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Grimma Abbau bis 2045 – Genehmigung für Steinbruch Trebsen soll verlängert werden
Region Grimma Abbau bis 2045 – Genehmigung für Steinbruch Trebsen soll verlängert werden
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15:45 16.07.2019
Der Steinbruch zwischen Trebsen und Seelingstädt aus der Vogelperspektive. Bis 2045 soll der Abbau verlängert werden. Quelle: Frank Schmidt
Trebsen/Seelingstädt

„Das war wie ein kleines Erdbeben“, schildert Hartmut Grabarse aus Seelingstädt. Der Rentner wohnt nur 200 Meter vom Steinbruch Trebsen entfernt und erschrak im Frühling über eine, wie er sagt, gewaltige Detonation. Nach derzeitigem Vertragswerk müsste der mit Sprengungen einhergehende Abbau von Quarzporphyr am Kolmberg Ende dieses Jahres eingestellt werden. Doch die Basalt AG will nun die Geltungsdauer des Rahmenbetriebsplans bis zum 31. Dezember 2045 verlängern lassen.

„Da bin ich nicht generell dagegen, aber es muss alles im Rahmen bleiben“, sagt Hartmut Grabarse, der sich den 6. Mai in seinem Kalender rot angestrichen hat. „Ich stand in der Küche, als es einen richtigen Rums gab. Die Gläser klirrten. So etwas lasse ich mir nicht bieten. Man darf doch nicht die volle Dröhnung fahren!“

Zu DDR-Zeiten größeres Abbauvolumen

Schon seit über 100 Jahren wird am Kolmberg Gestein abgebaut. Zur DDR-Zeit ging es richtig zur Sache, damals entstanden mehrere Risse im Mauerwerk von Grabarses Dreiseithof. Die Basalt AG (BAG) mit Hauptsitz in Linz am Rhein, die den Steinbruch 2002 von der insolventen Philipp Holzmann AG, erwarb, ließ die stationären Aufbereitungsanlagen zurückbauen und durch eine mobile ersetzen, die nur hin und wieder zum Einsatz kommt. Außerdem modernisierte sie 2016 die Bahnverladeanlage.

Schaden am Wohnhaus: Hartmut Grabarse zeigt auf einen Riss im Mauerwerk, der noch von den Detonationen zu DDR-Zeiten herrührt. Damals war die Fördermenge im nahen Steinbruch viel größer als heute. Quelle: Frank Pfeifer

„Die Gewinnung von Gestein unterliegt marktüblichen Schwankungen“, erläutert der Technische Leiter der BAG, Matthias Zeipert. Gegenwärtig würden nur 0,3 bis 0,5 Tonnen pro Jahr gefördert. Bundesweit, vor allem in Westdeutschland, gebe es zunehmend Engpässe an Hartgestein. „Deshalb gehen wir mittelfristig von einer höheren Nachfrage aus“, blickt Zeipert in die Zukunft. Der gültige Rahmenbetriebsplan für das 74,3 Hektar große Gebiet lasse es zu, jährlich bis zu 1,2 Millionen Tonnen Quarzporphyr abzubauen.

Noch genügend Material vorhanden

Material ist noch genügend vorhanden. Und so beantragte die BAG beim Oberbergamt Freiberg, die Abbaugenehmigung bis Ende 2045 zu verlängern – bis zu diesem Stichtag hat ihr die Behörde bereits 2015 das Bergwerkseigentum zugesichert. Bei solchen Vertragsänderungen müssen auch die sogenannten Träger öffentlicher Belange um ihr Einverständnis gefragt werden. Dazu zählt unter anderem die Stadt Trebsen.

Quelle: Frank Pfeifer

Am Montagabend kamen deren Technischer Ausschuss sowie der Ortschaftsrat im Rathaus zusammen, um über das Thema zu beraten. Den Abgeordneten versprach der BAG-Projektleiter Tagebaue, Jörg Hausmann, dass sich an den im bisher geltenden Rahmenbetriebsplan verankerten Parametern nichts ändere. Die rund 60 Meter tiefe Grube werde um maximal weitere 50 Meter vertieft. Die räumliche Ausdehnung bleibe gleich. Außerhalb liegende Landschafts-, Natur- und Trinkwasserschutzgebiete würden nicht beeinträchtigt. Dies sei mit den zuständigen Behörden abgestimmt worden.

Entscheiden muss Stadtrat

Der Technische Ausschuss empfahl dem Stadtrat, der Fristverlängerung zuzustimmen. Im Namen des Ortschaftsrats verlas Vorsteherin Susann Schumann eine Erklärung, wonach dieses Gremium grundsätzlich gegen Steinbrüche ist, aber im speziellen Fall lieber für die weitere Ausbeutung einer bestehenden Grube eintritt als eine neue aufzumachen, wie das im Alten Tausend geplant wird. Entscheiden muss der Stadtrat am 29. Juli.

Basalt AG gibt Versprechen ab

Die BAG sicherte indessen Hartmut Grabarse zu, bei der nächsten Sprengung in dessem Grundstück ein Messgerät aufzustellen. Der 67-Jährige, der gerade seine Scheune zur Wohnung für die Tochter ausbaut und hofft, dass diese neuen Wände nicht irgendwann auch wegen der Explosionen reißen, setzt auf das Versprechen, alles technisch Machbare zu tun, um die Belastungen so gering wie möglich zu halten. Für ihn gibt es aber noch ein Problem.

Gesteinstransport bleibt ein Problem

Es betrifft den Transport des Gesteins. „Als der Unterbau für die Autobahn 72 bei Borna hergestellt wurde, schepperten die Lastwagen ab früh halb sechs bei uns durch die Ortsdurchfahrt. Da ist man munter“, schildert der Seelingstädter und mahnt: „Sollte sich der Abbau einmal ausweiten, hält das unsere enge und desolate Straße nicht aus.“ Dirk Birnbaum aus seiner Nachbarschaft schlägt deshalb vor, im Fall der Fälle eine Art Ringverkehr einzurichten; also dass die Laster den Steinbruch beispielsweise aus Trebsen anfahren und über Seelingstädt verlassen.

„Wir appellieren an die Fuhrunternehmen, Engstellen zu berücksichtigen“, erklärt Matthias Zeipert von der Basalt AG, schränkt jedoch zugleich ein: „Wir sind aber keine Zauberkünstler, die alles regeln können. In solchen Angelegenheiten haben Straßenverkehrsbehörden das letzte Wort.“

Kommentar: Das Recht der Seelingstädter

Kommentar von Frank Pfeifer

Autos müssen auf Straßen rollen, Züge auf Schienensträngen. Flugzeuge müssen irgendwo starten und landen, Schiffe in Häfen einfahren. Überall, wo das geschieht, entsteht Lärm, der Menschen im Umfeld belastet. Das wird sich auch in Zukunft nicht verhindern lassen.

So müssen die Einwohner von Seelingstädt, die nahe am Steinbruch wohnen, die Sprengungen im Tagebau weiterhin ertragen. Das sind sie seit Generationen gewöhnt, und es spricht für sie, dass sie nicht generell dagegen ankämpfen. Aber sie haben natürlich recht, wenn sie das technisch Machbare einfordern, um die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten.

Klar ist ihnen, dass es des Schotters bedarf, der in Gruben wie ihrer gefördert wird. Ohne ihn gäbe es keine Straßen, Schienenstränge, Landebahnen und Häfen. Damit würde auch ihr Leben deutlich spartanischer aussehen, als sie es führen.

So richtig glücklich wären sie aber, wenn das Gestein nicht nur nach auswärts verfrachtet würde, sondern ein Teil für ihre eigene Ortsdurchfahrt abfällt. Seit 1970, als die Autobahn 14 zwischen Leipzig-Ost und Grimma eröffnet wurde, versprechen Behörden den Seelingstädtern, die Straße in Schuss zu bringen, die durch das damalige und die folgenden Baugeschehen stark in Mitleidenschaft gezogen worden ist.

Die Vorplanung für eine grundlegende Sanierung wurde zwar vor einem reichlichen Jahr abgeschlossen. Aber sollte das Landesstraßenbauamt weiter in der bisherigen Geschwindigkeit arbeiten, wird es eng, wenn bis zum neu ins Visier genommenen Betriebsende des Steinbruchs in 26 Jahren noch Seelingstädter Schotter für die Seelingstädter Fahrbahn genutzt werden soll.

Lieber Amtsschimmel, etwas mehr Beeilung bitte! Die Dorfbewohner, die schon viel hinnahmen, haben ein Recht darauf.

Mail an den Autor: f.pfeifer@lvz.de

Von Frank Pfeifer

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