZ möchte mit der Superintendentur im Leipziger Land Gedanken der Pfarrer und Menschen in Kirchenämtern im Kirchenbezirk weitertragen, die Zuversicht geben und Mut machen sollen. Inspiriert vom diesjährigen Motto der Fastenzeit: „Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus.“

Pfarrerin Bettine Reichelt aus Grimma Quelle: Bettine Reichelt

Pfarrerin Bettine Reichelt (Grimma)

„Es ist ein Frühling, der auf den Märkten verkauft wird“, schreibt Albert Camus am Anfang seines Romans „Die Pest“. Fast scheint es mit Ostern in diesem Jahr ebenso zu sein: Es ist ein Ostern, das in den Supermärkten stattfindet. Dort ist der Osterschmuck zu finden und der Osterhase, da gibt es Osterglocken (wenn auch meist kein Toilettenpapier).

Ostern im Supermarkt – aber in mir? Wie sollte es denn in mir stattfinden, da alles oder doch fast alles verboten, schwierig oder einfach der Umstände wegen unmöglich geworden ist: Familienbesuche und Osterurlaub – und, ja, auch der Gottesdienst. Fällt Ostern innerlich aus?

An anderer Stelle schreibt Camus, kein Glaubender, aber doch ein Vertrauender: „Mitten im Winter habe ich entdeckt, dass es in mir einen unzerstörbaren Sommer gibt.“ – Mitten im Winter entdeckt er das. Offensichtlich braucht er für diese Entdeckung den Winter, die Kälte, den Rückzug, die Abgeschiedenheit, also die Abwesenheit von all dem, wofür der Sommer steht: Vielfalt und Blüte, Wärme und Nähe, Heiterkeit und lange Abende gemeinsam unter weitem Himmel. All das, was die Seele so dringend braucht, scheint abwesend. – Und doch …

Mitten in dieser Zeit der Unsicherheit und der Ferne, der nötigen Distanz und des schmerzlichen Abschieds von dem, was so selbstverständlich schien, kann man entdecken. Es wird dennoch Ostern. Mitten in uns, verborgen, verschüttet ist ein Glaube, Wärme, Nähe, Vertrauen, Leben. Mitten im Winter, mitten in der Krise. Unentdeckt, verborgen, aber zum Durchbruch bereit. Wie ein Weizenkorn, das sich wandeln wird in Frucht. „Und wenn das Weizenkorn, nicht in die Erde gelegt wird und stirbt, bleibt es allein, wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht“, schreibt Johannes in seinem Evangelium.

Von lvz