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Geithain Vor Ertrinken gerettet: Wickershainer Familie erinnert sich an dramatische Flut-Sekunden
Region Geithain Vor Ertrinken gerettet: Wickershainer Familie erinnert sich an dramatische Flut-Sekunden
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06:00 23.11.2017
Vier Jahre nach der Flutwelle stehen Franz, Constanze Werzner und Jens Graichen an jener Stelle, wo um ein Haar der Jeep mit Mutter und Sohn im plötzlich reißenden Bach untergegangen wäre. Quelle: privat
Geithain

Dass eine Welle aus Wasser und Schlamm 2013 durch Wickershain raste und enorme Schäden anrichtete, ist vier Jahre später allenfalls auf den zweiten Blick zu erkennen. Etwa an den Investitionen, die seither an Gebäuden, aber auch an Brücken, dem Bachlauf der Eula, an der das Dorf durchziehende Straße vorgenommen wurden. Neu gebaut ist jene Brücke, an der Constanze Werzner mit ihrem von der Flut fortgerissenen Auto damals hängenblieb. Lebensgefährte Jens Graichen und Nachbarn retteten sie und den zweieinhalb Jahre alten Sohn Franz in letzter Sekunde durch das Autofenster, ehe der Wagen versank. Wenn an das verheerende Hochwasser 2002 in der Region erinnert wird, sind diese Bilder wieder da.

„Ich kann bis heute nicht begreifen, dass das Wasser so eine Kraft hat und dass man diese Gewalt derart unterschätzen kann“, sagt Constanze Werzner heute. Sie habe eine Weile gebraucht, den Schreck zu verwinden. Und auch Franz habe, noch im darauffolgenden Sommer, wenn es zum Baden ging, eine Scheu und Respekt vor dem Wasser gehabt. Heute lacht der Sechsjährige, im August in Geithain in die Grundschule eingeschult, darüber. Er ist stolz, schon schwimmen zu können.

Die Katastrophe war an jenem frühen Juni-Abend abrupt über den Geithainer Ortsteil hereingebrochen. Ein enormer Regen, mit Hagelschlag ging nieder, der binnen Minuten das Wasser auf den umliegenden Feldern zusammenströmen ließ. Vermischt mit Erde, schoss es, das Bett der sonst so zahmen Eula verlassend, über die Breite der Straße, durch die beidseits des Baches aufgereihten Grundstücke zu Tal. Constanze Werzner musste zum Bahnhof nach Geithain, die Tochter abholen. „Ich habe extra das große Auto genommen, den Jeep. Ich hatte keinen Zweifel.“ Dass die Dorfstraße bereits zum Fluss mit erheblicher Tiefe und reißender Strömung geworden sei, habe sie nicht wahrnehmen können.

„Ich sah das Auto im Augenwinkel vorbeifahren, dann aber schwamm es schon, trieb ab“, sagt Jens Graichen, der auf dem Nachbargrundstück dem Bruder half, Haus und Keller vor dem Wasser zu schützen. Der Jeep begann sich zu drehen. Jens Graichen watete, schwamm halb zum Fahrzeug, zog mit Hilfe von Nachbarn, die eine Kette bildeten, erst den Sohn heraus, dann die Frau.

Hochwasser 2013: Die Eula schiebt den Geländewagen und Geröll vor sich her. Im Auto sitzen Constanze Werzner und ihr Sohn. Quelle: privat

Als zwei, drei Stunden später das Wasser abgelaufen war, „wurde das Ausmaß der Schäden im Dorf erst sichtbar“, sagt er. Beinahe jeden habe es mehr oder weniger schlimm getroffen. Noch im letzten Licht des Tages habe das gemeinsame Aufräumen, unterstützt von vielen Helfern, den Feuerwehren, Auswärtigen begonnen. Jens Graichen selbst packte bei seinem übernächsten Nachbar zu, der eine Geburtstagsparty vorbereitet hatte. „Wir haben den Schlamm aus dem Erdgeschoss geholt und spät, völlig fertig, doch noch den Grill angeworfen.“

Heute ist für die Familie – sie arbeitet als Medizinisch-Technische Assistentin in einem Labor, er ist Zimmermann - der dramatische Abend schon ein Stück weit nach hinten gerückt. Hat dieses Erlebnis dünnhäutiger gemacht? Sensibler jedenfalls, sagt Jens Graichen: „Ich bin Gott dankbar, dass er es so glimpflich hat ausgehen lassen.“ Konkrete Ängste vor einer Wiederholung eines solchen Naturereignisses habe er nicht: „Aber wenn der Wetterbericht kommt im Radio, da hört man schon genauer hin.“

Von Ekkehard Schulreich

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