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Geithain Unfalltod in Penig: Eltern sprechen Kretschmer an
Region Geithain Unfalltod in Penig: Eltern sprechen Kretschmer an
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11:24 31.03.2019
Blumen über Blumen auf dem Friedhof Langenleuba-Oberhain, wo mehrere Hundert Menschen Abschied nahmen von dem getöteten Mädchen.
Blumen über Blumen auf dem Friedhof Langenleuba-Oberhain, wo mehrere Hundert Menschen Abschied nahmen von dem getöteten Mädchen. Quelle: privat
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Penig/Langenleuba-Oberhain

Der mediale Druck, den Eltern aus Langenleuba-Oberhain nach dem Unfalltod einer elfjährigen Gymnasiastin machen, zeigte beim „Sachsengespräch“ von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) Wirkung: Der Gruppe von knapp 30 Müttern und Väter gelang es am Freitagabend in Frankenberg, Kretschmer schon vor Veranstaltungsbeginn auf den Unfall anzusprechen.

Und der griff, als er über Lebensqualität im ländlichen Raum sprach, das nicht nur in Oberhain brennende Thema explizit auf. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) will sich am 15. April mit Mittelsachsens Landrat Matthias Damm (CDU) treffen, um Festlegungen zu treffen, wie der Schulweg sicher gemacht werden kann. Einbezogen werden dabei das Wirtschaftsministerium und das Landesamt für Straßenbau und Verkehr.

Ministerpräsident Michael Kretschmer räumt Versäumnisse ein

„Der öffentliche Druck hat dazu geführt, dass sich der Thematik sicherer Schulweg verstärkt angenommen wird. Wir Eltern gingen mit einem besseren Gefühl nach Hause als erwartet“, sagt Elternsprecher Klaus Michael. Der Ministerpräsident habe eingeräumt, man habe im Bereich Schule viele Fehler gemacht. Er sei entschlossen, sie zu beheben.

Beim „Sachsengespräch“ von Ministerpräsident Michael Kretschmer fanden die Eltern Gehör. Quelle: Christian Modla

Der öffentliche Personenverkehr sei ihm ein sehr wichtiges Thema und damit der Schülerverkehr. Wer in Schule investiere, investiere in Zukunft; deshalb, so Kretschmer, sei Christian Piwarz „unser teuerster Minister. Dies ist aber gut angelegtes Geld“.

Elternsprecher: Unser Druck wirkt

„Es war ein sehr konstruktives Gespräch. Wir konnten alle Punkte äußern und wurden ernst genommen“, so Michael. Die Oberhainer hatten Flugblätter mit dem offenen Brief und ihrem Aufruf an die Entscheidungsträger dabei. Beides stieß auf großes Interesse.

Viel Applaus erhielt Stefan Brangs, Staatssekretär im Wirtschaft- und Verkehrsministerium, als er versicherte, Verkehrsbehörden, Landratsamt und Verkehrsverbund Mittelsachsen würden kurzfristig und schnell eine den Ansprüchen gerechte Lösung finden. Man sollte überlegen, ob es nicht sinnvoll sei, die Bushaltestelle von der gefährlichen Staatsstraße weit außerhalb des Ortes ins Dorf zu verlegen.

Unabhängig davon müsse aber die bestehende Haltestelle, an der ein Autofahrer die Schülerin am 19. März beim Überqueren der Fahrbahn tödlich verletzt hatte, ausgebaut werden. Das Geld stelle sein Ministerium zur Verfügung.

Die Unfallkommission des Landkreises hatte sich am Donnerstagnachmittag an der Unfallstelle nahe Langenleuba-Oberhain umgesehen. Quelle: privat

Landrat Matthias Damm sichert Lösung zu

Landrat Matthias Damm wiederholte sein Versprechen, es werde eine Lösung geben, wie sie die Unfallkommission nach dem Ortstermin am Donnerstagnachmittag vorgeschlagen habe: Entfall des Umsteigens an der Unfallstelle, statt dessen Umsteigen in Narsdorf.

Die Eltern halten das für einen ersten Schritt. Um eine dauerhafte Lösung zu finden, sollte man prüfen, ob sich auf dem Areal des einstigen Oberhainer Bahnhofs ein Wendeschleife für Busse errichten lasse. Denn selbst nach dem Haltestellen-Ausbau an der Kreuzung bleibe das Überquerung der Straße. Noch einfacher ließe sich eine veränderte Linienführung umsetzen, meint Klaus Michael: „Statt über die alte B 175 sollte der Bus über die ehemalige B 95 nach Oberhain rollen und dann durch das Dorf fahren.“

Eltern aus Langenleuba-Oberhain wollen weiter mobilisieren

Nach Frankenberg zu kommen, fiel den Oberhainer Eltern schwer. Das bei dem Unfall ums Leben gekommene Mädchen war erst am Freitagnachmittag in Langenleuba-Oberhain beigesetzt worden. Mehrere Hundert Menschen nahmen tief bewegt Abschied. Bei aller Trauer werde man nicht nachlassen in dem Bemühen, den Schulweg dauerhaft sicher zu machen, so Michael: „Kinder sind unsere Zukunft.

Wir ermutigen alle Eltern, sachsenweit sich nicht abspeisen zu lassen, sondern selber Dinge anzusprechen, damit Reaktionen ausgelöst werden, die Lösungen für mehr Sicherheit unserer Kinder bringen.“ Eltern sollten sich nicht einzeln, sondern in Gruppen mit klar definierten Forderungen an die verantwortlichen Entscheidungsträger wenden. Nur so sei die Aussicht auf Erfolg gegeben.

Aufruf an der Eltern

Nehmt diesen tragischen Unfall zum Anlass, die gesamte Schülerbeförderung zu überarbeiten!

Was tut Ihr unseren Kindern an? Stundenlange Transportwege mit unmöglichen Wartezeiten, zur Folge längere Schultage als Arbeitstage eines Erwachsenen.

Was tut Ihr unseren Kindern an? Katastrophale Umsteigehaltestellen, Vollgestopfte Busse! Die Kinder passen gerade so rein, umfallen kann keiner, weil gar kein Platz dazu da ist. Was soll bei einer Notbremsung passieren?

Was tut Ihr unseren Kindern an? Macht Eure Augen auf und versteckt Euch nicht hinter hausgemachten Satzungen und alten gesetzlichen Vorschriften, die nicht nachvollziehbar und nicht mehr aktuell sind. Was einmal vor Jahrzehnten richtig war, muss heute nicht mehr stimmen. Versteckt Euch nicht hinter Schreibtischen & Paragraphen. Macht etwas!

Was tut Ihr unseren Kindern an? Hört auf die Beschwerden und Hinweise der Eltern! Langenleuba-Oberhain ist kein Einzelfall! Steht auf. Geht vor Ort und sprecht mit den Bürgern. Ihr seid die Vertreter des Volkes, dann macht dies auch.

Was tut Ihr unseren Kindern an? Aus Kostengründen wurden viele Schulen auf dem Land geschlossen. Nun muss das Geld für eine sichere Beförderung ausgegeben werden! Für Frösche & Kröten werden Absperrzäune errichtet, für Wildtiere Brücken & Überführungen gebaut und für Fledermäuse Schutzzäune. Die Kinder, unsere Zukunft, transportieren wir wie eine Ware und kippen diese an den Bushaltestellen bei Wind & Wetter raus.

Jedes Kind hat ein Recht auf einen sicheren und erträglichen Schulweg! Wir fordern sichere Schulwege für alle Kinder. Abschaffung von Gefahrensituationen durch Verlegung von Bushaltestellen, weg vom Hauptverkehr – zurück ins Dorf wo die Menschen leben.

Von Ekkehard Schulreich