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Geithain Wasserwerk Prießnitz wird später eingeweiht
Region Geithain Wasserwerk Prießnitz wird später eingeweiht
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17:00 18.07.2019
Michael Mönicke (l.) und Falk Heinig von der Veolia Wasser Deutschland GmbH begutachten die Technik der neuen Anlage.
Michael Mönicke (l.) und Falk Heinig von der Veolia Wasser Deutschland GmbH begutachten die Technik der neuen Anlage. Quelle: André Kehrer
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Frohburg/Priessnitz

Beim Neubauprojekt des Wasserwerks Prießnitz verzögert sich die Übernahme der Trinkwasserversorgung. Es gibt kleinere Probleme im Baufortschritt, informiert das Unternehmen Veolia Wasser Deutschland.

Der eigentlich für Mitte des Monats geplante Probebetrieb kann erst in etwa sechs Wochen begonnen werden. „Aus diesem Grund müssen wir die für den 28. August 2019 geplante Einweihungsfeier leider auf einen späteren Zeitpunkt verschieben“, teilen die Grimmaer Veolia-Niederlassungsleiterin Kerstin Härtel und Lutz Kunath, Geschäftsführer vom Auftraggeber Versorgungsverband Grimma-Geithain, mit. Noch könne aber kein neuer Termin genannt werden.

Zwei Jahre guter Baufortschritt am Wasserwerk

„Seit dem Start der Baumaßnahme im Juni 2017 gab es keine nennenswerten Verschiebungen im Ablauf“, informiert Daniel Lüdke, Bereichsleiter Investitionen bei Veolia. „Die Gewerke arbeiteten zuverlässig, der Neubau machte sichtbare Fortschritte. Nun geraten wir mit unserem Zeitplan ein wenig in Verzug.“ Veolia ist seit vielen Jahren Betriebsführer beim VVGG und betreut dieses Bauvorhaben als Projektsteuerer.

Probebetrieb in Prießnitz wohl erst ab Ende August

Lüdke geht davon aus, dass das Wasserwerk nun Ende August in den mehrmonatigen Probebetrieb übergehen kann. Die Verspätung „ist natürlich ärgerlich, aber bei solch einem Vorhaben mit einer geplanten Bauzeit von über dreieinhalb Jahren, wo jeder Handgriff bis zur letzten Schraube berücksichtigt ist, auch nicht ungewöhnlich”, relativiert er den Verzug. Immerhin müssten sechs verschiedene und separat beauftragte Gewerke – vom Gebäudeerrichter über Elektro- und Maschinenausrüster bis hin zum Landschaftsbauer – koordiniert werden.

Projekt kostet rund fünf Millionen Euro

Es ist seit Jahren die mit Abstand größte Baustelle im Verbandsgebiet. Die Kommunalen Wasserwerke Grimma-Geithain (KWW), Tochter von VVGG und Veolia, investiert hier rund fünf Millionen Euro. „Mit dem neuen Wasserwerk in Prießnitz sichern wir die Trinkwasserversorgung im Verbandsgebiet auf einem noch höheren Niveau mit einer modernen Anlage für künftige Generationen ab”, sagt Kunath, der auch KWW-Geschäftsführer ist.

Verfahren mit Filterkies wird geändert

Die Arbeiten verzögern sich einerseits, weil verschiedene Gewerke etwas mehr Zeit beanspruchen. Andererseits liegen sie in der Verfahrenstechnik begründet. Konkret geht es um die Filteranlage. In der wird ein besonderer Filterkies benötigt, der dem Rohwasser auf dem Weg zum Trinkwasser erst Eisen und dann Mangan entzieht. „Ursprünglich“, schildert Lüdke, „sollte der Filterkies im neuen Wasserwerk Prießnitz mit dem aus Frohburg geimpft werden. Wir wollten den älteren mit dem ganz frischen mischen.“ Aber das würde für den zukünftigen Betrieb des Wasserwerkes vermutlich Probleme bringen. Deshalb sei nach Rücksprache mit Experten davon Abstand genommen worden.

Korngröße entscheidend: 0,6 Millimeter Unterschied

Das Mischen wäre für die zeitlichen Abläufe vorteilhaft gewesen, weil der ältere Kies bereits die notwendige Biomasse für den Filterprozess enthält. Nun muss diese sich eigenständig in Prießnitz entwickeln und heranwachsen: „Das braucht seine Zeit.“ Wie lange genau, lasse sich nicht abschätzen. Doch es gibt laut Daniel Lüdke einen gewichtigen Grund, warum die Kiessorten nicht vermengt werden können: die Korngröße.

„Die neuen Filter in Prießnitz arbeiten am effizientesten mit Material, bei dem die Korngröße etwa einem Millimeter beträgt. Die Körner im Frohburger Kies sind etwa 1,6 Millimeter groß.“ Das sei das Problem. Filterkies soll so homogen wie möglich sein, ansonsten leide die Leistung auf Dauer. „0,6 Millimeter – ein kleiner, aber feiner Unterschied.”

Versorgungsnetz wird vervollständigt

Unterdessen wird auch weiter am Trinkwasserversorgungsnetz gearbeitet, um das neue Wasserwerk später als wichtige Anlage im Verbandsgebiet zu integrieren. Seit Montag ist die Kreisstraße vom Schönauer Kreuz (westlich vom Neubau) in Richtung Schönau gesperrt, weil die neu gebaute Leitung umgebunden werden soll. Veolia-Projektleiter Michael Mönicke hofft, dass diese Arbeiten bis Ende der Woche abgeschlossen sind.

Leitungsbau zum Wasserwerk Prießnitz

In der Straße Am Prießnitzer Wasserwerk (östlich vom Schönauer Kreuz) beginnt jetzt der letzte Teil der Arbeiten für die neue Versorgungsleitung. „Mit dem ersten Bauabschnitt waren wir Ende 2017 fertig, im Frühjahr 2019 haben wir mit dem zweiten begonnen, der in mehrere Teilstücke untergliedert ist,“ schildert Mönicke. „Nun baut die Firma Erdmann aus Mügeln die restlichen rund 1400 Meter bis zum Wasserwerk.” Zeitweise Sperrungen der Straße seien dabei unvermeidlich, kündigt er an.

Rund 5,6 Kilometer Leitungen

Im ersten Bauabschnitt, der am Frohburger Wasserwerk begann und etwa auf Höhe des Sportplatzes in Nenkersdorf endete, wurden auf rund 1700 Metern neue Leitungen verlegt. Der zweite umfasst insgesamt rund 3900 Meter. Die komplett neue Versorgungsleitung verfügt über einen Außendurchmesser von 250 Millimeter.

Darauf ein Glas frisches Wasser

Kerstin Härtel und Lutz Kunath bleiben optimistisch. „Wir freuen uns bereits jetzt, mit Ihnen bald mit einem Glas besten Trinkwassers aus dem neuen Wasserwerk anstoßen zu können.“ Nach dem erfolgreichen Probebetrieb wird die offizielle Inbetriebnahme erfolgen. Dann können das alte Wasserwerk nebenan sowie das Frohburger Wasserwerk an der früheren Bundesstraße 95 vom Netz genommen werden; was eigentlich fürs Jahresende vorgesehen ist. Bis Ende 2020 soll dann der Altbau Prießnitz abgerissen werden.

Von LVZ