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Geithain Schüler mahnen mit Stolpersteinen
Region Geithain Schüler mahnen mit Stolpersteinen
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15:58 04.05.2019
Stolpersteine für die jüdische Familie Hirsch waren der Auftakt in Bad Lausick. Schon damals waren es Oberschüler, die sie gemeinsam mit Gunter Demnig verlegten. Jetzt folgt ein weiterer Stein. Quelle: Julia Tonne/LVZ-Archiv
Geithain/Bad Lausick

Stolpersteine erinnern an Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, drangsaliert und ermordet wurden. Oberschüler aus Bad Lausick und Gymnasiasten aus Geithain spürten in zwei Projekten gemeinsam mit dem Leipziger Verein Erich-Zeigner-Haus dem Schicksal von Betroffenen in beiden Städten nach. Ein Ergebnis ihrer Recherchen ist die Verlegung solcher Stolpersteine. Die nimmt der Künstler Gunter Demnig am 12. Mai vor. Die Schüler, die für die Verlegung Spenden sammelten, laden alle Interessenten an, bei diesen Gedenkveranstaltungen zugegen zu sein.

14 Geithainer Schüler forschten zu Leidenswegen

Die Geithainer Projektgruppe. Quelle: privat

Die Steine, die an diesem Tag, 14 Uhr, in der Chemnitzer Straße in Geithain vor dem Haus Nummer 13 in den Boden eingelassen werden, erinnern an Max Arthur Franz, Georg Förster und Walter Paul Rudolph. Franz wurde 1940 im Rahmen der „Aktion T 4“ in Waldheim ermordet; eine psychische Erkrankung gab den Vorwand für dieses Euthanasie-Verbrechen. Förster wurde in der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein umgebracht, Rudolph in einer T4-Einrichtung in der Nähe von Limburg. Alle drei galten den Naziideologen als lebensunwert. Eine Gruppe von 14 Schülerinnen und Schülern des Internationalen Gymnasiums Geithain forschten Lebens- und Leidenswegen der Männer nach, besuchten Gedenkstätten, recherchierten in Archiven. Ein Flyer entstand ebenso wie eine Ausstellung, die zurzeit im Heimatmuseum der Stadt zu sehen ist. Partner sind unter anderem der Heimatverein Geithain und das Flexible Jugendmanagement.

Das Schicksal Bruno Ernst Hönigs in Bad Lausick

Einen Solperstein verlegten Bad Lausicker Oberschüler bereits auch für Max Lohmann. Quelle: Julia Tonne

In Bad Lausick befassten sich acht Schülerinnen und Schüler der Klasse 9 der Oberschule mit dem Schicksal von Bruno Ernst Hönig. Der 1907 Geborene war Arbeitersportler, KPD-Mitglied, wurde durch die Nazis misshandelt, wegen vermeintlicher Schizophrenie in die „Landesheil- und Pflegeanstalt“ Wermsdorf eingewiesen und zwangssterilisiert. Er überlebte die während des Dritten Reichs erlittenen Qualen, starb 1967 in Bad Lausick. Ein Stolperstein in der Angerstraße 17 soll an ihn erinnern. Er wird am 12. Mai, 15 Uhr, verlegt. Dieses Projekt wird unterstützt von der F.C. Flick-Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz.

Vier Stolpersteine für Landkreis Leipzig

Beschluss der Nazibehörde zur Unfruchtbarmachung von Ernst Hönig. Quelle: Repro LVZ

„Es ist toll zu sehen, wie die Jugendlichen engagiert selbstständig arbeiteten“, sagt Henry Lewkowitz vom Verein Erich-Zeigner-Haus, der solche Projekte in der Region – zum Beispiel an der Bad Lausicker Oberschule – bereits über Jahre betreut. In zwei Dutzend Ländern weltweit wurden an die 70 000 Stolpersteine verlegt. Nun kommen vier im Landkreis Leipzig hinzu.

Von Ekkehard Schulreich

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