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Grimma Aktivierung der alten Muldentalbahn? Colditz und Rochlitz wollen ans Netz
Region Grimma Aktivierung der alten Muldentalbahn? Colditz und Rochlitz wollen ans Netz
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08:53 14.02.2019
Der Wasserstoffzug bei seiner Fahrt von Leipzig nach Grimma Quelle: Frank Schütze
Colditz/Muldental

Der weltweit erste, mit Wasserstoff betriebene Zug, der kürzlich in Grimma einfuhr, hat schon jetzt viele Anhänger. Einer von ihnen ist Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger. Das parteilose Stadtoberhaupt hofft, mit dieser bahnbrechenden Neuerung nicht nur den ersehnten Anschluss ans S-Bahn-Netz zu schaffen. Er möchte Grimma auch zum Standort für diese Schlüsseltechnologie machen.

Aber auch in Colditz sorgte die Werbetour des französischen Konzerns Altstom, der den blauen Blitz baut, für Beachtung. Bürgermeister Robert Zillmann (parteilos) sieht in dem Wasserstoffantrieb eine Chance, sprichwörtlich wieder zum Zug zu kommen. „In Leipzig steigen die Mieten. Junge Familien, die vom eigenen Heim träumen, zieht es ins Umland. Davon wollen wir in Colditz profitieren. Ein Anschluss ans S-Bahn-Netz wäre da ein echter Trumpf.“

„Bei uns fangen die Berge an“

Im parteilosen Rochlitzer Oberbürgermeister Frank Dehne hat Zillmann einen natürlichen Verbündeten. Auch er kämpft schon seit Jahren um eine Zugverbindung in die Großstadt Leipzig: „Bei uns fangen die Berge an. Wir waren früher mal ein beliebtes Ausflugsziel für die Leipziger. Daran wollen wir anknüpfen.“

Bislang machte sich Dehne ausschließlich für die Wiederbelebung der alten Bahnstrecke nach Geithain stark. Seitdem jedoch Grimma auf Wasserstoff setzt, fährt Rochlitz zweigleisig: „Wir könnten ein Teilstück der alten Muldentalbahn von Rochlitz über Colditz und Großbothen reaktivieren“, sinniert Dehne.

Mögliche Alternative für Rochlitz

Genau wie Colditz will auch Rochlitz wachsen. Die Stadt an der Nordspitze des Kreises Mittelsachsen beginnt im März mit den Arbeiten an einem neuen Wohngebiet. Die 21 Bauplätze waren schnell vergriffen. Schon ist das nächste Baufeld in Vorbereitung. Um die Stadt besser anzubinden, kam bislang nur ein kostspieliger Ausbau in Frage, damit die Bahn auf die Gleisspur Chemnitz-Leipzig wechseln kann.

Die Grimmaer Pläne sorgen nun für eine Alternative. Zusammen mit seinem Colditzer Amtskollegen Zillmann besuchte Dehne den Grimmaer Oberbürgermeister. Berger bestätigt die Unterredung: „Die Gleise der alten Muldentalbahn von Großbothen über Colditz bis Rochlitz liegen noch. Die Kollegen aus Rochlitz und Colditz baten mich um Unterstützung, dass dieses Netz erhalten bleibt. Ich tue das sehr gern.“

Citytunnel: Mit Diesel außen vor

Heute und morgen wird sich nichts verändern. Wenn überhaupt, dann nur mittelfristig. Der Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig ist mit dem Bahnunternehmen Transdev, das die Strecke Leipzig-Döbeln bedient, noch bis 2025 vertraglich gebunden. Transdev aber darf mit seiner Dieseltechnik nicht durch den Citytunnel in Leipzig.

Dirk Kießling von der Bahnnostalgie Muldental begrüßt die Pläne, die Muldentalbahn zumindest in Teilen wieder aufleben zu lassen. Der Colditzer, der in Grimma arbeitet und familiäre Bindungen auch nach Rochlitz hat, veranstaltete bis zuletzt touristische Sonderfahrten auf den verwaisten Schienen. Mit Dampf und Diesel ließ er im Bereich des Großbothener Bahnhofs reihenweise Herzen höher schlagen.

Stressfrei und ohne Umsteigen reisen

Er wisse von einigen Unternehmen an der Strecke, die gern ihren Güterverkehr über die Muldentalbahn abwickeln würden, sagt Kießling: „Für uns alle wäre es ein Glücksfall, wenn durch das Grimmaer Engagement rund um Wasserstoff frischer Wind in die Sache käme.“

Eine Anbindung der Städte Rochlitz, Colditz und Grimma an die S-Bahn, so Kießling, würde das Lebensgefühl der Bewohner maßgeblich erhöhen: „Als Teil des Speckgürtels wären wir bei einer Fahrzeit von unter einer Stunde in Leipzig – und das ganz stressfrei und ohne lästiges Umsteigen.“ So wird aus dem Bahnnostalgiker ganz unverhofft doch noch ein Bahnpionier.

Von Haig Latchinian

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