Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Geithain Tourismusverein: Burg Gnandstein hat zu geringe Strahlkraft
Region Geithain Tourismusverein: Burg Gnandstein hat zu geringe Strahlkraft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:19 30.07.2019
Burg Gnandstein gilt als Sachsens besterhaltene romanische Wehranlage. Sie ist das Wahrzeichen des Kohrener Landes. Quelle: Günther Hunger
Frohburg/Gnandstein

Was wiegt ein Vierteljahrhundert angesichts einer bis ins 13. Jahrhundert zurück reichenden Gnandsteiner Burg-Geschichte? Finanziell einiges, investierte der Freistaat Sachsen, seit er 1993 das auf einem Felssporn über der Wyhra errichtete Ensemble seinem Staatsbetrieb unterstellte, 25 bis 30 Millionen Euro. Und er ist – das wurde deutlich bei einem Ortstermin mit Finanzminister Matthias Haß (CDU) – damit nicht am Ende. Dass die Ausstrahlung der Burg Gnandstein auf Ausflügler und Touristen damit nicht konform geht, darauf machten der Tourismusverein Borna und Kohrener Land und einige seiner Mitglieder beim ministeriellen Rundgang aufmerksam.

Rundgang mit Finanzminister Matthias Haß (Zweiter von rechts). Hausherr Peter Knierriem vom Staatsbetrieb Schlösserland (Mitte) gibt Erläuterungen zur Burg. Quelle: Jens Paul Taubert

Burg Gnandstein stiftet Identität

„Die Burg ist für uns identitätsstiftend. Sie ist sehr wichtig für all die kleinen Anbieter, die sich rings um sie im Kohrener Land etabliert haben“, sagte Regina Heinze, die die Geschäftsstelle des Tourismusvereins in Borna leitet. Die Kleinarbeit, die an der Basis geleistet werde, werde allerdings in der überregionalen Vermarktung kaum sichtbar, wo man – im unmittelbaren wie übertragenen Sinn – auf Faltblättern und Plakaten lediglich die Burg und ihre Zinnen zeige.

Deutlicher mit seiner Kritik an einer sächsischen Tourismusstrategie, die auf große Destinationen wie Leipzig Region setze und kleinen Vereinen das Wasser abgrabe, wurde Jörg Günther, Betreiber des „Irrgartens der Sinne“: Das sei „völliger Quatsch. Die großen Leuchttürme wurden jahrelang gefördert, wir aber vergessen.“ Eine zu geringe Strahlkraft der Burg merkte ebenso Georg-Ludwig von Breitenbuch, Landtagsabgeordneter und Stadtrat der CDU, kritisch an. Er dränge auf mehr Engagement – auch auf die Gefahr hin, „ein bisschen lästig“ zu sein.

Minister: Mehr Besucher ins Kohrener Land holen

Dass das Kohrener Land und die Gnandsteiner Burg (wieder) mehr Besucher vertragen könnten, dem stimmte der Finanzminister zu. „Wir müssen unsere Schlösser und Burgen stärker noch als Hebel nutzen“, um Menschen herzuholen. Auf positive Rückmeldungen des Gnandsteiner Museumspublikums verwies Christian Striefler, Geschäftsführer der Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH, anhand einer Befragung: „Gnandstein bekam die beste Bewertung aller unserer Burgen und Schlösser. Das hat uns überrascht.“

Im Sommer 2018 ist die Orangerie eine Baustelle. Demnächst enden die Arbeiten. Das Haus soll wieder der Burggärtnerei dienen. Quelle: Jens Paul Taubert

In Westflügel werden jetzt 6,7 Millionen Euro investiert

In diesem Jahr wird die Herrichtung der Orangerie abgeschlossen, Kostenpunkt eine halbe Million Euro. Anschließend wollen sich der Staatsbetrieb und das Sächsische Immobilien- und Baumanagement (SIB) der Sanierung des baupolizeilich gesperrten Westflügels der Burg widmen, um Gastronomie und Hotellerie neu zu beleben.

Bauvolumen: 6,7 Millionen Euro. Mit dem Pächter sei man nach langen Verhandlungen überein gekommen, für Beherbergungen künftig ein großes Gebäude im Wirtschaftshof vor dem Burgeingang auszubauen, sagte Striefler. Von einer „optimalen Lösung“ spricht der Pächter gegenüber der LVZ. Allerdings sei ihr ein sechs Jahre schwelender Konflikt um Schadensersatz in Millionen-Höhe voraus gegangen. Doch es zähle die Einigung, „und unsere Gäste werden auch dazu beitragen, das Museum zu füllen“.

Dieses Gebäude im Wirtschaftshof der Burg soll zu einem Bettenhaus ausgebaut werden. Quelle: Jens Paul Taubert

Der Westflügel werde nach der Sanierung für Restaurant und Küche genutzt. Die Terrasse über der Wyhra, lange schon nicht mehr zugänglich, sei bereits wiederhergestellt – sogar in der Größe, die sie bis in die vierziger Jahre hatte, ehe ein Teil der Westwehr abrutschte. „Die Entwurfsplanung stellen wir bis zum Herbst fertig“, so der Geschäftsführer: „Dann kann es auch losgehen.“ Auf konkrete Termine festlegen lassen wollte er sich nicht.

Kritik an Schließung über den Winter

Investitionen, die Finanzminister Matthias Haß begrüßte, denn „zu Tourismus gehört Gastronomie“. Dass das Museum künftig aber auf seine Winter-Schließzeit verzichte, sei nicht zu erwarten, weil wenig sinnvoll. Die Besucherfrequenz sei gerade im Januar und Februar äußerst gering. Für Besuchergruppen finde man auf Anmeldung allerdings Möglichkeiten, meinte Striefler, dem Peter Ruf vom Tourismusverein mitgab: „Eine Museumsöffnung wenigstens an den Wochenenden wäre doch eine Überlegung wert.“

Kommentar: Bergfried als trotziger Leuchtturm

Ein Kommentar von Ekkehard Schulreich

Von Leuchttürmen spricht die Politik so gern selbst in küstenfernen Regionen. Das Kohrener Land hat einen Leuchtturm nicht nötig. Es hat einen Bergfried, den 33 Meter hohen trutzigen Turm der Gnandsteiner Burg. (Die Kohrener mögen es verzeihen, dass ich die beiden Bergfriede ihrer Burgruine unterschlage.)

Die Gnandsteiner Burg ist nicht erst in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, sondern schon ab Anfang des 20. Jahrhunderts der Dreh- und Angelpunkt einer Ausflugsregion, vorzugsweise der Leipziger. Trotz Steuermillionen-Investitionen in die historische Substanz und – vor allem! – ungeachtet der Ideenfülle und des Wagemuts zahlreicher kleiner, privater Anbieter in Freizeitofferten, Beherbergung, Gastronomie ist es in den vergangenen Jahren ruhiger geworden im Kohrener Land, in Gnandstein namentlich: zu ruhig.

Höchste Zeit also war es, vor prominentem Personal wie dem sächsischen Finanzminister mal den Finger in die Wunde zu legen und darüber zu sprechen – in Ansätzen wenigstens –, was außer Geld noch nötig ist. Erhellend dabei die Klarstellung von Gerald Lehne, dem stellvertretenden Landrat, der mit Blick auf Sachsens Tourismusstrategie anmerkte: Als Tourist zähle, wer von außerhalb komme, aus Nicht-Sachsen also. Sich um das Marketing für die Naherholung zu kümmern – sehr wichtig für das Kohrener Land! –, seien andere in der Verantwortung, diejenigen vor Ort.

Dem Tourismusverein Borna und Kohrener Land sollte das Auftrieb geben. Seine Basisarbeit ist demnach keinesfalls entbehrlich, sofern die Basis selbst geneigt ist, diese Anstrengungen weiter zu unterstützen und sie möglichst noch zu intensivieren.

e.schulreich@lvz.de

Von Ekkehard Schulreich

Nach Jahrzehnten schließt die Arztpraxis in Langenleuba-Oberhain am 31. Juli. Ältere und Jüngere halten die Entscheidung für katastrophal. Die Stadt Penig hat jetzt eine Alternative gefunden.

30.07.2019

Tommy Penk wird die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im neuen Kreistag führen. Der 29-Jährige hob die Markkleeberger Ortsgruppe mit aus der Taufe und gehört seit 2010 dem Kreisvorstand der Bündnisgrünen an.

29.07.2019

Dichter Rauch in einem Regionalzug hat am Montagmorgen für einen Feuerwehreinsatz gesorgt: Auf der Strecke zwischen Leipzig und Chemnitz brannte es auf einer Toilette, die Bahn musste evakuiert werden.

29.07.2019