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Grimma 750-Jahrfeier schweißt Otterwisch zusammen
Region Grimma 750-Jahrfeier schweißt Otterwisch zusammen
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18:19 08.09.2019
Tête-à-Tête mit Kaiser Napoleon: Die Otterwischerinnen Ivonne Strauß (l.) und Julia Beuth wirkten am Bilde "Völkerschlacht" mit. Quelle: Roger Dietze
Otterwisch

Was ist das verbindende Band zwischen Napoleon Bonaparte, einem Abschnittsbevollmächtigten sowie dem Tauchaer Spielmannszug? Diese sowie eine Vielzahl weiterer Akteure leisteten am Sonntag ihren Beitrag zum Gelingen des großen Umzuges im Rahmen der Otterwischer 750-Jahrfeier, mit dem zugleich der Schlusspunkt unter eine mit jeder Menge Veranstaltungen gespickten Festwoche gesetzt wurde.

Höhepunkt der Festwoche zum 750-jährigen Ortsjubiläum von Otterwisch war am Sonntag ein Festumzug. Fast 400 Akteure gestalteten ihn.

Knapp 400 Beteiligte und ein gutes Dutzend Pferde ließen in der nach Elstertrebnitz zweitkleinsten Kommune im Landkreis Leipzig die vergangenen siebeneinhalb Jahrhunderte in 15 Bildern Revue passieren. Thematisiert wurden dabei unter anderem die Erstbesiedelung, die wechselvolle Geschichte des Otterwischer Schlosses, die letzte nachweisliche Hinrichtung im Ort im Jahr 1734, die Völkerschlacht sowie die Landwirtschaft, die Feuerwehr, das Post- und das Eisenbahnwesen.

Ort wächst enger zusammen

Bevor sich der Zug Punkt 13 Uhr am Bahnhof in Bewegung setzte und durch die von vielen Otterwischern gesäumten Straßen in Richtung Sportplatz zog, hatten die Verantwortlichen alle Hände voll damit zu tun, Mensch wie Tier an ihre vorgesehenen Plätze zu bringen. Alle waren mit großer Begeisterung bei der Sache. „Wir haben in den vergangenen Wochen ein unwahrscheinliches Engagement im Ort erlebt, und ich bin überzeugt davon, dass Otterwisch dadurch enger zusammengewachsen ist“, sagte Dana Schreiner (37) vom Umzugs-Team.

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Vorbereitungen entfalten Eigendynamik

Eine Einschätzung, die auch Christian Hendrich teilt, der gemeinsam mit Peggy Lisker in der Rolle der Otterwischer Schlossherren am Umzug teilnahm. „Die Sache mit der Gestaltung von Figuren in und vor den Grundstücken hat eine regelrechte Eigendynamik entwickelt“, so der 35-Jährige, für den es nach eigenem Bekunden eine Selbstverständlichkeit gewesen ist, sich aktiv in den Umzug einzubringen. „Zumal wir beide das Privileg gehabt haben, in der Kutsche chauffiert zu werden“, fügte er augenzwinkernd an. Seine hoheitliche Gemahlin, alias Peggy Lisker, ergänzte, sie habe ebenfalls den Eindruck gewonnen, dass das Jubiläumsfest den Ort zusammengeschweißt hätte. „Ich habe eine Menge Leute kennengelernt, die ich zuvor noch nicht kannte“, erklärte die 44-Jährige.

Otterwisch macht Mut

Kommentar von Roger Dietze

Mindestens der halbe Ort habe am Gelingen der 750-Jahrfeier mitgewirkt, war am Sonntag auf dem Höhepunkt der großen Jubiläums-Party nicht nur einmal in Otterwisch zu vernehmen. Dass so viele Menschen gemeinsam für die Umsetzung eines Zieles an einem Strang ziehen, ist eine gute Nachricht in diesen Zeiten. Denn die Einsamkeit scheint eines der am dringendsten zu lösenden Probleme des modernen Menschen zu sein.

Für viele der wütenden Gelbwesten im Nachbarland Frankreich etwa soll sie ausschlaggebend für ihre Beteiligung an den Protesten gewesen sein. Großbritannien brachte Anfang vergangenen Jahres gar eine Ministerin für Einsamkeit in Amt und Würden. Und ein regelmäßiger Pegida-Teilnehmer wird mit den Worten zitiert, dass man, wolle man sein Fernbleiben von den regelmäßigen Protesten erreichen, ihm eine Frau besorgen solle.

Frust ablassen im Rahmen von Protesten und teure Ministerposten, um der zunehmenden Vereinsamung zu begegnen – geht es vielleicht auch eine Nummer kleiner? Es geht, wie die Otterwischer in den vergangenen Tagen und die Bewohner vieler anderer Ortschaften im Landkreis Leipzig in den Jahren zuvor gezeigt haben und wie sie es ganz sicher auch in der Zukunft ein ums andere Mal noch zeigen werden: Raus aus den eigenen vier Wänden, rein in die Dorfgemeinschaftshäuser, Vereinsheime und sonstigen kommunalen Räumlichkeiten, um Dorffeste und Ortsjubiläen auf die Beine zu stellen.

Die Menschen in Deutschland im Allgemeinen und in Sachsen im Besonderen geben derzeit gemessen an den Wahlergebnissen ein Bild der Zerrissenheit ab. Das kleine Örtchen Otterwisch kann, über Jubel, Trubel und Heiterkeit hinausgehend, die ein Ortsjubiläum glücklicherweise mit sich bringt, in diesen Tagen Mutmacher dafür sein, dass man mittels gesellschaftlichen Engagements nicht nur der persönlichen Einsamkeit ein Schnippchen schlagen, sondern damit zugleich über politische Ansichten hinweg etwas Nützliches für die Allgemeinheit bewirken kann.

Allseits bekannt in Otterwisch dürfte allerdings Gudrun Reichert sein, die ihr mittlerweile drittes Ortsjubiläum miterlebte und aktiv mitgestaltete. „Weil bis auf ein Video fast keine Dokumente der 725-Jahrfeier vorlagen, haben wir hinsichtlich der Organisation fast bei Null anfangen müssen“, berichtete die 64-Jährige.

Hilfe für Fest in 25 Jahren

Daraus habe man gelernt und jetzt entsprechende Aufzeichnungen angefertigt, um jenen, die in 25 Jahren für die 775-Jahrfeier die Organisation in ihre Hände nehmen, diese zu erleichtern. Ob das nächste Ortsjubiläum allerdings die am Sonntag zu Ende gegangene 750-Jahrfeier noch einmal wird toppen können, ist eher unwahrscheinlich. „Es war überwältigend, was in Otterwisch abgelaufen ist, alle Veranstaltungen waren gut bis sehr gut besucht“, resümierte Gudrun Reichert.

Von Roger Dietze

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