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Geithain Zu alt: Peter Militzer darf nicht länger Friedensrichter von Geithain sein
Region Geithain Zu alt: Peter Militzer darf nicht länger Friedensrichter von Geithain sein
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00:21 12.01.2018
Peter Militzer an seinem Schreibtisch im Geithainer Rathaus. Den räumt er jetzt frei. Sein Ehrenamt endete. Quelle: Jens Paul Taubert
Geithain

Nicht dass Peter Militzer tatsächlich Frank-Walter Steinmeier den Posten als Bundespräsident streitig machen wollte: Nach den Buchstaben des Gesetzes wäre der Geithainer für diese Funktion allerdings geeignet. Als Friedensrichter in seiner Heimatstadt ist er es (lange schon) nicht mehr. Militzer ist 75. Dass er nicht schon mit 70 das Ehrenamt abgab, erlaubte eine Ausnahmeregelung. Zu Jahresbeginn aber zog er sich zurück. Obwohl er gern weiter tätig wäre – und obwohl ein Nachfolger nicht in Sicht ist.

„Ich will niemanden in Schwierigkeiten bringen. Deshalb mache ich jetzt diesen Schnitt“, sagt Peter Militzer, der seit 2003 immer ein offenes Ohr hatte, wenn jemand in juristischen Schwierigkeiten war von jener Qualität, dass sie in die Zuständigkeit eines Friedensrichters fallen. In erster Linie Nachbarschaftskonflikte. „Das geht bei Bäumen los, die über die Grundstücksgrenze ragen, und endet bei Taubendreck noch lange nicht“, sagt Militzer. Überragend sei das Pensum mit sechs bis acht Anfragen pro Jahr nicht gewesen. Doch selbst zwei bis vier Schlichtungsverfahren, die sich daraus ergeben hätten und die mit einer verbrieften Einigung endeten, hätten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für den nachbarlichen und den Seelenfrieden geleistet.

Viele Konflikte würden über Jahre schwelen, ehe sich die eine Partei schließlich auf Lösungssuche begebe. Eine solche Lösung lasse sich nur gemeinsam finden, sagt Militzer: „Das Gespräch ist unser einziges Mittel. Mitunter sind die Fronten so verhärtet, dass sich die Kontrahenten zu Beginn nicht mal die Hand geben. Wenn sie schließlich mit Handschlag auseinander gehen, ist doch was erreicht.“ Und solche Einigungen hätten meistenfalls Bestand; nur in ein oder zwei Fällen habe er in seinen knapp anderthalb Jahrzehnten die Streitparteien noch einmal zusammenbringen müssen.

„Eine außergerichtliche Einigung ist für beide Seiten günstiger. Deshalb hat der Friedensrichter eine wichtige Funktion“, sagt der Geithainer Bürgermeister Frank Rudolph (UWG). Umso bedauerlicher sei es, dass die Aufrufe der Stadt, einen Nachfolger respektive eine Nachfolgerin zu finden, bisher verhallten: „Ich würde mich sehr freuen, wenn sich eine geeignete Person fände.“

Die zu finden, sei Sache der Kommune, sagt Ingrid Graf, als Direktorin des Amtsgerichtes Borna für die fachliche Anleitung der Ehrenamtlichen zuständig. Aus gutem Grund hätten Friedensrichter ihren Platz im Rechtssystem: „Viele, die mit einem Anliegen kommen, wollen keine Verhandlung vor Gericht, sondern eher einen guten Rat.“ In den meisten Kommunen des Amtsgerichtsbezirkes gebe es (noch) Friedensrichter: „Wenn es funktioniert, dient es auf jeden Fall der Befriedung.“

Peter Militzer, Wahl-Geithainer, der erst im Anlagenbau der Braunkohle in Regis-Breitingen, danach als kaufmännischer Leiter bei AMB in Borna tätig war, war 2003 erstmals gewählt worden – für Geithain und die per Verwaltungsgemeinschaft verbundene Kommune Narsdorf. „Etwas Vernünftiges muss der Mensch ja nebenbei noch machen“, sagt er: „Gern hätte ich es noch ein bisschen weiter betrieben.“ Doch dem steht das Sächsische Schiedsstellengesetz entgegen, das die Altersspanne auf 30 bis 70 Lebensjahre festlegt.

Der Abschied aus seinem kleinen Beratungszimmer im Geithainer Rathaus fällt Peter Militzer nicht leicht. Doch Angst, künftig nicht mehr gefordert zu sein, hat er nicht: „Die Kinder sagen: Kommst du zu uns, kannst uns jederzeit bei der Gartenarbeit helfen.“

Von Ekkehard Schulreich

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