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Grimma Als der Rohrstock noch regierte: Erdmannshain erinnert an graue Vorzeit
Region Grimma Als der Rohrstock noch regierte: Erdmannshain erinnert an graue Vorzeit
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15:11 16.02.2020
Beim Erdmannshainer Kaffeeklatsch geht es ungezwungen zu. Quelle: René Beuckert
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Naunhof/Erdmannshain

Am Samstagnachmittag hatte der Heimatverein Erdmannshain zu einem Spieletag in die Kulturscheune des Dorfes eingeladen. Viele Bewohner nutzten deshalb die Möglichkeit, bei Kaffee und Kuchen gemütlich beisammen zu sitzen, um so miteinander ins Gespräch zu kommen. Zu erzählen gibt es in so einem kleinen Ort viel, zumal die Mitglieder des Vereins auf ein Stück ihrer eigenen Geschichte zurückblicken können.

Heimatliebe hat Tradition im Ort

Vereinsmitglied Edith Just ist von Anbeginn dabei. Zu DDR-Zeiten habe es schon Leute aus dem Ort gegeben, die mit viel Fleiß und Elan zur Erhaltung und Verschönerung von Erdmannshain beigetragen hätten, erinnert sich die agile Seniorin. Auch nach der politischen Wende wollten sie sich weiter für das Dorf engagieren und gründeten den Ortsverein, aus dem der heutige Heimatverein hervorging, berichtet sie weiter.

Wolfram Just plauderte im Klassenzimmer über den Schulalltag von anno dazumal. Quelle: René Beuckert

Mittlerweile seien sie so gut organisiert, dass sie sogar einen Veranstaltungsplan für das gesamte Jahr erarbeitet hätten: „Es sind nicht nur die einzelnen Nachmittage wie dieser, die Gefallen finden. Vielmehr haben Osterreiten, Halloween, Drachenfest oder Weihnachten, um nur einige Beispiele zu nennen, einen besonderen Stellenwert. Da kommen nicht nur Leute aus dem Ort, sondern auch aus den Umlandgemeinden und jene aus dem Leipziger Raum“, hebt Geralf Just hervor.

Klassenzimmer aus grauer Vorzeit

Im Laufe der Jahre bauten die Gemeindemitglieder das Areal weiter aus. Zuletzt eröffneten sie im Nachbarhaus ein stilechtes Klassenzimmer aus grauer Vorzeit: „Viele ältere Besucher fühlen sich dadurch in ihre Jugend zurück versetzt, als sie Buchstaben und Zahlen noch auf der Schiefertafel schrieben“, sagt Wolfram Just. Die alten Schulbänke sind mit Tintenklecksen und Kritzeleien aus längst vergangenen Tagen versehen. Sogar ein uraltes Tintenfass lugt aus der hölzernen Bank hervor. Lederne Schulranzen und ehrwürdige Atlanten bilden den passenden Rahmen.

Die Erdmannshainer Häkelfrauen unter sich. Quelle: René Beuckert

Wolfram Just erläuterte bildhaft, dass viele Lehrer bei Schülerstreichen kein Pardon kannten: „Wenn ich bestraft wurde, musste ich die Hände nach vorne strecken. Auf die drosch der Lehrer dann mit dem Rohrstock ein. Aber: Die Bestrafung hat nur kurz gewirkt, denn Unsinn haben wir Kinder immer wieder angestellt“, sagt Just etwas verschmitzt.

Spieletag als Besuchermagnet

Der Spieletag vom Wochenende erwies sich als Besuchermagnet. Fast unbemerkt saß eine Gruppe Frauen etwas abseits an einem kleineren Kaffeetisch, wo sie nicht nur dem Schälchen Heeßen frönten. Immer griffbereit lagen nämlich Wolle und Häkelnadel. „Es ist nicht nur das Häkeln an sich, das uns gefällt. Es sind die Gespräche, die wir führen“, sagt Gabi Wilke. Da konnte ihre Tischnachbarin Yvonne Schwolow nur zustimmend nicken.

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Von René Beuckert

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