Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Geithain Zwei Frauen führen Agrarbetrieb in Ballendorf
Region Geithain Zwei Frauen führen Agrarbetrieb in Ballendorf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:00 25.07.2019
Lisa Kurth (links) und Nadja Brummer sind die Geschäftsführerinnen der Agrargesellschaft Ballendorf. Quelle: Jens Paul Taubert
Bad Lausick/Ballendorf

Doppel-Spitzen gibt es nicht nur bei Parteien: Bei der Agrargesellschaft Bad Lausick stehen mit Lisa Kurth (31) und Nadja Brummer (36) zwei junge Frauen in der Verantwortung als Geschäftsführerinnen. Zu Jahresbeginn fand in der Leitung des in Ballendorf ansässigen Unternehmens ein Generationswechsel statt.

Mit dem Unternehmen sind beide – studierte Agrarwissenschaftlerin die eine, Tierwirtschaftsmeisterin in der Rinderproduktion die andere – seit ihrer Kindheit schon aufs engste verbunden. Kein Wunder, hatte doch Gerold Kurth, ihr Großvater, hier über Jahrzehnte den Hut auf – ab 1966 als Chef in der LPG, der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft, später bis 2010 in der nach der Wende gebildeten Agrargesellschaft.

250 Milchkühe liefern das weiße Gold in Ballendorf

„Wir sind in bestem Sinne ein Familienbetrieb“, sagt Nadja Brummer, deren Vater Arnd Mothes bis Ende 2018 hier Geschäftsführer war. Zur Familie im engen Sinn zählt ein Drittel der 15-köpfigen Belegschaft, im weiteren Sinne seien es alle: „Wir kennen uns alle schon ewig, arbeiten gern miteinander, sind eingespielt.“ Rund 1000 Hektar Flächen, davon 60 Hektar Grünland, bewirtschaftet das Unternehmen rings um Bad Lausick.

Was hier wächst, dient in erster Linie den 550 Rindern als Futter. 250 Milchkühe stehen in Ballendorf im Stall; die übrigen Tiere sind Nachzucht. Milch wird in Ballendorf seit Jahrzehnten produziert. Die Unsicherheit ist der Milchpreis, der schwankt, lange am Boden war, zurzeit aber passt und „relativ stabil“ ist.

Sich deshalb nicht allein auf die Milch zu konzentrieren, sei eine Zukunftsfrage, sagt Brummer: „Wir wollen versuchen, unabhängiger zu werden. Wir brechen aber nichts übers Knie, sondern wollen in kleinen Schritten vorgehen.“ Unabhängig zu werden auch durch geschlossene Kreisläufe. So deckten Gülle und Mist den Düngerbedarf. Auf die Ausbringung von Klärschlamm auf Felder verzichten die Ballendorfer schon seit Jahren.

Gemeinsamer Start nach einem extremen Jahr

Nach dem extrem heißen und trockenen Jahr 2018 sei man mit einer gewissen Bürde angetreten, blickt Lisa Kurth auf den gemeinsamen Start des Geschäftsführerinnen-Duos zurück. „Aufregend, aber schön“ sei der Beginn gewesen, aber: „Natürlich ist man sensibel nach einem solchen Jahr, in dem es für viele nicht so gut aussah.“

Neues Chefinnen-Duo bei der Agrargesellschaft Bad Lausick. Quelle: Jens Paul Taubert

2019 habe da ruhiger begonnen, auch wenn es inzwischen erneut sehr trocken sei: „Doch beim Ertrag in der Gerste kann man nicht meckern.“ Das Getreide ist wichtiger Teil des Futters für die Rinder – neben der Mais-Silage, die im vergangenen Jahr, der Witterung geschuldet, knapp wurde. Das Futter musste gestreckt werden, um bis zum ersten neuen Gras-Schnitt im Mai zu kommen.

„Nach dem ersten Jahr setzen wir uns hin und schauen gemeinsam: Wie lief es? Wo wollen wir hin?“, beschreibt Nadja Brummer die Strategie, die eine gemeinsame sei, denn: „Wir ergänzen uns in vielen Bereichen hervorragend.“ Behutsam wolle man in Richtung Direktvermarktung gehen. Ein Fleischverkauf vor Ort mehrmals im Jahr sei eine Option, mittelfristig „ist die Produktion eigenen Käses so eine Sache, von der wir träumen“.

Hoffest fand große Resonanz

Dass das Träumen eine Basis hat spürten beide Frauen beim ersten Hoffest, zu dem sie Anfang Mai eingeladen hatten. „Viele wollen in den Stall gucken, wollten sehen, wie Landwirtschaft tatsächlich funktioniert“, freut sich Nadja Brummer. Zahlreiche Helfer hatten die Veranstaltung zu einem Erlebnis für mehrere Hundert Besucher gemacht.

Die Agrargesellschaft Bad Lausick lud im Mai zum Tag des offenen Bauernhof ein. Quelle: Thomas Kube

Die positive Resonanz, die weit über das Dorf hinaus reichte, sei Ermutigung und Bestätigung zugleich, sagt Lisa Kurth: „Das probieren wir im nächsten Jahr wieder.“ Darüber hinaus schwören beide auf eine gute Dorfgemeinschaft, die Ballendorf lebenswert macht. Ein kleiner Beitrag dazu ist der Saal des Betriebes, in dem früher viele Veranstaltungen stattfanden und der nach einer Renovierung erneut durch die Ballendorfer für Familienfeiern genutzt wird.

Von Ekkehard Schulreich

Der sächsische Verfassungsschutz schätzt, dass rund 1600 so genannte Reichsbürger im Freistaat leben. Oft geraten diese in Konflikte mit Beamten und Bürgerinitiativen. Die Amadeu Antonio Stiftung klärt über den richtigen Umgang mit den Verschwörungsideologen auf.

24.07.2019

Mit 300 Teilnehmern und bis zu 500 Besuchern rechnet der Oldtimerverein Kohren-Sahlis bei seinem Familienfest am 4. August in Kohren. Für Unterhaltung ist mit Spielen, Hüpfburg und Karussell gesorgt.

24.07.2019

Familie Stiller bewahrt mit dem Sägewerk Ossa handwerkliche Kunst. Das Technische Denkmal wird um einen Opel vom Baujahr 1937 ergänzt, den das Team gerade wieder aufbaut.

24.07.2019